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Heute: 21.10.2014
Aktuelle Ausgabe: 40 vom 05.10.2014
Dieser Artikel: Ausgabe 06/2012 vom 05.02.2012
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Redewendungen in der Bibel (II)

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Die Bibel prägt nicht nur unseren Glauben, sondern auch unsere Sprache. Dem Buch der Bücher verdanken wir unzählige Sprachbilder und Redewendungen.

Die Anbetung des Geldes: Gemälde von Evelyn Pickering de Morgan (1855-1919).
Foto: PD
   Die Anbetung des Geldes: Gemälde von Evelyn Pickering de Morgan (1855-1919).

        

Bis hierher und nicht weiter - Hiob 38, 11, 1. Mose 19f.

Eine Grenze soll tatsächlich nicht überschritten werden? Diesem Gebot kann man Nachdruck verleihen mit diesen Worten, die so viel bedeuten wie: »Ich meine das ernst!« So sprach Gott nach eigenem Bekunden am dritten Schöpfungstag, als er das Trockene vom Wasser schied. Da redete er das Meer wie eine Person an und befahl den »stolzen Wellen«, dass sie sich am Land brechen. Dieses Zitat steht allerdings nicht im Schöpfungsbericht. Gott erzählte es Hiob, um seine Übermacht und die Kleinheit des verzweifelt fragenden Hiobs zu illustrieren. ( Hiob 38, 11,  1. Mose 19f.)

Zitat: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«

 

Wenn böse Buben locken - Sprüche 1, 10f.

Der Legende nach geht das Buch der Sprüche auf König Salomo zurück und beinhaltet Weisheiten, die er seinem Sohn auf den Lebensweg mitgeben wollte. Gleich zu Beginn warnt der Vater seinen Sohn davor, »bösen Buben« zu vertrauen. Damit sind nicht etwa Lausbuben gemeint, die mehr oder weniger harmlose Streiche planen. Andere Übersetzungen bringen das Gemeinte unmissverständlich auf den Punkt, wenn sie statt »böse Buben« »gewissenlose Menschen« (»Die Gute Nachricht«) »schlechte Menschen« (»Bibel in gerechter Sprache«) oder »Sünder« (Zürcher Bibel) schreiben. Tatsächlich meinte Salomo Räuberbanden, »die Unschuldigen nachstellen ohne Grund.« ( Sprüche 1, 10f.)

Zitat: »Mein Sohn, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.«

 

Der schnöde Mammon - Matthäus 6, 24

Warum wohl hat Luther dieses Wort nicht übersetzt? Das griechische Wort »Mamonas« geht auf das Aramäische »Mamona« zurück, was »Geld, Habe« bedeutet. Eigentlich bedeutet der Satz Jesu also, niemand könne gleichzeitig Gott und dem Besitz dienen. Aber Luther ließ den »Mammon« stehen - vielleicht wollte er, dass das Wort wie ein Name klingt, also der Besitz wie ein Gegenspieler Gottes wirkt? Diese Bedeutung hat die Redewendung behalten: Gott und Mammon stehen nebeneinander wie zwei gleichwertige Wesenheiten. Die Botschaft dahinter: Gott ist wirklich groß und erhaben, der Mammon hingegen hinfällig und schnöde. ( Matthäus 6, 24)

Zitat: »Niemand kann zwei Herren dienen … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.«

 

Jugendsünden - Psalm 25

Ach, wie gerne möchte man sie ungeschehen machen und vergessen, die Jugendsünden. Was man einst mangels Erfahrung getan hat, treibt manchem die Schamesröte ins Gesicht und begleitet wie ein Schatten durchs Leben, den man einfach nicht loswird. Diese Erfahrung ist alt - sogar König David machte sie schon, vor 3000 Jahren. Der fromme Monarch bat Gott, der möge seine Jugendsünden nicht zu Davids Nachteil werten und trotz manchen Leichtsinns gnädig mit ihm sein. »Vergib mir meine Schuld«, fleht David, der sich in seine Sünden verstrickt wie in ein Netz beschreibt. ( Psalm 25)

