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Dieser Artikel: Ausgabe 23/2012 vom 03.06.2012
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Positive Streitkultur

Bischof Bedford-Strohm auf dem Hesselberg


Knapp 16.000 Menschen sind am Pfingstmontag zum 61. Bayerischen Kirchentag auf den mittelfränkischen Hesselberg gekommen - so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Beginn des Gottesdienstes musste wegen des großen Andrangs um 15 Minuten auf 10.15 Uhr verschoben werden, am Fuß des Hesselbergs rund um die Gemeinde Gerolfingen hatten sich kilometerlange Staus gebildet. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm warb in seiner Festpredigt für eine positive Streitkultur in der Kirche.

16.000 Besucher waren beim Hesselberg-Kirchentag.
Foto: Frank
   16.000 Besucher waren beim Hesselberg-Kirchentag.

        

Bedford-Strohm sagte, manchmal müsse man um die Wahrheit streiten. Dies müsse jedoch stets in Achtung und Liebe zueinander geschehen. Wenn einer anfange, andere abzuwerten, sie fanatisch zu bekämpfen, sie nicht mehr als Weggenossen auf der Suche nach der Wahrheit zu sehen, sondern als Feinde, so gewinne »der Hass die Macht über euch und vergiftet eure Herzen und euren Verstand«, betonte er. Hass und Wahrheit seien wie Feuer und Wasser, »die gehen nicht zusammen«, aber die Liebe, die passe zur Wahrheit, sagte der Landesbischof.

Die Kirche stehe oft vor der Frage, ob das Folgen eines Zeitgeists nun ein Verrat am Evangelium wäre, oder ob man das Evangelium verrate, wenn man nichts verändern und nichts dazulernen wolle. Viele Christen hätten während der NS-Zeit «auch und gerade hier auf dem Hesselberg» den Nationalsozialisten zugejubelt und es später bitterlich bereut, »weil sie gemerkt haben, wie sie das Evangelium an den Zeitgeist verraten haben«, sagte Bedford-Strohm. Der Hesselberg war zwischen 1933 und 1939 jedes Jahr Schauplatz der nationalsozialistischen «Frankentage», an denen jeweils bis zu 100000 Menschen teilnahmen.

Der Landesbischof sagte, es gebe aber natürlich auch Fälle, in denen Neuerungen kein Verrat am Evangelium seien. »Wenn ich mir anschaue, welch tollen Dienst viele Pfarrerinnen in unserer Kirche tun«, so wisse er nicht, wie man so lange darauf habe verzichten können. Mit Zulassung der Frauenordination habe man das Evangelium nicht an den Zeitgeist verraten, sondern man habe es neu und besser verstanden. Welche Veränderungen falsch oder richtig sind, »wird in unserer Kirche immer umstritten sein«, sagte er: «Was am Ende richtig war, wird man vielleicht erst aus dem historischen Abstand beurteilen können.»

Lebensbuch Bibel

Zu einer moralischen »Energiewende« rief derweil im oberfränkischen Bobengrün der ZDF-Journalist und Buchautor Peter Hahne auf. Um die Natur und die Schöpfung zu schützen, sollte auf den Atomausstieg ein »Abtreibungsausstieg« folgen, sagte Hahne bei der traditionellen CVJM-Pfingsttagung im oberfränkischen Bobengrün (Landkreis Hof). Seit 1990 seien in Deutschland 2,5 Millionen ungeborener Kinder im Mutterleib getötet worden. »Wer heute von Lebensschutz spricht und damit Legehennen und Juchtenkäfer meint, der sollte auch den Schutz ungeborener Kinder und pflegebedürftiger Alter ins Auge fassen«, so Hahne.

Innenminister Friedrich mit Peter Hahne in Bobengrün.
Foto: Lammel
   Innenminister Friedrich mit Peter Hahne in Bobengrün.

        

Peter Hahne, von 1992 bis 2009 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), setzte sich nachdrücklich für eine unverfälschte Sprache der Bibel ein. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass der Text der Heiligen Schrift »verbogen« werde: »Dieses schöne feministische Allotria wirkt im Endeffekt wie ein Todeshauch über Luthers Kirche.« Die so genannte gerechte Sprache werde auf dieses Weise »zu einer gerechten Strafe, zu einer Theologie der leeren Kirchenbänke - irgendwann kommt dann niemand mehr.« Die Bibel müsse wieder »von einem Lesebuch zum Lebensbuch« gemacht werden, forderte Hahne. Jeder müsse die Bibel lesen, um ihre Freiheitsbotschaft zu erkennen: «Die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Menschenwürde und die Menschenrechte - all das steht in diesem Buch«, sagte Hahne. Wenn Salafisten heute auf den Straßen den Koran verteilten, »dann müssen wir eigentlich die Bibel verteilen«.

Der 59-jährige Bestsellerautor (»Schluss mit lustig«) In diesem Jahr war Hahne bereits zum siebten Mal Hauptredner in Bobengrün. Die 67. Pfingsttagung stand unter dem Leitwort »Worauf du dich verlassen kannst - Gottes Verheißungen«. Neben Peter Hahne waren Rolf Sons, Rektor am theologischen Zentrum Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen, und der Hochschulevangelist Matthias Clausen (Universität Greifswald) Gastredner in Bobengrün.

Nach Schätzungen der Veranstalter kamen am Pfingstsonntag rund 15000 Besucher zu der Festversammlung unter freiem Himmel, deutlich mehr als in den Vorjahren. Unter den Zuhörern war auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der in der benachbarten Stadt Naila aufgewachsen ist.

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epd/wl

 


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abgerufen 18.12.2014 - 20:27 Uhr

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