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Dieser Artikel: Ausgabe 19/2012 vom 06.05.2012
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Heinrichs Dom

Am 6. Mai vor 1000 Jahren wurde in Bamberg der Dom des späteren Kaisers Heinrich II. geweiht


Der Bamberger Dom gehört zu den deutschen Kaiserdomen und ist mit seinen vier Türmen das beherrschende Bauwerk des Weltkulturerbes Bamberger Altstadt. Im Inneren befinden sich der berühmte Bamberger Reiter und das Grab des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs.

Das Hauptschiff des Bamberger Doms mit dem gotischen Westchor.
Foto: PD/Berthold Werner
   Das Hauptschiff des Bamberger Doms mit dem gotischen Westchor.

        

Beim Griff nach der Macht kannte der bayerische Herzog Heinrich IV. keine Skrupel. Als Kaiser Otto III. im Jahr 1002 auf einer Italienreise ohne Erben starb, ließ Heinrich den Leichenzug auf seinem Weg durch Bayern in Polling bei Weilheim aufhalten. Die Trauernden zogen weiter - aber ohne die Reichsinsignien. Ein kühner Raub. Der Mainzer Erzbischof Willigis gab sich schließlich dafür her, Heinrich zum König zu salben, anschließend wurde seine Gemahlin Kunigunde in Paderborn zur Königin gekrönt. Zwölf Jahre später, im Jahr 1014 waren Heinrich und Kunigunde am Ziel. Sie wurden in Rom zu Kaisern des Heiligen Römischen Reichs gekrönt.

Bereits zehn Jahre vorher, 1004, hatte Heinrich den Grundstein für den Bamberger Dom gelegt, 1007 hatte er ein Bistum gegründet. Das kinderlose Herrscherpaar wollte damit einen Ort schaffen, an dem künftig Seelenmessen für sie gelesen werden. Heinrich starb im Jahr 1024 und wurde im Bamberger Dom beigesetzt, im Jahr 1146 wurde er von Papst Eugen III. heiliggesprochen - für die Christianisierung der Westslawen, für die Gründung des Bistums Bamberg, aber auch wegen seiner angeblichen Keuschheit in der Ehe.

Der berühmte und rätselhafte Bamberger Reiter aus dem 13. Jahrhundert.
Foto: PD/Berthold Werner
   Der berühmte und rätselhafte Bamberger Reiter aus dem 13. Jahrhundert.

        

Vom Dom Heinrichs, der zwischen 1004 und 1012 erbaut wurde, ist nicht mehr viel übrig. Errichtet wurde er auf einer Anhöhe über den Fundamenten der Kapelle der ehemaligen Babenburg. Am 6. Mai 1012, dem Geburtstag Heinrichs, wurde der Dom in Gegenwart von 45 Bischöfen geweiht. Mit einer einzigen Ausnahme waren alle Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reichs anwesend, mehr als bei jeder anderen Domweihe des Mittelalters.

Der Heinrichsdom stand in der Tradition der großen Kathedralen des 11. Jahrhunderts, war aber im Vergleich zum Mainzer Dom (116 Meter) und zum Speyerer Dom (134 Meter) mit einer Länge von lediglich 75 Metern eher bescheiden ausgefallen. Statt vier Türmen hatte er nur zwei, die den Ostchor flankierten. Von diesem ersten Dom sind nur noch ein paar Mauerreste mit romanischen Fenstern in der Westkrypta erhalten (Bild unten rechts), sie wurden bei Grabungen 1987 bis 1995 freigelegt.

Der Dom Heinrichs war eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor. Alle Decken waren flach und aus Holz.

Modell der erhaltenen Reste des Heinrichsdoms aus dem Jahr 1012 in der Westkrypta.
Foto: Frank
   Modell der erhaltenen Reste des Heinrichsdoms aus dem Jahr 1012 in der Westkrypta.

        

Im Holz lauerte die Gefahr. Als in der Osternacht des Jahres 1081 Dach und die Türme abbrannten, sah der Papst darin eine Strafe Gottes gegen Kaiser Heinrich IV. (1050-1106), der ihm im Streit um die Einsetzung der Bischöfe die Macht streitig machen wollte.

