Sturkopf mit spiritueller Sehnsucht
Singender Mystiker, musikalischer Tausendsassa: der irische Rock- und Bluesmusiker Van Morrison
Der irische Sänger Van Morrison ignoriert Trends und besingt stattdessen den vollkommenen Augenblick.
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 Erlösungssuche per Musik: Der Ire Van Morrison.
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Der Mann hat den Ruf, einer der größten Eigenbrötler der Rockmusik zu sein: Der Ire Van Morrison ist ein ungewöhnlicher Songschreiber und ein musikalisches Multitalent. Journalisten und Plattenfirmen begegnet er mit pathologischem Misstrauen. Fasziniert hat er seine Fangemeinde aber vor allem mit seiner rastlosen Suche nach Erlösung, nach Mystik und Gott. Am 31. August feierte der Musiker seinen 65. Geburtstag.
Als das Musikmagazin Rolling Stone eine Rangliste der 100 weltbesten Sänger veröffentlichte, kam Van Morrison auf Platz 24. Er sei der Maler unter den Vokalisten, dessen Stimme Texte in etwas Abstraktes, Mystisches verwandeln könne, befand die Redaktion. Van Morrison selbst gibt sich lakonisch: »Ich besitze die Gabe, Musik zu machen«, erklärt er. »Ansonsten habe ich keine Ahnung, worum es eigentlich geht.«
Seit fast vier Jahrzehnten widersetzt sich »der geniale Sturkopf« (Der Spiegel) aus Belfast fast allen Regeln des Musikmarkts. Seine Stücke erscheinen oft wie aus einer anderen Sphäre - zeitlos und jeder Aktualität abgewandt. Politische Statements sind von ihm ebenso wenig zu erwarten wie ein Ohrwurm für die Hitparade. Lieber preist er die Magie der Stille, den vollkommenen Augenblick in der Natur oder die spirituelle Heilung (»And The Healing Has Begun«). Wie kaum ein anderer Künstler versteht er es dabei, Jazz, Blues, irische Folkmusik, Soul und Rock zu einem unverwechselbaren Sound zu verschmelzen.
Der mehrmals verheiratete Morrison gilt als unsteter Geist. Zeitlebens ist er auf der Suche nach mystischen Erfahrungen. Er verschlingt die Werke von Mystikern und Dichtern wie William Blake oder John Keats, beschäftigt sich mit indischen Yogis, macht Bekanntschaft mit der Scientology-Organisation und esoterischen Sekten.
Durch sein Werk zieht sich jedoch von Anfang an auch eine Auseinandersetzung mit der christlichen Spiritualität. »Wohin ich auch wandere, ich finde immer wieder meinen Weg zurück zum Herrn«, singt Van Morrison 1979 in selten ausgelassener Stimmung auf dem Album »Into the Music«. Mit dem britischen Popsänger und bekennenden Christen Cliff Richard nimmt er 1989 ein gospelndes Duett auf: »Immer wenn Gott sein Licht erstrahlen lässt«. Morrison selbst hat sich auch einmal als »christlichen Mystiker« bezeichnet.
Musikalisch ist Van Morrison, der lange Zeit in den USA lebte, ein Tausendsassa: Die 2001 gestorbene Blues-Legende John Lee Hooker ernannte ihn zum »größten weißen Bluessänger überhaupt«. Mal schließt er sich mit einer Handvoll Jazzmusiker in einem Londoner Nachtklub ein, um puren Jazz aufzunehmen. Ein andermal erkundet er mit irischen Folkgruppen seine keltischen Wurzeln. Er singt, schrieb ein Kritiker, mit einer Besessenheit, als gäbe es kein Morgen mehr.
Seinen Stil charakterisiert Morrison zuweilen als irischen Soul. Das mag zum einen eine Verbeugung vor den Soulstars der 60erJahre sein, die er bewundert. Zugleich beschreibt das aber exakt Morrisons Vorstellung von Musik: Sie ist nur dann etwas wert, wenn sie auch aus der Seele (»Soul«) kommt.
Darin liegt wohl auch das Geheimnis seiner Unnahbarkeit. Morrison sei unfähig, anderen Menschen etwas über sein Leben und seine Arbeit zu erzählen, berichtete einmal Morrisons früherer Presseagent. Denn das, was er zu sagen habe, erzähle er in seiner Musik. |