Zitat: »An die Sünden meiner Jugend und meine Vergehen denke nicht; nach deiner Gnade gedenke du meiner, um deiner Güte willen, Herr!«

 

Lückenbüßer - Nehemia 4, 10

Soll man bereuen, dass man irgendwo Lücken gelassen hat? Oder sollen Lücken für etwas büßen? Nein, das Wort Lückenbüßer versteht nur, wer ins mittelalterliche Deutsch zurückgeht. Da bedeutete nämlich »büßen« so viel wie »füllen«. Ein Lückenbüßer ist also jemand, der eine Lücke füllt - eine eher unbefriedigende Rolle. Die ersten Lückenbüßer kommen im Buch Nehemia vor, das zu jener Zeit spielt, in der der Jerusalemer Tempel wieder aufgebaut wurde. Damals ärgerten sich die Feinde Israels darüber, dass die Bauleute die Lücken in der Tempelmauer wieder füllten, »büßten« heißt es in der originalen Luther-Übersetzung. ( Nehemia 4, 10)

Zitat: »Als aber Sanballat und Tobija ... hörten, dass die Mauern Jerusalems ausgebessert wurden, weil die Lücken angefangen hatten sich zu schließen, wurden sie sehr zornig.«

 

Elfenbeinturm - Hoheslied 7, 5

Geht es um Kosenamen oder Vergleiche, zeigen Verliebte erstaunliche Kreativität. Auch Salomo überschüttete seine Herzensfrau Sulamith mit Säuselworten, von denen heute freilich manche komisch klingen. »Deine Nase ist wie der Turm auf dem Libanon« - »Dein Leib ist wie ein Weizenhaufen« - »Deine Brüste sind wie Zwillinge von Gazellen«: Solche Liebkosungen würden heute eher irritieren. Auch dass der Hals wie ein »Turm von Elfenbein« aussieht, ist nicht sofort als Kompliment zu erkennen. Der Begriff erlebte eine unerwartete Geschichte zum geflügelten Wort. Heute gilt ein Elfenbeinturm als Ort größter Reinheit, ungestört von Umwelteinflüssen. Allerdings ist dies meist hämisch gemeint in dem Sinne, dass jemand zwar viele Fähigkeiten hat, aber abgeschieden von der Alltagswirklichkeit lebt. ( Hoheslied 7, 5)

Zitat: »Dein Hals ist wie ein Turm von Elfenbein.«

 

Die Feuertaufe bestehen - Lukas 3, 16

Eigentlich ist dieser Begriff eine Umschreibung für die Taufe mit dem Heiligen Geist. Sie stammt von Johannes, der im Jordan Menschen taufte. Er taufe nur mit Wasser, sagte er und kündigte jemanden an, der mit Feuer taufe: Jesus. Der Ausdruck »Feuertaufe« wurde später auf die christlichen Märtyrer übertragen, die für ihren Glauben in den Tod gingen, viele von ihnen starben auf dem Scheiterhaufen. Mit der Entwicklung von Schusswaffen wurde der Begriff gänzlich entheiligt und für die Soldaten benutzt, die ihren ersten Einsatz im Kugelhagel bestanden. Übertragen wird die Feuertaufe heute angewendet für Bewährungssituationen unterschiedlichster Art. ( Lukas 3, 16)

Zitat: »Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, … der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

UNSER DEUTSCH GEPRÄGT

  Auch wer die Bibel nicht als Heilige Schrift sieht, wird anerkennen müssen: Wie kein anderes Buch hat sie die deutsche Sprache bis in Alltagsformulierungen geprägt. Mit seiner wortmächtigen Übersetzung der Bibel ins Deutsche hat Martin Luther nicht nur dem christlichen Glauben, sondern auch der deutschen Sprache große Dienste erwiesen.

  Zum Weiterlesen: Worte auf der Goldwaage. Das etwas andere Lexikon biblischer Redensarten, Gießen 2009.

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 21.10.2014 - 02:29 Uhr

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