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» Thema » "Die Passion Christi" » Stimmen und Meinungen

 

Stimmen zum Film

Nicht so schlecht, wie offiziell behauptet
Berufsschüler verfolgen diesen Film interessiert. Vieles ist ihnen nicht bekannt: Garten Gethsemane, Pilatus, die Hohenpriester. Manche erkennen die Szene mit der Steinigung der Ehebrecherin. Ich finde ihn nicht so schlecht, wie von offizieller evangelischer Seite behauptet.

Claus Geiger, Sonntagsblatt-Leser aus Illertissen

Weiden am Leiden
Gibsons Darstellung vom Leid und Tod Jesu weicht deutlich von den Grundaussagen beider Kirchen ab. Im Film ist das überaus grausame Sterben Jesu der Grund, warum Gott Mensch geworden ist - für die Christen stehen Leben und Lehre Jesu im Mittelpunkt, der Tod ist die Konsequenz dieses Lebens. Die Bergpredigt ist wichtiger als der Nagel, der Jesu Hand durchdringt;

Matthias Drobinski, Journalist, Süddeutsche Zeitung, München

In der Tradition der Passionsspiele
Der Gewaltvorwurf lässt wenig Vertrautheit mit den Religionsgeschichten des Christentums erkennen. Populärer Mythenglaube hat »Christi blutiges Selbstopfer« gern äußerlich, als außergewöhnliche Leidensleistung, aufgefasst und in zahllosen Erinnerungsspektakeln veranschaulicht. (...) Von herkömmlichen Passionsspielen und Kreuzwegsprozessionen unterscheidet sich »Die Passion Christi« nur dadurch, dass naturalistisches Kino Jesu Wunden sehr viel näher, plastischer und grauenerregender zeigen kann.

Friedrich Wilhelm Graf, Theologe, Leibniz-Preisträger, Frankfurter Allgemeine Zeitung

An den Grenzen zur Blasphemie
Jedes religiöses Kunstwerk muss sich am Bilderverbot der 10 Gebote und damit der Tora messen lassen. Das gilt ganz besonders für Filme, denn sie lassen dem Betrachter noch weniger Freiheit als andere Medien. Das Bilderverbot dient ja unter anderem dazu, Gott und seine Wirklichkeit, aber auch seine Geschöpfe nicht einseitig festzulegen. An diesem Anspruch scheitert der Film "Die Passion Christi" auf geradezu groteske Weise - grotesk deshalb, weil auch der Anspruch der Autentizität mehrfach fehlgeht. Es ist immer noch ein Unterschied, ob ich "O Haupt voll Blut und Wunden" im Choral singe oder ob mir das in einem Film mit allen heute möglichen technischen Raffinessen vorgesetzt wird. Fazit: Trotz aller technischen und schauspielerischen Leistungen ein im Ansatz verfehltes, an den Grenzen zur Blasphemie liegendes Machwerk.

Friedrich Jehnes, Sonntagsblatt-Leser aus Bayreuth

Grünewald-Altar hat laufen gelernt
Mel Gibson inszeniert die Passionsgeschichte, als würde Matthias Grünewalds Kreuzigung laufen lernen. (...) Und so flüchtet sich der ratlose Zuschauer, wenn er denn bis zum Ende durchgehalten hat, stumm aus dem Kino und versucht, die obszönen Folterbilder wieder aus dem Kopf zu bekommen, versucht innerlich die Frage zu beantworten, ob das Evangelium - so gesehen - eigentlich jugendfrei sein kann.

Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik, Erlangen

Authentizitätsfanatiker auf Holzwegen
Mel Gibson ist zwar ein Authentizitätsfanatiker, aber einer auf Holzwegen...
So viel Gewalt braucht wirklich niemand, um das Erlösungswerk Jesu Christi eindrücklich zu finden. (...) Dahinter liegt ein missverstandener Sündenbegriff (...) Gibson badet in einer Schmerzensmann-Frömmmigkeit, die alles Gewicht auf die Äußerlichkeit des Leidens Jesu legt...
Der Film sollte von den Kirchen weder empfohlen noch »skandalisiert« werden, sondern es sollte nüchtern gesagt werden, was der Film ist: eine auf die letzten zwölf Stunden reduzierte Illustration der biblischen Passionsgeschichte, der die theologische Tiefe fehlt, die seine Brutalität ausgleichen könnte.

aus dem Schreiben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an die 23 Gliedkirchen

Besser vergessen
Der Zuschauer bleibt mit der Botschaft der Gewalt und der Grausamkeit allein. Auch die Auferstehungsszene am Schluss des Films, die über den Tod und das Leiden hinausweisen könnte, habe ich lediglich als kitschig und nahezu lächerlich empfunden. Es ist kein Film, den ich empfehlen kann, auch keiner, vor dem ich warnen muss. Besser man vergisst ihn.

Landesbischof Johannes Friedrich, Sonntagsblatt

Angst vor der Botschaft?
Warum verehrt das Christentum den Sohn Gottes als gefolterte und gemarterte Kreatur am Kreuz? Weshalb schöpfen Christen ausgerechnet aus diesem fürchterlichen Symbol seit zwei Jahrtausenden solche Hoffnung? Warum ist Ostern (die Auferstehung, nicht die Kreuzigung!) das höchste christliche Fest? Was bedeutet es, Christ zu sein?
Ist diese eigentümliche Furcht vor dem Film, der beinahe sogar als Bedrohung empfunden wird, nicht vielmehr die Angst vor dem Unbegreiflichen der Lehre Christi? Gibsons filmisches Kunstwerk kann auf die Darstellung der Gewalt nicht verzichten, wenn er sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, die Leiden Christi zu verharmlosen und die Wahrheit der Heiligen Schrift anzuzweifeln.

Meinhard Kurland, Sonntagsblatt-Leser

Warnung vor antisemitischer Instrumentalisierung
Mit dieser drastischen Darstellung verkürzt der Film die Botschaft der Bibel auf problematische Weise...
Wir warnen gemeinsam nachdrücklich vor jeder Instrumentalisierung des Films und des Leidens Jesu im Sinne antisemitischer Propaganda. Die christlichen Kirchen haben ausdrücklich erklärt, dass der Antijudaismus zur christlichen Schuldgeschichte gehört. Sie weisen die These von der Kollektivschuld des jüdischen Volkes und jede Form von Antisemitismus und Rassismus entschieden zurück.

aus der gemeinsamen Erkläung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul, Spiegel, des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber.

  Die Passion Christi
 
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abgerufen 21.05.2012 - 09:49 Uhr

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