In Kontakt zu den Menschen
Pfarrer Klaus Herold wechselt vom Wohnwagen bei Hersbruck auf die Insel Zypern
Die Heimatferien von Klaus Herold sind zu Ende. Der 69-Jährige hat seinen Wohnwagen auf dem Gartengrundstück nahe Hersbruck zugesperrt und ist mit seiner Frau Christine wieder auf Zypern, um in seinem vierten und letzten Amtsjahr von Limassol aus die »Evangelische Kirchengemeinde Deutscher Sprache auf Zypern« zu leiten.
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Pilz-Dertwinkel
 Auslandserfahrung sammelte er als Campingpfarrer: Klaus Herold.
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Vor drei Jahren hat der Neuruheständler Herold spontan diese Aufgabe von seinem Vorgänger übernommen. Zuvor hatte er 22 Jahre lang die Melanchthongemeinde in Ziegelstein mit 4500 Gemeindemitgliedern geführt. »Auslandserfahrung« hatte Herold schon durch seine Zeit als Campingpfarrer auf dem italienischen Zeltplatz Marina di Venezia. Schon damals galt es, erfinderisch zu sein, um mit den Urlaubern einprägsame Gottesdienste feiern zu können.
Etwas nicht Alltägliches zu probieren, sich in eine neue Situation hineinzufühlen und das Bestmögliche herauszuholen, hat Herold stets gereizt. Sein Improvisationstalent kommt ihm auch jetzt auf Zypern zugute. Und dank eines Auslandsstudienjahres seinerzeit in Chicago ist die Verständigung auf der Insel für ihn kein Problem; nach Griechisch ist Englisch die meist gesprochene Sprache.
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Pilz-Dertwinkel
 Klaus Herold.
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Die evangelische Kirchengemeinde Deutscher Sprache auf Zypern ist eine von acht deutschen Auslandsgemeinden im Nahen Osten; sie ist als Verein registriert. Unter den 90 Mitgliedern sind Deutsche, Schweizer, Österreicher, aber auch Zyprioten - evangelische und andere Christen. Da es keine Kirchensteuer gibt, bleiben nur die freiwilligen Mitgliedsbeiträge zur Finanzierung.
Eigene Kirchen besitzt der Verein nicht; Herold feiert Gottesdienst im Gemeindehaus in Limassol oder in seinem Wohnzimmer, in einer alten orthodoxen Kirche, die dem Staat gehört oder in einer anglikanischen Kirche, für deren Benutzung er Miete zahlt. Die orthodoxen Glaubensbrüder erlauben normalerweise keine fremden Gottesdienste in ihren Sakralbauten. Gerne lädt der Pfarrer zu Freiluftgottesdiensten ein, beispielsweise in den Innenhof einer kleinen Kapelle; häufig bleiben dann Leute, die zur Besichtigung kommen, spontan dabei. Als beeindruckend beschreibt er die Auferstehungsfeier am Ostermorgen inmitten eines römischen Ausgrabungsfeldes mit Blick auf das blaue Meer.
Sehr wichtig ist dem Pfarrer das Gemeindeleben, und das funktioniert in der kleinen Auslandsgemeinde ganz prächtig. Einen besonderen Schub brachte das Benefizprojekt »Charity Shop«. Man suchte »eine diakonische Aufgabe«, da die Kirche auf Zypern keine derartigen Einrichtungen betreibt. Eine Gemeinde, die sich nur um sich selbst kümmert, droht zu verkümmern«, betont Herold.
Seit knapp einem Jahr gibt es nun einen Secondhand-Laden, den man auf Anregung der »Friends for Life«, einer Organisation, die in Limassol ein Hospiz betreibt, ins Leben rief. Dieser »Charity Shop« hat sich als segensreiches Projekt in vielerlei Hinsicht entwickelt. 36 Mitarbeiter aus zehn Nationen engagieren sich ehrenamtlich unter der Leitung von zwei Managerinnen. Unterstützung kommt auch von Unternehmen, zum Beispiel von deutschen Reedereien. Immer mehr Leute, auch Einheimische, nutzen den Laden als Treffpunkt, was den Kontakt zwischen den Menschen und den Bekanntheitsgrad der evangelischen Kirche insgesamt fördert. Und ganz nebenbei kommt Geld in die Kasse, das man für soziale Zwecke einsetzen kann.
Herold ist über den Erfolg des Charity Shops, der im Kirchenvorstand nicht ganz leicht durchzusetzen war, sehr glücklich. Der Hauptteil des Gewinns geht an das Hospiz, außerdem fließt Geld in ein Schulkinderprojekt in Beirut. Auch für die eigene Gemeinde bleibt noch etwas übrig: So kann man jetzt eine Gemeindeschwester auf Honorarbasis beschäftigen.
Die Gemeinde auf Zypern ist klein, doch bewegt sie viel. Klaus Herold zitiert das Jesuswort »Ihr seid das Salz der Erde« und lächelt dabei. Das Engagement der Mitglieder steckt an und zieht Kreise. »Eigeninitiative und persönliche Kontakte sind das A und O«, sagt Herold. Auch gelte es, beherzt und im Vertrauen auf Gott Dinge in Angriff zu nehmen, die man als richtig erkannt hat. Für den Zypern-Pfarrer gibt es jedenfalls keinen Grund zum Schwarzsehen, was die Zukunft der Kirche in der Heimat anbelangt. »Das Potenzial ist da«, sagt Herold. |
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