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Heute: 24.07.2014
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Dieser Artikel: Ausgabe 01/2012 vom 01.01.2012
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Filigran und leichtfüßig

Serie Musica Sacra (46): Kantate »Nun danket alle Gott« von Johann Sebastian Bach


»Nun danket alle Gott« - dieses kurze, dreistrophige Lied gehört zum Kernbestand dessen, was auch der Kirche weniger verbundene Menschen noch singen. Für die EKD-Aktion »Kirche klingt« im Rahmen des Themenjahres 2012 »Reformation und Musik« wurde es zum Leitlied für die erste Woche des Jahres gewählt. Auch Johann Sebastian Bach (1685-1750) schrieb eine Kantate darüber.

Dieses Bild von Wilhelm Camphausen aus dem Jahr 1864 trägt den Titel »Nun danket alle Gott«: Die Buchillustration zeigt den Dankgesang der preußischen Soldaten nach der Schlacht bei Leuthen.
Foto: PD
   Dieses Bild von Wilhelm Camphausen aus dem Jahr 1864 trägt den Titel »Nun danket alle Gott«: Die Buchillustration zeigt den Dankgesang der preußischen Soldaten nach der Schlacht bei Leuthen.

        

Es gibt viele Geschichten, wie gerade dieses Lied sich spontan, auswendig gesungen Bahn brach, wenn Menschen gemeinsam das Bedürfnis hatten, Gott zu danken - etwa als 1955 die deutschen Männer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, oder im Dezember 1757, als erschöpfte preußische Soldaten nach siegreicher Schlacht bei Leuthen gegen Österreich das Lied anstimmten, was ihm den Titel »Choral von Leuthen« einbrachte.

Ursprünglich ist es ein schlichtes »Gratias«, ein Dankgebet nach dem Essen, verfasst vom Eilenburger Pfarrer Martin Rinkart für seine Familie mitten in den Notzeiten des Dreißigjährigen Kriegs (wohl 1630) in direktem Anschluss an ein biblisches Dankgebet des Volkes (Jesus Sirach 50). Mit Johann Crügers Tonsatz in seinem weit verbreitetem Gesangbuch »Praxis pietatis melica« kam es wie die Paul-Gerhardt-Lieder ab 1647 zunächst in die Häuser, dann in Kirchen, Schulen und Öffentlichkeit. Die Melodie mit dem charakteristisch punktierten Rhythmus am Anfang war schnell in gleichförmige Notenwerte zurechtgesungen und so Pathos-trächtig für offizielle Anlässe wie Siegesfeiern, aber auch geeignet, von Menschenmengen mit Inbrunst angestimmt zu werden.

Von Johann Sebastian Bach gibt es dazu nicht nur den von Bläsern viel gespielten Schlusschoral mit Oberstimme und den schönen Chor mit Hörnerklang aus der beliebten Kantate »Gott, der Herr, ist Sonn und Schild«, sondern auch eine um 1730 entstandene Choralkantate (BWV 192) mit wörtlicher Vertonung der drei Liedstrophen in je einem Satz. Diese ist kaum bekannt, vielleicht weil sie ohne Trompeten und Hörner gar nicht triumphal, vielmehr filigran leichtfüßig daherkommt.

Wieder einmal klingt das Orchestervorspiel wie ein spritziger, spielfreudiger Vivaldi, und die Chorsänger müssen sich anstrengen, ihr Engagement »mit Herzen, Mund und Händen« in solcher Leichtigkeit zu kultivieren. Gott braucht als Dank eben keine lautstarken, plakativen Parolen. Das vitale Lebenszeugnis derer, die »unzählig viel zu gut« empfangen haben, ist die angemessene Resonanz.

Die zweite Liedstrophe gestaltet Bach als bewegtes Duett zwischen Sopran- und Basssolist, ebenfalls in Dur. Nur als Anklang scheint die Melodie auf, und die Streicher spielen dazu einen eigenständigen Satz mit skandierend wiederholter Drei-Achtel-Figur, die man hören könnte als unablässig wiederholten Appell »Nun dan-ket!«. Im dritten Satz erscheint die Melodie wieder gut hörbar im Sopran. Als Gigue-Tanzform toppt das noch die Leichtfüßigkeit des ersten Satzes. Im 12/8-Takt verbindet sich der Vierer mit dem Dreier (4 x 3 Achtel), ein zwingendes Symbol für das engelsgleich »light« gehaltene Lob des drei-einigen Gottes: »Lob, Ehr und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der beiden gleich, im höchsten Himmelsthrone!«

Es ist durchaus sinnvoll, das neue Jahr nicht im Blick auf Defizite und Gefahren, sondern mit dem Motto des Dankes zu beginnen, vollends, wenn die Dank-Musik aus der Fülle der unzähligen Gnadengaben Gottes so viel »Leichtigkeit des Seins« verströmt.

 

DAS NEUE JAHR startet in der Augsburger Annakirche mit einem Kantatengottesdienst am Sonntag, 1. Januar, um 11 Uhr. Zu hören ist die Bach-Kantate »Nun danket alle Gott« BWV 192. Die Mitwirkenden sind Susanne Simenec (Sopran), Werner Rollenmüller (Bass), der Madrigalchor und die Capella bei St. Anna unter Leitung von Michael Nonnenmacher. Mit dieser Kantate beginnt gleichzeitig die Konzertreihe »366+1. Kirche klingt 2012« der Evangelischen Kirche in Deutschland. (thg)
Foto: Chor
   DAS NEUE JAHR startet in der Augsburger Annakirche mit einem Kantatengottesdienst am Sonntag, 1. Januar, um 11 Uhr. Zu hören ist die Bach-Kantate »Nun danket alle Gott« BWV 192. Die Mitwirkenden sind Susanne Simenec (Sopran), Werner Rollenmüller (Bass), der Madrigalchor und die Capella bei St. Anna unter Leitung von Michael Nonnenmacher. Mit dieser Kantate beginnt gleichzeitig die Konzertreihe »366+1. Kirche klingt 2012« der Evangelischen Kirche in Deutschland. (thg)

        

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Konrad Klek

 


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abgerufen 24.07.2014 - 04:17 Uhr

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