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Dieser Artikel: Ausgabe 01/2011 vom 02.01.2011
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Wann wurde Jesus geboren?

Über das Datum von Christi Geburt streiten die Experten / Gab es den Stern von Bethlehem - und wann?


Gutes neues Jahr 2011! Aber stimmt das überhaupt? In welchem Jahr wurde Jesus von Nazareth wirklich geboren? Die Frage ist unter Wissenschaftlern umstritten und nach wie vor ungeklärt. Weder die Bibel noch historische Dokumente liefern ausreichende Anhaltspunkte; und auch Naturphänomene wie Sternen­konstellationen bieten keine befriedigende Lösung.

Sterndeuter gestern und heute: der Nachthimmel, wie er sich am 17. April 6 v. Chr. über dem Nahen Osten zeigte. Zwischen 7 und 4 v. Chr. kam es dreimal zu auffälligen »Konjunktionen« der Planeten Jupiter und Saturn, die die »Weisen aus dem Morgenland« veranlasst haben könnten, nach Bethlehem zu reisen.
Foto: AP
   Sterndeuter gestern und heute: der Nachthimmel, wie er sich am 17. April 6 v. Chr. über dem Nahen Osten zeigte. Zwischen 7 und 4 v. Chr. kam es dreimal zu auffälligen »Konjunktionen« der Planeten Jupiter und Saturn, die die »Weisen aus dem Morgenland« veranlasst haben könnten, nach Bethlehem zu reisen.

        

Wie das Lukasevangelium berichtet, wurde Jesus zur Zeit der Herrschaft von Herodes dem Großen geboren. Dessen Regierungszeit erstreckte sich auf die Zeit von 40 bis 4 vor Christus. Demnach müsste Jesus also spätestens »4 vor Christi Geburt« zur Welt gekommen sein. Dazu passt auch die Angabe, dass Jesus zur Zeit der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus das Licht der Welt erblickte. Dessen Regentschaft umfasste die Jahre zwischen 27 vor Christus und 14 nach Christus.

Dann allerdings wird es schon schwieriger: Der Evangelist führt aus, dass ein gewisser Quirinius zur Zeit der Geburt Jesu Statthalter von Syrien war. Doch dieser trat sein Amt erst 6 nach Christus an - was sich wiederum mit der Regierungszeit des Herodes nicht in Einklang bringen lässt. Auch die von Lukas erwähnte Volkszählung birgt Probleme: Für die Herrschaft des Augustus ist keine solche Zählung belegt. Immerhin dürfte es 6 oder 7 nach Christus in Judäa eine Zählung anlässlich der Eingliederung des Landesteils in die Provinz Syrien gegeben haben.

Kometen als Unglücksboten

Bleibt der berühmte Stern von Bethlehem. Der taucht allerdings nicht bei Lukas, sondern nur bei Matthäus auf. Sollte es sich um ein reales astronomisches Phänomen handeln, spricht viel für die Jahre zwischen 7 und 4 vor Christus. In dieser Zeit kam es dreimal zu auffälligen »Konjunktionen« der Planeten Jupiter und Saturn. Schon der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) berechnete, dass es um die Jahre 7 beziehungsweise 6 vor Christus ein derartiges Phänomen gab. Alte chinesische Quellen wiederum berichten von einem Kometen im Jahr 5 vor Christus im Sternbild Steinbock.

Alles Gründe, weshalb die Mehrheit der Wissenschaftler dafür plädiert, die Geburt Jesu in die letzten Regierungsjahre des Herodes zu datieren. Abweichende Meinungen gibt es gleichwohl immer wieder. So trat vor einigen Jahren der deutsche Astronom Stefan Poller mit der These an die Öffentlichkeit, Jesus sei erst 2 vor Christus und damit nach Ende der Herrschaft des Herodes zur Welt gekommen. Poller bezog sich dabei ebenfalls auf den Stern von Bethlehem.

Dass es sich um einen Kometen hätte handeln können, schloss der Wissenschaftler allerdings aus. Denn damit habe man in der Antike ungünstige, ja mitunter sogar katastrophale Zukunftsaussichten verbunden. Eine solche Deutung aber vertrage sich schlecht mit der Geburt eines göttlichen Heilsbringers, so Poller. Ebenfalls verwarf der Astronom die Theorie einer Supernova oder die von Kepler berechneten Planetenkonstellationen mangels historischer Belege - auch wenn letzterer Ansatz einigen Charme besäße.

Laut Pollers Berechnungen ließen sich Belege dafür allerdings erst in den Jahren 3 und 2 vor Christus finden: So habe sich am 12. August im Jahre 3 vor Christus Jupiter der Venus so weit angenähert, dass beide Planeten mit bloßem Auge nicht mehr voneinander zu unterscheiden gewesen seien. Am 25. Dezember des Jahres 2 vor Christus schließlich setzte Jupiter laut Poller im Sternbild Jungfrau zu seiner »Oppositionsschleife« an. Ein Ereignis, das zu den Matthäus-Worten passen könnte, von Jerusalem aus betrachtet habe der Planet »still über Bethlehem gestanden«.

So weit, so gut. Doch in der Fachwelt ist umstritten, ob bei der Erwähnung des Sterns im Matthäusevangelium überhaupt von einem naturwissenschaftlichen Himmelsphänomen die Rede ist. Viele Wissenschaftler bestreiten dies. Hinzu kommt: In der antiken Literatur war es üblich, die Geburt großer Persönlichkeiten - etwa Alexanders des Großen - mit fiktiven Himmelserscheinungen wie Sternenkonstellationen in Verbindung zu bringen. Der »Stern von Bethlehem« würde also lediglich eines symbolisieren: dass mit Jesus der Messias die Herrschaft antritt, die jede irdische Macht ablöst.

 

  Lesen Sie dazu auch das Titelthema dieser Ausgabe.

WEISE AUS DEM MORGENLAND

Der Weg der Magier. Vom Morgenland nach Bethlehem: Auf den Spuren der drei Sterndeuter. Von Egon Schraitle. » lesen!

Wie aus »Magiern« die »Heiligen drei Könige« wurden und noch mehr Wissenswertes zu den Weisen aus dem Morgenland. » lesen!

Wann wurde Jesus geboren? Über das Datum von Christi Geburt streiten die Experten / Gab es den Stern von Bethlehem - und wann? » lesen!

 

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Georg Pulling

 


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abgerufen 24.10.2014 - 16:38 Uhr

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