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Dieser Artikel: Ausgabe 18/2012 vom 29.04.2012
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Von Schwachheit keine Spur

Serie Musica Sacra (60): Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« von Johann Sebastian Bach


»Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« - das ist die einzige Motette von Johann Sebastian Bach (1685-1750), bei der durch Eintragung im Autograf der Entstehungsanlass gesichert ist: die Trauerfeier für den Thomasschulrektor (und Poetik-Professor) Johann Heinrich Ernesti im Oktober 1729 in der Universitätskirche St. Paul.

Johann Heinrich Ernesti (1652-1729) war Rektor der Thomaskirche in Leipzig. Bach schrieb die Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« zu dessen Begräbnis.
Foto: PD
   Johann Heinrich Ernesti (1652-1729) war Rektor der Thomaskirche in Leipzig. Bach schrieb die Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« zu dessen Begräbnis.

        

Wenn man die diese Motette (BWV 226) unbefangen hört, kommt man nicht auf die Idee, das könnte Beerdigungsmusik sein. In beschwingtem 3/8-Takt und in B-Dur wetteifern die beiden vierstimmig gesetzten Chöre und zeigen alles andere als »Schwachheit«, geschweige denn Trauer. Übrigens wurde das nicht a-cappella gesungen, den ersten Vokalchor stützten Streicher, den zweiten Oboen.

Der Verstorbene hatte  Römer 8, 26-27 als Grundlage der Leichenpredigt bestimmt. Die Musik sollte sich ebenso darauf beziehen. Bach komponierte nun nicht nach Stimmungslage, sondern nach der Botschaft des Bibelwortes. Offensichtlich war er unter Zeitdruck, was bei einem Sterbefall normal ist, und nahm bereits vorhandene Musik als Vorlage, evtl. sogar aus einer Pfingstkantate. Wenn die Musik das Wirken des göttlichen Geists bezeugen soll, heißt das bei Bach in aller Regel Sechzehntel-Bewegung, oft im Dreier-Takt, denn der Geist ist die dritte Person der Trinität, macht diese komplett und bringt Gottes Vitalität für die Menschen zur Geltung. Bachs Motette bezeugt den Trauernden also den Überschuss allen Lebens im Kraftfeld von Gottes Geist.

Für die vergewissernde Textpassage »sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen« wählte Bach im gleichmäßig schreitenden Vierertakt sinngemäß die Form des Fugato, wo die sukzessiven Themeneinsätze eben wie eine nachdrückliche Bestätigung durch alle Stimmen wirken. Noch stärker unerschütterliche Gewissheit erschließt die Form der Doppelfuge im »stile antico«, mit welcher Bach den Vers 27 präsentiert: »Der aber die Herzen forschet, der weiß, was des Geistes Sinn sei …« Jetzt agieren beide Chöre und alle Instrumente gemeinsam und umso überzeugender. Auch die Satzform des »alten Stils« vermittelt als solche Gewissheit: So lehrten es uns schon die Alten.

Man braucht die komplizierte Satzlogik des Apostels bei diesem Wort nicht zu verstehen, wenn man Bachs Musik hört. Für den Hörer tritt im Geflecht der Stimmen unablässig markant hervor: »denn er vertritt die Heiligen nach dem, was Gott gefället.« Also: Sei getrost, deine Sache, die Bewertung deines Lebens im Horizont des Endgerichts, erreicht garantiert Gottes Wohlgefallen. Der Prediger wird das kaum eindrücklicher formuliert haben können.

Als Choralsatz schließt sich die dritte Strophe von Luthers Pfingstlied »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott« (EG 125) an. Die endet mit einem doppelten »Halleluja«. Vielleicht wurde das erst am Grab gesungen, da die Instrumente hier keine Noten mehr haben. Umso kühner und beherzigenswerter: Eigentlich liegt es nahe, am offenen Grab, wo des Menschen Wirken definitiv zu Ende ist, von nichts anderem zu künden als von Gottes Wirken zu unserem Heil.

Auch für Bachs Wirken in Leipzig markierte diese Bestattung einen Einschnitt. Der Nachfolger Ernestis als Rektor der Thomasschule hatte nämlich für die Förderung der Musik nicht mehr viel übrig und bereitete Bach allerhand Verdruss.

 

AM SONNTAG KANTATE, 6. Mai, singt der Chor der Erlöserkirche in München-Schwabing (Germaniastraße) im Gottesdienst um 10 Uhr die Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« von Johann Sebastian Bach. Die Leitung hat Michael Grill, die Predigt hält Pfarrer Florian Ihsen.
Foto: Schäfer
   AM SONNTAG KANTATE, 6. Mai, singt der Chor der Erlöserkirche in München-Schwabing (Germaniastraße) im Gottesdienst um 10 Uhr die Motette »Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf« von Johann Sebastian Bach. Die Leitung hat Michael Grill, die Predigt hält Pfarrer Florian Ihsen.

        

        

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Konrad Klek

 


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abgerufen 25.04.2014 - 04:40 Uhr

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