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Dieser Artikel: Ausgabe 19/2012 vom 06.05.2012
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Die Guillotine des Zwangsruhestands

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Herr A. ist 64, er fühlt sich noch sehr wach und leistungsfähig. Auf den bevorstehenden Ruhestand freut er sich nicht etwa, er empfindet ihn »einfach als seeliche Gewalt«.

Ich bin Beamter und habe vor einigen Tagen meinen 64. Geburtstag gefeiert. Das neue Lebensjahr steht für mich sehr stark unter dem Schatten des bevorstehenden Ruhestandes. Schatten deswegen, weil ich mich noch sehr gesund fühle, sehr wach, sehr leistungsfähig und diesen Zwangsruhestand mit 65 einfach als seelische Gewalt erlebe.

Warum ist das so, dass wir zu diesem Zeitpunkt unterschiedslos aufhören müssen? In einem Alter, in dem viele Menschen sich geradezu auf einem Höhepunkt empfinden. Gesundheitlich geht es ihnen noch gut, sie bringen eine Menge Lebenserfahrung ein, und die schlimmsten Dummheiten liegen hinter ihnen. Kurz gesagt, sie könnten für ihren Betrieb oder in ihrem Dienst noch einen wertvollen Beitrag leisten.

Im Übrigen: Ich habe mit meinem Gemeindepfarrer gesprochen und gehört, dass es auch ihm graue vor der Guillotine des Zwangsruhestands. Auch in der Kirche werden Menschen also zum alten Eisen geworfen oder fühlen sich doch zumindest so. Frage: Bin ich ungerecht oder gar unsolidarisch mit all den Jüngeren, die darauf warten, dass wir Oldies endlich den Platz räumen, damit sie eine Chance bekommen können?

Herr A.

 

Nein, mitnichten. Im Gegenteil: Sie legen I hren Finger auf eine wunde Stelle. Alle Fachleute sind sich darin einig, dass unsere starren Arbeitsregelungen nicht mehr zeitgemäß sind, und dass hier vom Gesetzgeber her Handlungsbedarf besteht.

Nicht mehr zeitgemäß, weil sich ja manches geändert hat. Im Jahr 1967 konnte Paul McCartney noch sein bekanntes »When I'm Sixty-Four« (»Wenn ich vierundsechzig bin«) singen. Im Vordergrund ein ulkiger Text. Im Hintergrund werden die Ängste vor Leere, Armut und Niedergang spürbar. Aber so ist es ja nicht mehr.

Mit einigem Recht wird der 60. Geburtstag heute als der neue 40. Jahrestag bezeichnet. Menschen sind heute mit sechzig ähnlich gesund und vital wie damals die Vierzigjährigen. Kein Wunder, dass viele in diesem Alter gerne weitermachen möchten, weil sie ihren Beruf als wichtig und sinnstiftend erleben, und weil sie darin - genauso wie Sie sagen - nach wie vor Wertvolles leisten. Jeder fünfte Deutsche, so die Antidiskriminierungsstelle ADS, fühlt sich hier wegen seines Alters benachteiligt.

Deswegen auch der große Konsens unter den Experten, dass unser Arbeitsrecht flexibler werden muss. Manche arbeiten in körperlich oder seelisch sehr anstrengenden Berufen und spüren die gesundheitlichen Folgen früher als andere. Sie müssen aufhören dürfen. Auch vor 65, und dies ohne finanzielle Einbußen. Und die, die sich noch fit und leistungsfähig fühlen, müssen auch über 65 hinaus weitermachen dürfen.

Nein, für mich klingen Sie nicht ungerecht oder unsolidarisch. Das Argument, die »Silver Workers«, wie man sie neudeutsch nennt, würden den Jüngeren Arbeitsplätze wegnehmen, zählt heute schon kaum noch. In wenigen Jahren wird es bei dem zunehmenden Arbeitskräftemangel schon gar nicht mehr gelten. - Lassen Sie sich also von der EU ermutigt fühlen, die 2012 zum »Jahr für aktives Altern« ausgerufen hat. Auch wenn dies vorerst weiter vor allem ehrenamtlich oder vielleicht auch nebenamtlich möglich ist.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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abgerufen 01.08.2014 - 11:49 Uhr

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