Ärzte in der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Ärztliches Können war auch in biblischen Zeiten gefragt. Die Bibel wirbt darum, die göttliche Macht hinter jeder Heilung anzuerkennen.
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 Lukas, Evangelist und Arzt, El Greco, 1605.
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Gott ist Arzt - 2 Mose 15, 26; 5 Mose 32, 39; Psalm 30, 3; Jesaja 3, 7; Jeremia 33, 6
Seine Praxis ist die ganze Erde, könnte man fast sagen. Denn Gott heilt die Menschen. »Ich bin der Herr, dein Arzt«, beschreibt Gott sich selbst, »ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen.« Der Prophet Jeremia beteuert, Gott wolle die Menschen »heilen und gesund machen« und »ihnen dauernden Frieden gewähren«. Die Heilung kommt an. »Herr, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund«, betet der Psalmist voller Dankbarkeit. Ähnlich wie die streikenden bayerischen Hausärzte droht auch Gott bisweilen damit, dem Volk seine Heilungsfähigkeiten vorzuenthalten. »Ich bin kein Arzt«, sagt er dann und straft das ungehorsame Volk. So steht's bei Jesaja. ( 2 Mose 15, 26, 5 Mose 32, 39, Psalm 30, 3, Jesaja 3, 7, Jeremia 33, 6)
Zitat: »Ich bin der Herr, dein Arzt.«
Tödliche Fehldiagnose - Jesus Sirach 10, 11f.
In erschreckend realistischer Weise führt der weise Jesus Sirach seinen Lesern die menschliche Existenz vor Augen. Eigentlich sei der Mensch nur »Schmutz und Kot«. Für Überheblichkeit gibt es also nicht den geringsten Grund. Am Ende werden alle, gleich ob Arm oder Reich, gebildet oder nicht, sterben und von »Maden und Würmern« gefressen. Dazu kann es schneller kommen als vermutet. Da geht man wegen eines Zipperleins zum Doktor, der erkennt die wahre Krankheit nicht und stellt eine Fehldiagnose - und schon lauert am nächsten Tag der Tod. ( Jesus Sirach 10, 11f.)
Zitat: »Eine leichte Krankheit - der Arzt scherzt; und doch heißt's: Heute König, morgen tot!«
Lob des Arztes - Jesus Sirach 38, 1-15
Auch das größte Arzt-Lob der Bibel findet sich im Buch Jesus Sirach. Eigentlich gehören diese Verse eingerahmt ins Wartezimmer jedes Arztes. »Ehre den Arzt mit gebührender Verehrung«, empfiehlt Sirach, »damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst.« Er lobt die »Kunst des Arztes«, der Schmerzen vertreiben kann. Auch gibt Sirach Anweisungen, was im Fall einer Krankheit zu tun ist: Der Kranke soll sie nicht missachten, sondern Gott um Gesundung bitten; danach soll er sich in ärztliche Obhut begeben, denn »es kann die Stunde kommen, in der dem Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird«. Der Arzt wiederum wird Gott bitten, »dass er's ihnen gelingen lässt, damit es sich mit ihm bessert und er gesund wird und wieder für sich sorgen kann.« Denn letztlich ist jeder Arzt nur ein Werkzeug Gottes; die »Heilung kommt von dem Höchsten«. Auch in Form von Medikamenten, denn »der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen«. ( Jesus Sirach 38, 1-15)
Zitat: »Ehre den Arzt mit gebührender Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst.«
Ein Arzt ist für die Kranken da - Lukas 5, 31f.
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass die Gesunden keinen Arzt brauchen, sondern die Kranken. Jesus benutzt diesen Satz, als die Rechtgläubigen seiner Zeit wieder mal die Nase rümpfen, weil er mit Zöllnern und Sündern gegessen hatte. Und damit sie es verstehen, ergänzt er: »Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.« ( Lukas 5, 31f.)
