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CSU-Kampagne bei Synodenwahl

Politisierte Kirche

Von Wolfgang Lammel und Klaus Leder

Nach der Wahl der neuen Landessynode ist ein heftiger Streit über eine dubiose Empfehlungs-Kampagne des Evangelischen Arbeitskreises der CSU (EAK) entflammt. Aber auch landeskirchliche Dienststellen sind wegen ihrer Werbebriefe für bestimmte Kandidaten ins Gerede gekommen.

Der Wahl sollte eigentlich das Übliche folgen: Glückwünsche für die Gewinner, Aufmunterung für die Verlierer, dann die obligatorischen Formalitäten. Stattdessen gab es zornige Briefe, entrüstete Erklärungen und verständnisloses Misstrauen. Was war geschehen? Als die rund 12000 Stimmen der bayerischen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher ausgezählt waren, sickerte die Information durch, es habe einen massiven Versuch der Einflussnahme auf die Synodalwahl gegeben.

Tatsächlich kursierte gut eine Woche vor dem Wahltag ein Rundbrief durch Bayern, in dem der EAK-Landesvorsitzende Ingo Friedrich die CSU-Ortsvorsitzenden dazu aufrief, für die Kirchenwahl ausgesuchte »uns nahe stehende Kandidaten« zu empfehlen (Sonntagsblatt Nr. 50, Seite 9). Dem Schreiben beigelegt waren Listen mit Namen von Theologen und Laien, für jeden CSU-Bezirksverband aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Wahlkreisen.

Das Pikante: Die Mehrzahl der Genannten wusste weder von dem Rundbrief noch von der Liste mit ihrem Namen. Mittlerweile gingen mehrere dieser Kandidaten auf Distanz zu dieser Aktion. Der Rothenburger Dekan Dietrich Wünsch beispielsweise sagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, durch die unerbetene Schützenhilfe sehe er sich seinem Verhältnis zu den übrigen Bewerbern »persönlich beschädigt«.

In dem Anschreiben, auf CSU-Briefpapier vervielfältigt, wird mit der Landessynode abgerechnet. Das Gremium, das erst vor wenigen Wochen in Erlangen zu seiner letzten Tagung zusammenkam, habe über »eine deutliche linke Mehrheit« verfügt, die »über das Maß des Erträglichen hinaus ausgenutzt« worden sei. Die Zusammensetzung der Synode hat nach Überzeugung der Verfasser »der Mehrheit der evangelischen Gemeindeglieder und Kirchenvorstände« nicht entsprochen.

Über die Urheberschaft dieses Textes gab es auch eine Woche nach dem öffentlichen Bekanntwerden keine letzte Klarheit. Der Europaparlamentarier Ingo Friedrich selbst sagte am Montag nach der Wahl, »mehrere Synodale« hätten den Brief verfasst, den er in einzelnen Formulierungen für unglücklich halte. Dem Ansbacher Dekan Matthias Oursin nannte der CSU-Politiker Namen: In einem Telefongespräch habe ihm Ingo Friedrich erklärt, der Brief sei auf Anregung von Mitgliedern der Landessynode unter Federführung von Pfarrer Alfred Seiferlein (Bechhofen bei Ansbach) zustande gekommen, sagte Oursin gegenüber dem Sonntagsblatt.

Der zweifach promovierte Theologe Seiferlein, seit 1996 Mitglied der Synode und jetzt wiedergewählt, hält »die ganze Aufregung für übertrieben«. In dem Arbeitskreis, dem er mit anderen Synodalen aus ganz Bayern angehört habe, sei es darum gegangen, die Mehrheitsverhältnisse in der Synode »ausgeglichener zu gestalten«. Bei der Suche nach kirchlichen und außerkirchlichen Unterstützern sei man »zufällig« auf den Evangelischen Arbeitskreis der CSU gestoßen. Gegen eine Vermutung von Synodalpräsident Dieter Haack in der lokalen Presse bestreitet Seiferlein, den Brief formuliert zu haben: »Das ist nicht meine Diktion.« Im gleichen Atemzug bedauert er jedoch, dass der Brief in der »Hitze des Gefechts« nicht mehr korrigiert worden sei. Als »ganz heikle Sache« sieht er die Kandidatenliste: »Die Leute auf der Liste hätte man informieren sollen.« Das sei zumindest bei seiner eigenen Person auch geschehen.

