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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2012 vom 22.01.2012
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Schiffbrüche

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Kreuzfahrten waren in biblischen Zeiten nicht bekannt. Wohl aber Schiffbrüche und die Ängste und Nöte, die sie auslösten.

Dass Menschen »vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand« sind, war schon in der Antike ein Sprichwort (»Schiffe im Sturm«, Ludolf Backhuysen, 1667, Florenz, Palazzo Pitti).
Foto: sob
   Dass Menschen »vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand« sind, war schon in der Antike ein Sprichwort (»Schiffe im Sturm«, Ludolf Backhuysen, 1667, Florenz, Palazzo Pitti).

        

Gott behütet Seefahrer - Psalm 107, 23-32; 1. Könige 22, 49

Keine Kreuzfahrtschiffe und Hobbykapitäne, sondern Handelsschiffe durchkreuzten zu biblischen Zeiten die Meere. Sie transportierten Steine und Stoffe, Gewürze und Nahrung, Tiere und Menschen. Noch mehr als heute waren die Seefahrer in ihren einfachen Schiffen den Launen des Wetters ausgeliefert. Einige Handelsschiffe »zerschellten«. Ihrer Angst begegneten die Seeleute mit Vertrauen auf Gott. Der Psalmist beschreibt den »Sturmwind, der die Wellen erhob« und Schiffe gen Himmel hob und sogleich in den Abgrund sinken ließ, »dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener«. Wer in solchen bedrohlichen Stürmen und Wellentürmen in seiner Not zum Herrn schrie, den führte er aus Ängsten, indem er den Sturm stillte und sie »zum erwünschten Land brachte«. ( Psalm 107, 23-32,  1. Könige 22, 49)

Zitat: »Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und trieben ihren Handel auf großen Wassern…«

 

Jona im Sturm - Jona 1-2; Psalm 139, 9f.

Eine der berühmten biblischen Schiffsgeschichten handelt von Jona. Dieser Prophet versucht, vor Gott zu fliehen - kein aussichtsreiches Unterfangen, betete doch schon der Psalmist: »Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen.« Jona besteigt ein Schiff, doch Gott vereitelt Jonas Fluchtpläne mit einem heftigen »Ungewitter«. Die Seeleute versuchen, ans rettende Ufer zu rudern - »aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an«. Auf eigenen Wunsch hin werfen die Seeleute Jona über Bord, der Prophet wird als menschlicher Ballast geopfert. Doch Gott rettet ihn, indem er »einen großen Fisch« kommen lässt, der den Flüchtling verschlingt und nach drei Tagen und Nächten an Land ausspeit. ( Jona 1-2,  Psalm 139, 9f.)

Zitat: »Nehmt mich und werft mich ins Meer!«

 

Tyrus erleidet Schiffbruch - Hesekiel 27

Die phönizische Hafenstadt Tyrus, »sehr reich und herrlich geworden«, war eigentlich ein Verbündeter und Handelspartner Israels. Dennoch prophezeite der Prophet Hesekiel ihr den Untergang. Dafür verwendet er Bilder, die die schifffahrtserfahrenen Menschen verstanden: »Dein Handelsgut, deine Ware, deine Schiffsleute, deine Steuerleute, deine Zimmerleute, deine Händler und alle deine Kriegsleute und alles Volk in dir werden mitten auf dem Meer umkommen.« Hesekiel schildert ein Angst einflößendes Schiffbruchsszenario, das dem Untergang der Titanic in nichts nachsteht: »Da werden die Gestade erbeben von dem Geschrei deiner Steuerleute... und alle, die das Ruder führen, die Schiffsleute, alle Seefahrer werden von ihren Schiffen herabsteigen und laut über dich schreien und bitterlich klagen.« ( Hesekiel 27)

Zitat: »Ein Ostwind wird dich mitten auf dem Meer zerschmettern.«

 

Wenn der Glaube Schiffbruch erleidet - 1. Timotheus 1, 19; Epheser 4, 14

Dass jemand in seinem Leben »Schiffbruch erleidet« ist eine bis heute gebräuchliche Redewendung für eine gescheiterte Existenz. In der Bibel verwendet sie der Apostel Paulus. Diejenigen, die gegen ihr Gewissen handeln, erleiden Schiffbruch am Glauben, erklärt Paulus und hat dabei Christen im Blick, die der Geldgier erliegen. Das menschliche Leben vergleicht er mit einem Schiff, das von »jedem Wind einer Lehre bewegt« werde und »umhertreibt«. ( 1. Timotheus 1, 19,  Epheser 4, 14)