Der Dom wurde provisorisch wiederhergerichtet, doch 1185 brannte es ein zweites Mal. Das Gebäude war nicht mehr zu retten. Abbruch und Neubau erfolgten gleichzeitig, so dass auf dem Domberg immer Gottesdienste stattfinden konnten. Der Bamberger Königsmord des Jahres 1208 unterbrach die Bauarbeiten dann für einige Jahre. Philipp von Schwaben wurde am 21. Juni 1208, kurz vor seiner Kaiserwahl, in der Alten Hofhaltung beim Dom vom bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. ermordet.

Die Bauarbeiten ruhten für vier Jahre, danach entschied sich das Domkapitel für einen Wechsel in der Architektur. Der damalige Bamberger Bischof Eckbert hatte über seine Schwester Agnes verwandtschaftliche Verbindungen nach Frankreich. Dies erklärt, dass um das Jahr 1220 in Bamberg eine Bauhütte tätig wurde, die mit der französischen Kunstentwicklung vertraut war und den neuen gotischen Stil einführte. Daher kommt es, dass der westliche Teil des Doms romanisch begonnen und der östliche Teil im gotischen Stil vollendet wurde. Am 6. Mai 1237 wurde der neue Dom geweiht, seither hat sich an seiner Architektur nichts Wesentliches mehr verändert.

Stiftung für die Ewigkeit: Heinrich II. und seine Frau Kunigunde mit dem Bamberger Dom im Bamberger Missale von 1507.
Foto: PD
   Stiftung für die Ewigkeit: Heinrich II. und seine Frau Kunigunde mit dem Bamberger Dom im Bamberger Missale von 1507.

        

Anders verlief die Entwicklung im Inneren.

Ab 1611 und nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Dom im Stil der Gegenreformation barockisiert. Dem Volk gefiel's, doch der bayerische König Ludwig I. äußerte sich bei einem Besuch 1826 abfällig über die opulente Innenausstattung. Er ordnete an, dass der Bamberger Dom, den man für den Originalbau Kaiser Heinrichs II. hielt, als Nationaldenkmal in den mittelalterlichen Zustand »zurückrestauriert« werde. Der König gab vor, die barocken Altäre zu entfernen und dass die Farbe »von den Bildsäulen abgemeisselt werde, wenn selbe auf keine andere Art wegzunehmen wäre«. Die »Purifizierung«, das Streben nach dem reinen Mittelalter, entsprach dem damaligen Geist der Romantik. Da der Dom seit der Säkularisation 1803 in Staatsbesitz war, konnte der König seine Vorstellungen nach Belieben durchsetzen.

Das Entfernen der Farbe ergab einen sehr nüchternen Raumeindruck. Die Bamberger waren wütend, Domdekan Friedrich Brenner beschrieb im Jahr 1837 den purifizierten Dom als »gar zu kalt, frostig, einförmig«. Am 25. August 1837, dem Geburtstag König Ludwigs I., wurde der Dom dennoch feierlich wiedereingeweiht. Aber ohne den König, denn Ludwig I. hatte wegen der Widerstände in Bamberg mittlerweile das Interesse verloren. Er widmete sich jetzt ganz der Umgestaltung des Speyerer Doms.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ist Ludwig I. dennoch dankbar. Barocke Kirchen würden ihm gefallen, aber der Dom habe seit der »Reinigung« im 19. Jahrhundert an Strahlkraft gewonnen.

BAMBERGER DOM

Heinrichs Dom. Am 6. Mai vor 1000 Jahren wurde in Bamberg der Dom des späteren Kaisers Heinrich II. geweiht. Von Helmut Frank. » lesen!

Dem Himmel entgegen. Eine Sonderausstellung offenbart die Geheimnisse des 1000-jährigen Kaiserdoms in Bamberg. » lesen!

 

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Helmut Frank

 


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abgerufen 23.07.2014 - 23:47 Uhr

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