Auch der der Forchheimer Dekan Heinz Haag, den Friedrich ebenfalls als Verfasser ins Spiel gebracht hat, weist eine Autorschaft zurück: »Ich habe den Brief nicht geschrieben. Ich kann nur denen gratulieren, die ihn geschrieben haben.« Haag, der jetzt zum dritten Mal in die Synode gewählt wurde, ist der Überzeugung, dass in der abgelaufenen Wahlperiode zu viele Beschlüsse gegen die Interessen von konservativen Gemeindepfarrern gefasst wurden. Für Unmut sorge, dass immer weniger Kirchensteuermittel den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt würden. Wenn jetzt manche Stadtdekane nicht wiedergewählt worden seien, dann nicht wegen der Vorschlagslisten, sondern »weil sie einen kirchenpolitischen Kurs fahren, der dem großen Teil der Gemeinden nicht passt«.

Deutliche Kritik übte Haag an einer »Einmischung kirchlicher Amtsstellen« im Vorfeld der Wahl: »Damit wurden ganz gezielt Mehrheiten organisiert.« In der Tat hatte etwa die evangelische Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) bei den Kirchenvorständen für bestimmte Kandidaten geworben, um »Brücken zur Arbeitswelt zu bauen«. Mitunterzeichner ist der berufene Synodale und Amtsleiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, Hans-Gerhard Koch aus Fürth. Auch auf anderen Ebenen, zum Beispiel bei den Dekanatsfrauenbeauftragten, sei »viel mehr gelaufen«, meint Seiferlein.

Die EAK-Wahlhilfe hält Matthias Oursin jedoch für eine »unerlaubte Einmischung und parteipolitische Einflussnahme«. Solange sich Wahl-Empfehlungen innerhalb der Kirche bewegen, habe er nichts einzuwenden. Eine kirchliche Wahl aber zu politisieren, »fällt nicht nur auf die Partei zurück, sondern auch auf die, die so etwas machen.«

Im Zug der Briefkampagne kam auch der nach eigenem Verständnis wertkonservative synodale Arbeitskreis »Gemeinde Unterwegs« in Not. Vorschlagslisten mit - teils anonymen - Begleitbriefen und einem Prospekt mit den Namen der Arbeitskreis-Mitglieder tauchten bei einzelnen Wahlberechtigten auf. Die Sprecher von »Gemeinde Unterwegs«, Dekan Gottfried Schoenauer (Regensburg) und Renate Seitz aus Bubenreuth, distanzierten sich in einer Erklärung klar von der Aktion und räumten ein, dass Mitglieder ihres Arbeitskreises »aus wahltaktischen Überlegungen« eigenverantwortlich gehandelt hätten. Schoenauer, der nicht wiedergewählt wurde, und Seitz, die nicht wieder kandidiert hatte, verurteilen die anonymen Briefe als »unangemessen und nicht unserem Arbeitsstil entsprechend«. Beide distanzieren sich auch von der Art und Weise, wie in dem Brief die Synode beschrieben wird.

(Nr. 51/52, 23./30. Dezember 2001, Seite 11)


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Ingo Friedrich, CSU

  »Die letzte Synode hatte eine deutliche linke Mehrheit... Das soll sich nicht wiederholen.« - Der stellvertretende bayerische CSU-Vorsitzende Ingo Friedrich am 28. November in einem Schreiben an die rund 2900 Ortsvorsitzenden der CSU. (Foto: Archiv)