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» Thema » WM 2006 » Lutz Taubert

 

»Geh in den Kasten, ich mach Sturm...« - über Fußball und Theologie

Von Lutz Taubert

Wie sagte der Herr vor der Sintflut zu Noah? »Geh in den Kasten, ich mach Sturm.« Und wie heißt das bekannte Lied aus dem Kirchengesangbuch? »Macht hoch die Tür, das (oder doch die?) Tor macht weit!"

Wir wollen aus aktuellem Anlass über Fußball und Theologie nachdenken. Und nachdem jeder deutsche Hasenzüchter-Verein seinen besonderen Beitrag zur Fußball-WM bereit hält, haben die Kirchen keinen Grund, irgendwie zurückzustehen und nicht der allgemein grassierenden Fußball-Hysterie zu verfallen.

Im Gegenteil: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist bei dieser WM auf ihre Weise mindestens so gewichtig im Spiel wie kommerzielle FIFA-Partner á la Budweiser und Adidas. Die EKD öffnet die Türen und Tore der eigenen Kirchen hoch und weit, Übertragungsrechte für das so genannte Public Viewing wurden rechtzeitig gesichert, in und vor den Gemeindehäusern werden Großbildwände aufgezogen, Fans sind zum Zuschauen (und auch ein bisschen zum Missioniert-Werden) geladen. Manche Kirchen werden zur WM so voll sein wie zu Weihnachten; besondere Gottesdienste und Mittagsgebete machen das kirchensportliche Programm perfekt.

Dass am 9. Juni die WM nicht etwa mit einem Fußballspiel eröffnet wird, sondern schon Stunden davor mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Bischöfen und dem Bundespräsidenten, feiern und verbuchen wir als einen ersten Sieg. Und schon jetzt sollten wir, für den Fall der Fälle überlegen, wie man den Dankgottesdienst für den Welt-Meister Deutschland gestalten wird: ökumenisch und die unterlegenen Gegner in versöhnter Verschiedenheit einbeziehend.

Fußball und Theologie, was für ein herrliches Paar: Sie wird durch ihn anschaulich, er erfährt durch sie geistige Tiefe. Wir erinnern uns der Weltmeisterschaft 2002, als unser bayerischer Bischof Friedrich in Michael Ballack einen modernen Moses sah. Der Stürmer führte seine Mannschaft ins Gelobte Land, ohne es selbst betreten zur dürfen. Anders ausgedrückt: Ballack war wegen einer gelben Karte für das Endspiel gesperrt. Wer versteht das nicht! Beste evangelische Erwachsenenbildung, Religionsunterricht für Fußballer und Fans.

Religiöse Metaphern für den Fußball gibt es viele, sie passen gelegentlich sehr gut und sind bisweilen mit Vorsicht zu genießen: Von der Rolle des Judas oder des Sündenbocks, die weitere Fußballspieler übernehmen könnten, reden wir besser nicht. Eher schon davon, dass wir mit einem Wunder (wie das von Bern) rechnen oder besser: auf ein Wunder hoffen, ohne wirklich etwas dazu tun zu können. Denn das ist das Eigentliche eines (biblischen) Wunders: »Machbar« ist es nicht. Dein Fitness-Gerätepark, deine Laptops, in denen du die medizinisch-psychologischen Leistungsdaten deiner Schützlinge speicherst, und deine psychotaktischen Teambesprechungen in allen Ehren, lieber Klinsi, aber ein bisschen hoffen musst auch du!

Übrigens: »Jesus predigte, und die Jünger standen abseits.« Noch so ein Wort, das nicht in der Bibel steht und uns Fans zu denken gibt.

   Lutz Taubert ist stellvertretender Chefredakteur des Sonntagsblatts - Evangelische Wochenzeitung für Bayern.

  www.e-wm.de - der evangelische Blick auf die WM

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WM 2006

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abgerufen 21.05.2012 - 09:56 Uhr

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