Zuversichtliche Zettelwirtschaft
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann spricht von einer »neuen Enge« in der Ökumene
Mehr Zuhörer bei einem Vortrag des ÖKT hatte nur Kirchenkritiker Hans Küng. Zu Kardinal Karl Lehmanns Rede »Wieviel Hoffnung braucht die Ökumene? « kamen 4000 Zuhörer aller Altersklassen in die Messehalle A4. Lehmann plädierte für eine »Ökumene der kleinen Schritte«.
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KNA
 In aufgeräumter Stimmung präsentierte sich Kardinal Karl Lehmann bei seinem Vortrag. Rechts Moderatorin Magdalena Bogner.
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Die Zuhörer schreiben in der Zwischenzeit Hunderte von Zetteln mit ihren Fragen und Hoffnungen an den Kardinal auf. »Die sind wichtig, die nehme ich mit«, sagt Lehmann zum Abschied.
Zuvor warnt der Kardinal vor einer »Konsensökumene « und spricht sich für die Suche nach einem »differenzierten Konsens« aus. Er ermuntert die Besucher, die während seines Vortrags immer wieder klatschen, zum Dialog und zu einem »geistigen Ökumenismus«, wie er auch in Taizé funktioniert. »Außerdem müssen wir die Taufe und ihre Aspekte wieder in den Vordergrund stellen «, fordert Lehmann.
Als Hoffnungszeichen wertet der Kardinal die Übereinstimmung bei gesellschaftspolitischen Fragen und die gemeinsame Erklärung zwischen Lutherischem Weltbund und dem Römischen Rat für die Einheit der Christen. »Wir haben daher die begründete Hoffnung, dass wir weiterkommen «, sagt der Theologe.
Als eines der Hauptprobleme in ökumenischen Fragen macht Karl Lehmann eine »neue Enge« aus. Die Situation habe sich erschöpft, außerdem räumt der Kardinal »eine neuerliche kleine Trübung« ein.
Gründe dafür seien, dass bei ökumenischen Gottesdiensten die »Lutherübersetzung« bevorzugt wird und das Erscheinen von »Dominus Jesus« im Jahr 2000. Außerdem beobachte er eine »abnehmende Veränderungsbereitschaft« bei Katholiken wie auch bei Protestanten.
Theologische Brennpunkt sind Lehmanns Ansicht zufolge »das Fehlen vollwertiger gemeinsamer Gottesdienste, die uneingeschränkt anerkannt werden, die kirchliche Anerkennung und seelsorgerliche Begleitung konfessionsverschiedener Ehen und das Warten auf die Anerkennung im Blick auf das Herrenmahl«. Kurz gesagt geht es bei den Diskussionen um Eucharistie, Kirchesein und Amt.
»An der Behauptung, dass die Ökumene an der Untätigkeit der Kirchenleitung leidet, ist ein Körnchen Wahrheit«, gab Lehmann zu. Es werde zu wenig »ökumenische Dynamik geschaffen«. Zur Einheit gebe es aber keine Alternative. Als konkrete Schritte schlug Lehmann zunächst eine Standortbestimmung vor: »Wir können nicht einfach unsere Geschichte und unsere Situation überspringen.« Wichtig sei die Suche nach der eigenen Identität und die Anerkennung der Leistungen der anderen. »Die Profi lierung darf aber nicht auf Kosten der anderen gehen«. |
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