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Dieser Artikel: Ausgabe 12/2012 vom 18.03.2012
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Wenn die Kinderzeit vorbei ist

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Wie sich zwei Brüder, 23 und 25 Jahre alt, in ganz unterschiedlicher Weise vom Elternhaus abnabeln - und warum dabei der jüngere sich nicht im Auftrag der Eltern um seinen Bruder kümmern muss.

Mein Bruder(25) ist zurzeit in einer schwierigen Lebensphase. Er hat Freunde, die meine Eltern nicht gut finden, er hat seine Arbeitsstelle gekündigt, er möchte mal nichts tun. Er kommt immer wieder zu ihnen und will sich Geld leihen. Meine Eltern sind besorgt und haben Angst, dass er abrutscht.

Meine Eltern sagen nun: Kümmer du dich halt auch um ihn. Er ist doch dein Bruder. Ihr habt euch doch immer gut verstanden. Ich bin von zu Hause ausgezogen, lebe 50 Kilometer entfernt und bin gerade mitten in den Prüfungen. Ich habe keine Zeit und ich will mich jetzt nicht auch noch um meinen Bruder kümmern.

Außerdem haben wir uns gar nicht immer »gut« verstanden, aber das wissen meine Eltern vielleicht nicht mehr. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?.

Herr F. (23)

 

Es könnte sein, dass Ihre Eltern gerade zwei Söhne erleben, die sich auf sehr unterschiedliche Weise von dem zu trennen beginnen, was bisher den Vorstellungen der Eltern von gutem Zusammenleben und richtiger Lebensgestaltung entsprochen hat.

Ihr älterer Bruder stellt Werte aus dem Elternhaus in Frage, indem er sich mit Freunden umgibt, die Ihre Eltern schwer akzeptieren, und seinen Job schmeißt. Sie selbst merken deutlich, dass das Verhältnis zu Ihrem Bruder nicht mehr so ist, wie Ihre Eltern sich das vorstellen, sondern dass Sie mittlerweile andere Prioritäten setzen: Auszug von daheim, Studium und alles, was damit zu tun hat, haben jetzt Vorrang.

All diese Entscheidungen erfordern neue Schritte: Wer sich entschließt, eine Zeitlang »nichts« zu tun, muss sich Gedanken machen, wie er diese Zeit finanzieren kann. Die Lösung, automatisch wieder auf elterliche Versorgung zu zählen, so wie das in der Kinderzeit der Fall war, ist aus meiner Sicht ein Rückschritt und ein Widerspruch zu dem Autonomie-Schritt, der darin besteht, dass Ihr Bruder eine andere Lebensweise vorzieht.

Und für Sie gilt etwas Ähnliches: Wer sich auf das Studium, die Prüfungen und die Schritte zu einem eigenständigen Leben konzentriert, kann gar nicht wieder so eng mit dem Bruder zusammen sein, wie Sie das, jedenfalls aus Sicht Ihrer Eltern, in der Kinderzeit waren. Die Kinderzeit ist, so gesehen, für Sie beide vorbei. Das erfordert Klärungen.

Ihre Eltern müssen mit Ihrem Bruder klären, wie sie ihn unterstützen. Sie müssen mit Ihren Eltern besprechen, dass Sie nun nicht mehr so ein enges Verhältnis zu Ihrem Bruder haben, wie vielleicht früher.

Dazu gehört aber auch, sich zu überlegen, wie Sie mit Ihrem Bruder in Kontakt bleiben wollen. Wenn es gut geht, findet er in Ihnen einen Gesprächpartner, mit dem man besprechen kann, wie es gelingt, sich vom Elternhaus zu lösen.

Sie brauchen sich nicht im Auftrag der Eltern um Ihren Bruder zu kümmern, aber Sie könnten herausfinden, in wieweit Sie selbst in Ihrer jetzigen Lebenssituation Zeit und Interesse haben, mit ihm in Kontakt zu sein: telefonisch oder beim Treffen auf eine Tasse Kaffee alle paar Wochen?

Und dabei geht es dann um das, was Sie beide jetzt zu bewältigen haben und was Sie beide jetzt interessiert - und nicht so sehr um die Sorgen, die sich Ihre Eltern machen.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Barbara Hauck

 


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abgerufen 28.11.2014 - 04:49 Uhr

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