Zitat: »Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.«
Lukas, der Leibarzt des Paulus - Kolosser 4, 14; 2 Timotheus 4, 11
»Lukas, der Verfasser des gleichnamigen Evangeliums, war von Beruf Arzt.« Das meinen viele, ist sogar bisweilen von Kanzeln zu hören - doch stimmt diese These wirklich? Wie es zu dieser Annahme kam, zeigt ein spannender Rückblick in die Theologiegeschichte. Einer der Begleiter des Apostels Paulus hieß Lukas; dreimal wird er in der Bibel erwähnt, im Kolosserbrief heißt es, er war Arzt. Womöglich hat er dem chronisch kranken Paulus auf dessen Reisen zur Seite gestanden. Im zweiten Jahrhundert lag christlichen Theologen daran, die Evangelien Aposteln oder deren Schülern zuzuschreiben. Dem (unbekannten) Autor des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte unterstellte man wegen besonders detaillierter Schilderung von Krankheiten das Interesse an medizinischen Fragen. Außerdem finden sich Stellen, in denen er in der »Wir«-Form redet, sich also als Begleiter des Paulus zu erkennen gibt. Also könnte der Evangelist der Leibarzt des Paulus gewesen sein! Dieser Gedankengang hält neuen Erkenntnissen nicht stand. Gewichtige Gründe sprechen dagegen. Zum Beispiel, dass Aussagen des Lukasevangeliums denen des Paulus widersprechen. Der Arzt Lukas schrieb weiter Rezepte für Paulus - aber kein Evangelium. ( Kolosser 4, 14, 2 Timotheus 4, 11)
Zitat: »Es grüßt euch Lukas, der Arzt, der Geliebte.«
Sonntags ist Heilen erlaubt - Matthäus 12, 9-14; Lukas 14, 3
Gelten Vorschriften und Gesetze mehr als das menschliche Wohl? Die Auseinandersetzung über diese Frage durchzieht die gesamte Bibel, ganz besonders das Wirken Jesu. Mehrmals versuchte die gesetzestreue Fraktion der jüdischen Autoritäten, den seltsamen Wanderprediger Jesus aus Nazareth aufs religiöse Glatteis zu führen. Nach orthodoxer Anschauung war es verboten, am Sabbat, dem jüdischen Feiertag, zu arbeiten. Unbeeindruckt davon streifte Jesus mit seinen Jüngern durchs Kornfeld und pflückte Ähren. Schließlich heilte er sogar vor den Augen der Pharisäer einen Mann, der unter einer »verdorrten Hand« litt. Am Sabbat darf man Gutes tun, behauptete Jesus - und erboste die Pharisäer so sehr, dass sie überlegten, »wie sie ihn umbrächten.« ( Matthäus 12, 9-14, Lukas 14, 3)
Zitat: »Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen, oder nicht?«
Glaube macht gesund - Lukas 8, 40-48
Manchmal geraten auch Ärzte an ihre Grenzen. Diese Erfahrung musste eine Frau in Galiläa machen, die seit zwölf Jahren unter Blutfluss litt. Alles Geld hatte sie für Arztbesuche ausgegeben »und konnte von keinem geheilt werden«. Als sie Jesus in der Gegend ist, schöpft sie noch einmal Hoffnung. Sie berührt den Saum seines Gewandes - »und sogleich hörte ihr Blutfluss auf.« »Dein Glaube hat dich gesund gemacht«, segnet Jesus sie, »geh hin in Frieden!« ( Lukas 8, 40-48)
Zitat: »Eine Frau hatte alles, was sie zum Leben hatte, für die Ärzte aufgewandt und konnte von keinem geheilt werden.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
ÄRZTLICHE KUNST
Ägypten und Griechenland sind die Wiegen der ärztlichen Kunst. In Israel wurden Ärzte oft als Konkurrenz zu Gott gewertet, von dem man eigentlich die Heilung erwartete. Erst um 500 v. Chr. erfuhr der Arztberuf Ansehen, vor allem durch die Weisheitslehrer.
Zum Weiterlesen: Jan-A. Bühner (Hg.): Arztgeschichten der Bibel, Stuttgart 2005.
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