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Aktuelle Ausgabe: 40 vom 05.10.2014
Dieser Artikel: Ausgabe 19/2012 vom 06.05.2012
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Multimediale Zeitreise

Landesausstellung beleuchtet Verhältnis zwischen »Bayern und Österreich«


Die Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung führt als multimediale Zeitreise unterhaltsam und kenntnisreich durch die Geschichte von Bayern und Österreich.

Der Inn als »innerbayerische Grenze«: Blick auf Burghausen vom oberösterreichischen Ufer aus.
Foto: Springer
   Der Inn als »innerbayerische Grenze«: Blick auf Burghausen vom oberösterreichischen Ufer aus.

        

Es ist eine Friedensgeste, die auch heute für Furore sorgen würde: Nachdem Kaiser Ludwig der Bayer in der Auseinandersetzung um die Krone des Heiligen Römischen Reiches Herzog Friedrich von Österreich in der Schlacht von Mühldorf 1322 besiegt hatte, versöhnte er sich mit seinem Kontrahenten. Ludwig bot seinem Vetter Friedrich die Mitregentschaft an. Als Symbol dafür schliefen die beiden Herrscher eine Nacht zusammen in einem Bett. Zwei Urkunden belegen dieses Zeremoniell. Sie sind im Rahmen der Bayerisch-Oberösterreichischen Landesausstellung in Burghausen zu bewundern. Die Schau wird bis 4. November zu sehen sein.

Die bayerisch-österreichische Beziehungsgeschichte ist ungeheuer vielfältig und reichhaltig. Auch aus diesem Grund konzentriert sich die Landesausstellung auf den Zeitraum vom frühen Mittelalter bis zum Ende des alten Römischen Reichs Deutscher Nation 1806. Das 19. und 20. Jahrhundert soll in einer weiteren Ausstellung behandelt werden, wie der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, vor der Eröffnung erklärte.

Tretradkran im Gärtlein der Burghausener Burg: an »Aktivstationen« das Mittelalter erfahren.
Foto: Springer
   Tretradkran im Gärtlein der Burghausener Burg: an »Aktivstationen« das Mittelalter erfahren.

        

An einem Tag lässt sich die Landesausstellung an den drei Standorten Burghausen, Braunau und Mattighofen kaum bewältigen. Aber das gehört zum Kalkül der Organisatoren, die mehr Gäste in die Region um Donau, Salzach und Inn locken möchten. Das könnte der Schau mit dem Titel »Verbündet, verfeindet, verschwägert - Bayern und Österreich« auch gelingen: Denn sie schafft es, trockenes historisches Wissen interessant und unterhaltsam zu verpacken.

Der Ausstellungsbereich im oberbayerischen Burghausen schildert die Zeit, als »Österreich noch bei Bayern war«. Sie beginnt im 8. Jahrhundert als Bayern in die »Marchia Orientalis« expandierte, also die »Östliche Mark« - das heutige Oberösterreich. Dieser erste Teil der Schau in der Burg zu Burghausen informiert über Sklavenhandel und christliche Mission, Ackerbau und Kaiserkrönung, Rittertum und Fernhandel entlang der Donau.

Das Herzogtum Bayern reichte bis 1156 vom Lech bis an die ungarische Grenze und umfasste Ober- und Niederösterreich. Zu sehen sind etwa der Awaren-Goldschatz oder die älteste illustrierte Handschrift des Nibelungenliedes. Die Zeitreise endet im 14. Jahrhundert als Oberösterreich und Bayern nach vielen politischen Wirren eine klare Grenze auf der Landkarte Europas zogen.

Der Abtsstab des heiligen Wolfgang von Regensburg. Als Regensburger Bischof missionierte er Ende des 10. Jahrhunderts Niederösterreich.
Foto: Springer
   Der Abtsstab des heiligen Wolfgang von Regensburg. Als Regensburger Bischof missionierte er Ende des 10. Jahrhunderts Niederösterreich.

        

Stets geht es um Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen. Im Mittelalter etwa war die Bevölkerung zwischen Lech und Enns alles andere als homogen, aber sie bildete eine Schicksalsgemeinschaft: Im Osten mussten sie sich der Bedrohung durch Awaren, Mähren und Ungaren erwehren. Andererseits sorgte die Donau mit ihren Nebenflüssen für einen Austausch von Waren und Informationen.

Anschaulich wird dieses Wissen durch die Verschränkung der wissenschaftlichen Erkenntnisse mit modernen pädagogischen Hilfsmitteln: An »Aktivstationen« können Kinder und Erwachsene selbst anpacken und Korn mahlen, sich in einen Pflug stemmen oder mit vollem Körpereinsatz einen Tretradkran in Bewegung setzen. Sie lernen, mit einer Zwölfknotenschnur den Grundriss einer Holzburg zu vermessen und können an einem interaktiven Monitortisch die dreidimensionale Burg erkunden.

