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Dieser Artikel: Ausgabe 04/2012 vom 22.01.2012
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ZEITZEICHEN


Der Komponist Gustav Mahler galt als anstrengend im mehrfachen Sinn. Im Gespräch hüpfte er gedankenschnell von einem Thema zum nächsten ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten seines Gegenübers. Als Dirigent forderte er ein Pensum, das viele als unmenschlich empfanden, auch wenn er selbst es mühelos vorlebte. Und als Komponist schuf er ein Werk, das in seiner Entstehungszeit nur von wenigen Zuhörern wirklich geschätzt wurde.

Gut hundert Jahre nach seinem Tod gilt Mahler als wegweisender Komponist an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Seine Werke werden von den führenden Orchestern der Welt gespielt und sorgen für volle Ränge. So auch vor Kurzem in New York, als die Philharmoniker Mahlers 9. Sinfonie aufführten. Oder besser gesagt: versucht haben aufzuführen.

Denn mitten hinein in eine leise Stelle schallte lautstark der Marimba-Ton eines Mobiltelefons. Und weil der Klingelton nicht mehr aufhörte, unterbrach der Dirigent das Konzert und forderte den Übeltäter auf, dem störenden Geräusch ein Ende zu machen. Viele Besucher nestelten daraufhin nervös an ihren Telefonen, während andere den unerkannten Schuldigen wüst beschimpften und eine hohe Strafe für ihn forderten.

Womöglich hatte der Besitzer des Mobiltelefons kurz zuvor Wilhelm Busch gelesen und erinnerte sich an dessen Bonmot: »Musik wird störend oft empfunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden.« Es könnte ein Akt der musikalischen Avantgarde gewesen sein, der in hundert Jahren in den Geschichtsbüchern stehen wird. Oder eine Provokation gegen das im Publikum versammelte Establishment.

Weniger provokanten Konzertbesuchern sei geraten, vor jedem Konzert die aufgeführten Stücke als Klingeltöne zu laden. So bleibt man während der Aufführung erreichbar, ohne zu stören.

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abgerufen 23.02.2012 - 04:22 Uhr

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