Zitat: »Das haben einige von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten.«

 

Angst vorm Untergang - Markus 4, 35-41

Mehrmals mussten Jesus und seine Jüngerschar den See Genezareth überqueren. Das Gewässer sieht friedlich aus, ist aber gefährlich, denn Fallwinde können Schiffe in ernste Seenot bringen. Als Jesus unterwegs war, erhob sich »ein großer Windwirbel«, der die Wellen ins Boot schwappen ließ. Während seine Jünger panisch das Wasser aus dem Boot schöpften, schlief Jesus seelenruhig auf einem Kissen weiter. Ängstlich wecken die Jünger ihren »Meister« und werfen ihm vor, er kümmere sich nicht um sie in dieser Notsituation. Sofort stand Jesus auf, »bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme!« Tatsächlich legte sich der Wind, »und es entstand eine große Stille«. Die verblüfften Jünger mussten sich Kritik gefallen lassen: »Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?« ( Markus 4, 35-41)

Zitat: »Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!«

 

Schiffbruchrekordhalter Paulus - Apostelgeschichte 27; 2. Korinther 11, 25

Viele tausend Seemeilen hatte der Heidenmissionar Paulus auf seinen Reisen zurückgelegt. Nun war der Apostel als Gefangener an Bord eines Segelschiffes. In Rom sollte ihm der Prozess gemacht werden. Dem heftigen Wind entkam der Kapitän, indem er im Schutze Zyperns an der (heute türkischen) Küste entlangschipperte. In Myra steigt Paulus unter Aufsicht des Hauptmanns Julius auf ein anderes Schiff um; an Kreta ging es vorbei mitten hinein in gewaltige Nordoststürme. Dramatische Szenen spielten sich ab: Ladung wurde über Bord geworfen, das Schiff trieb tagelang manövrierunfähig in der Adria. Schließlich erlitten sie Schiffbruch auf einer Sandbank vor Malta. Alle 276 Mann überlebten. Für den Vielreisenden Paulus selbst war es bereits der vierte Schiffbruch. ( Apostelgeschichte 27,  2. Korinther 11, 25)

Zitat: »Dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer.«

 

Apokalypse der Seefahrt - Offenbarung 8, 8f.; 13, 1; 16, 3; 21, 1

In den Endzeitvisionen des Sehers Johannes spielt das Meer eine wichtige Rolle. Ein fürchterliches Monster steigt aus dem Meer, es hat zehn bekrönte Hörner und sieben Köpfe. Dann gießt ein apokalyptischer Engel seine Schale ins Meer, woraufhin sich das Wasser in Blut verwandelt und alles Leben im Meer vernichtet wird. Weitere sieben Engel sorgen mit lautem Posaunenschall für Horror. Als der zweite sein Instrument bläst, wird ein Drittel aller Schiffe vernichtet. Das Endzeitgrauen endet mit der Aussicht auf das »neue Jerusalem«, in dem Gott alle Tränen abwischen wird. Zwei wichtige Dinge wird es in dieser neuen Welt nicht mehr geben: die Nacht und das Meer. Und damit auch keine Schiffbrüche. ( Offenbarung 8, 8f.)

Zitat: »Und der zweite Engel blies seine Posaune … und der dritte Teil der Schiffe wurde vernichtet.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

BEDROHLICHES MEER.

  Israel war ein Wüstenvolk. Dass die Schifffahrt dennoch eine große Rolle in der Bibel spielt, verwundert nur auf den ersten Blick. Denn die Lage des Landes am Mittelmeer ermöglichte Handelsschifffahrt. Schiffe der Bibel trotzten den Stürmen - und erlitten hin und wieder Schiffbruch. Das Meer wurde als bedrohlicher Lebensraum wahrgenommen; hartnäckig hält sich die Vorstellung, ein großer Urzeitdrache namens Rahab (auch Leviathan) wohne im Meer (Hiob 26, 12; Psalm 74, 14) und sei auch für Schiffbrüche verantwortlich.

  Zum Weiterlesen: Matthias Jeschke (Hg.): Meeresgeschichten der Bibel, Stuttgart 2004.

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MUSICA SACRA

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 23.02.2012 - 04:23 Uhr

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