Luther aufs Maul geschaut
Kirchenkreis Bayreuth suchte die beliebtesten Zitate des Reformators
Martin Luther wollte einst dem Volk »aufs Maul sehen«. Das klappt auch in umgekehrter Richtung; den Beweis dafür lieferten jetzt fränkische Protestanten.
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Lammel
 Glücksbote im »Luthergewand«: Der designierte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei der Ziehung der Wettbewerbsgewinner in Bayreuth.
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Über 500 evangelische Christen aus dem Kirchenkreis Bayreuth haben sich am Wettbewerb um das beliebteste Luther-Zitat beteiligt. Am Montag nahm der künftige bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Lutherkostüm die Ziehung der sieben Gewinner aus dem Teilnehmerkreis vor. Sämtliche Preise - Eintrittskarten für herausragende kirchenmusikalische Ereignisse - gehen an Frauen.
Die oberfränkische Regionalbischöfin Dorothea Greiner hatte im Frühjahr den 480.000 evangelischen Gläubigen im Kirchenkreis Bayreuth insgesamt 20 Zitate des Reformatotrs zur Auswahl vorgelegt. 60.000 Blätter mit den Vorschlägen wurden an die Kirchengemeinden verteilt. »Selbstverständlich konnten auch andere Lutherworte gewählt werden«, sagte die Theologin. Von dieser Möglichkeit machte immerhin fast die Hälfte der Einsender Gebrauch.
Als beliebtestes Luther-Zitat wurde ein Wort gewählt, das auch im Gesangbuch aufgenommen ist: »Die Musik ist die beste Gottesgabe.« Außerhalb der Vorschlagsreihe wurde am häufigsten das Wort vom Apfelbäumchen in verschiedenen Variationen genannt: »Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.« Bei Martin Luther lässt sich dieses Wort jedoch laut Greiner nicht belegen. Der erste schriftliche Nachweis stamme offenbar aus dem Jahr 1944.
Anlässlich der Gewinnziehung offenbarte Bedford-Strohm auch sein persönliches Lieblingszitat, das aus der Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen« stammt und mit den Worten beginnt: »Glaube schafft Liebe und Lust zu Gott.« Als einen Grund für den Erfolg der Zitate-Aktion nannte Bedford-Strohm, dass die Menschen in den Lutherworten den Ausdruck ihrer eigenen Gefühle fänden: »Luther gibt uns Sprache für unseren Glauben.«
Die Idee zum Wettbewerb kam von der regionalen »Arbeitsgruppe Luther-Dekade«. Das Gremium will im Vorfeld zur 500-Jahr-Feier von Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 mit den verschiedensten Initiativen Lust auf Luther wecken. Auch nach einem halben Jahrhundert haben die Luther-Zitate nach Greiners Worten nichts von ihrer Kraft eingebüßt, wie der Wettbewerb gezeigt habe.
Die Hitparade der Luther-Zitate
20 Lutherzitate standen bei dem Wettbewerb des Kirchenkreises Bayreuth zur Auswahl. Hier das Ergebnis der Abstimmung.
1. Platz (165 Einsendungen)
»Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht.« (Gesangbuch S. 594)
2. Platz (164)
»Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.« (Gesangbuch S. 677)
3. Platz (156)
»Gott ist dann am allernächsten, wenn er am weitesten entfernt scheint.« (Gesangbuch S. 406)
4. Platz (143)
»Wo Gott nicht segnet, da hilft keine Arbeit. Wo er nicht behütet, da hilft keine Sorge.« (Gesangbuch S. 814)
5. Platz (95)
»Wenn Gott dich nicht erhören wollte, würde er dich nicht beten heißen.« (Gesangbuch S. 1282)
6. Platz (77)
»Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.« (Gesangbuch S. 1494)
7. Platz (72)
»Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind's noch nicht, wir werden's aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, aber es ist der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.« (Gesangbuch S. 396)
8. Platz (71)
»Der Glaube ist ein steter und unverwandter Blick auf Christus.« (Gesangbuch S. 710)
9. Platz (68)
»Darf unser Herr Gott gute große Hechte, auch guten Rheinwein schaffen, so darf ich sie wohl auch essen und trinken.« (Gesangbuch S. 602)
10. Platz (66)
»Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan. Aus dem allen ergibt sich die Folgerung, dass ein Christenmensch nicht in sich selbst lebt, sondern in Christus und in seinem Nächsten; in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe.« (Gesangbuch S. 1534) |