Kunstvolle Begräbnisklänge
Serie Musica Sacra (49): Motette »Jesu, meine Freude« von Johann Sebastian Bach
1789 hörte Wolfgang Amadeus Mozart in Leipzig eine der sechs Motetten, die Johann Sebastian Bach (1685-1750) hinterlassen hatte. Sofort ließ er sich die Noten geben, studierte sie mit Enthusiasmus und jubelte: »Das ist doch einmal etwas, woraus sich was lernen lässt!«
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PD
 Der alte Johannisfriedhof war bis ins 19. Jahrhundert die zentrale Begräbnisstätte für die Stadt Leipzig.
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Aus dem Bericht, den der damals beteiligte Thomaner Johann Friedrich Rochlitz später von dem denkwürdigen Ereignis gab, geht hervor, dass Mozart von dem alten Bach kaum etwas kannte. Man hatte ihn in der deutschen Musikwelt zwar nicht total vergessen, wie manchmal geschrieben wird. Aber seine Musik galt als antiquiert und unsingbar, summa summarum unzeitgemäß.
Dies muss umso mehr für eine Gattung gegolten haben, an der schon zu Bachs Lebzeiten der Anruch der Altertümlichkeit haftete: die Motette. Kein Wunder, denn die Wurzeln dieser Kunstform reichen zurück bis in die Ursprünge der Mehrstimmigkeit im 13. Jahrhundert. Bei allen großen Meistern der frühen europäischen Musik, von Machaut über Du Fay, Palestrina und Orlando di Lasso bis zu Heinrich Schütz, stand die Motette im Zentrum ihres Schaffens. Neben dem geistlichen Konzert und dem Kirchenlied galt sie im 17. Jahrhundert als eine der drei Säulen evangelischer Kirchenmusik.
Freilich, eine ganz genaue Gattungsdefinition kann man kaum treffen, denn im Spätmittelalter sind ganz andere Dinge für die Motette kennzeichnend als in der Barockzeit oder gar in Romantik oder Moderne, wo die Motette mannigfaltig überlebt hat. Am ehesten kann man es so sagen: Die Motette kennt normalerweise keine obligaten Instrumente zu den Vokalstimmen und verarbeitet Texte in einer Reihungstechnik, Abschnitt für Abschnitt, mit wechselnden musikalischen Mitteln. Die frühbarocke Motette war nach Michael Prätorius »eine mit Fugen und Imitationibus stark ausgeschmückte, und über einen Biblischen Spruch bloß zum Singen ohne Instrumente verfertigt musicalische Composition; doch können die Singstimmen auch mit allerhand Instrumenten besetzt und verstärkt werden.«
Von Bach sind über 200 Kantaten, aber nur sechs Motetten überliefert. Kantaten standen in Leipzig im Zentrum des gottesdienstlichen Lebens, das liturgische Fenster für die Motette war wohl vor allem die Musik bei Begräbnissen. Die Leipziger Schulordnung von 1723 sah vor, dass sich die Sänger »eine Viertelstunde vor Beginn der Trauerfeier vor dem Leichenhaus einzufinden und sofort mit dem Gesang zu beginnen« hatten. Waren Vertonungen bestimmter Bibelverse gewünscht, schrieb Bach eigene Motetten, die dann natürlich binnen ganz kurzer Zeit einzustudieren waren - eine kaum fassbare Leistung der Chorknaben. Auch für die Motette »Jesu, meine Freude« BWV 227 schien die Bachforschung einen solchen konkreten Kompositionsanlass gefunden zu haben, nämlich die Beerdigung der Oberpostmeisterin Johanna Maria Kees im Juli 1723. Diese Zuordnung ist inzwischen aber wieder umstritten.
»Jesu, meine Freude« unterscheidet sich in Aufführungsdauer (länger) und Besetzung (keine Doppelchöre) deutlich von den anderen Bach-Motetten. Das drei- bis fünfstimmige Werk folgt mit seinen elf Teilen einer strengen, symmetrischen Statik: Sechs Verse des Gesangbuchliedes von Johann Franck wechseln sich ab mit fünf frei komponierten Bibelvertonungen aus dem Römerbrief. Im Zentrum des Werkes steht die Doppelfuge »Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich«.
Typisch für »Jesu, meine Freude« ist die eingängige musikalische Rhetorik. So singt der Chor »Es ist nun nichts«…und es folgt eine Generalpause. Der Chor singt »Tobe, Welt, und springe«….und die Sechzehntelnoten toben und springen.
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Motettenchor
 DER MÜNCHNER MOTETTENCHOR singt die Bach-Motette »Jesu, meine Freude« am Freitag, 27. Januar, um 19 Uhr, in einem Konzert in der Matthäuskirche in München, Sendlinger-Tor-Platz. Auf dem Programm stehen außerdem die Motetten »Die Himmel erzählen« von Heinrich Schütz und »Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz« von Johannes Brahms. Die Leitung hat Hayko Siemens, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen im Internet unter www.muenchner-motettenchor.de. (thg)
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