>Türstürze am oberösterreichischen Schloss Mattighofen erinnern daran, dass sich das Anwesen einst im Besitz der bayerischen (und später protestantischen) Grafen von Ortenburg befand.
Foto: Springer
   Türstürze am oberösterreichischen Schloss Mattighofen erinnern daran, dass sich das Anwesen einst im Besitz der bayerischen (und später protestantischen) Grafen von Ortenburg befand.

        

In der Ausstellung im oberösterreichischen Schloss Mattighofen, dem einstigen Sitz der Grafen von Ortenburg, geht es um die Konflikte, die Bayern und Österreich im 18. Jahrhundert entzweiten. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Herrscherdynastien der Habsburger und Wittelsbacher, die Koalitionskriege gegen Napoleon, die Entstehung des Königreichs Bayern und des Kaiserreichs Österreichs, der Tiroler Aufstand oder der Wiener Kongress erinnern die Besucher daran, wie schmal die Grenze zwischen Krieg und Frieden sein kann, und wie mühsam der Weg zu einem dauerhaften Frieden ist.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich Festen und Spielen. Im Schlosshof können Kinder und Jugendliche das Jeu de Paume (einen Vorgänger zum Tennis) oder das Jeu de Passe (ein Vorläufer von Minigolf) ausprobieren. Außerdem erklärt die Schau, wie Kinder früher lebten. Sie spart auch Schattenseiten wie die hohe Kindersterblichkeit oder die mangelnde Schulpflicht nicht aus.

Im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau setzt die Erzählung der bayerisch-österreichischen Geschichte mit der Barockzeit wieder ein. Unter anderem gibt es einen zauberhaften Bühnennachbau mit barocker Theatereffekttechnik zu bewundern.
Foto: Springer
   Im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau setzt die Erzählung der bayerisch-österreichischen Geschichte mit der Barockzeit wieder ein. Unter anderem gibt es einen zauberhaften Bühnennachbau mit barocker Theatereffekttechnik zu bewundern.

        

Wie sich im Zeitalter des Barock trotz Krieg, Angst und Schrecken auch die Kunst und Kultur entwickelten, thematisiert die Schau im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau am Inn, ganz in der Nähe der Grenze. Neben der Darstellung der absolutistischen Herrscher und ihrer Vergnügungen bei der Jagd geht es hier auch um die Frömmigkeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts, die Ausdruck fand in kirchlichen Prozessionen, Wallfahrten und Messen. Herausragendes Exponat ist die berühmte Kaisermonstranz Kaiser Karls VI (1711-1740).

Österreich und Bayern ist eine Geschichte der fließenden Beziehungen und der sich verschränkenden Kulturen. Das veranschaulichen die Exponate ebenso wie zahlreiche Schaubilder - darunter eine Landkarte der Dialekte oder der Ortsnamen, die auf »ing« enden. Die Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung macht deutlich, dass der »Grundton der Zusammengehörigkeit« zwischen Bayern und Österreich nicht nur ein kurioses Phänomen ist, sondern konkrete historische Wurzeln hat. In diesem Sinne teilen Bayern und Österreich heute zwar kein Bett, wohl aber das Bettzeug.

LANDESAUSSTELLUNG

Bayern und Österreich: verbündet, verfeindet, verschwägert. Bayerisch-oberösterreichische Landesausstellung, 27. April bis 4. November 2012.

Bayern und Österreich Über Grenzen hinweg: die sehenswerte Landesausstellung in Burghausen, Braunau und Mattighofen. Von Markus Springer. » lesen!

Multimediale Zeitreise. An den drei Landesausstellungorten in Bayern und Oberösterreich gelingt es, trockenes historisches Wissen interessant und unterhaltsam zu verpacken. Von Rieke C. Harmsen. » lesen!

INFORMATIONEN

Bayern und Österreich: verbündet, verfeindet, verschwägert

Bayerisch-oberösterreichische Landesausstellung, 27. April bis 4. November 2012

  Orte: Burg Burghausen - Schloss Mattighofen - Kloster Ranshofen (Braunau)

  Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18 Uhr

  Eintrittspreise: Die Eintrittskarten gelten an allen drei Ausstellungsorten; Erwachsene 9,-€ / ermäßigt 7,- € / Familien 18,- €

  Führungen: pro Person 2,50 € (zzgl. Eintritt)

  Anmeldung für Gruppenführungen: Hotline: 0800 222111777 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz)

Zur Ausstellung ist ein zweibändiger Katalog erschienen (25 Euro in der Ausstellung).

  Weitere Informationen im Internet unter  www.hdbg.de/burghausen und  www.landesausstellung.com

 

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Rieke C. Harmsen

 


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abgerufen 20.10.2014 - 23:09 Uhr

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