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Dieser Artikel: Ausgabe 36/2010 vom 05.09.2010
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ZEITZEICHEN


Journalisten ist es verboten, in ihren Texten über Namen von Personen zu räsonieren, denn für seinen Namen kann niemand etwas. Nur einmal haben wir an dieser Stelle eine Ausnahme gemacht, als wir anlässlich eines Jubiläums des Blauen Kreuzes darauf hinweisen mussten, dass ausgerechnet ein gewisser Johannes Schluckebier 1885 zu den Begründern der modernen Anti-Alkohol-Bewegung gehörte.

In dieser Ausgabe soll die zweite Ausnahme erfolgen. Hat es etwa einen tieferen Grund, dass gerade ein Mann Namens Thilo Sarazzin mit seinen antimuslimischen Thesen wie ein Sarazenenesturm über Deutschland hinwegfegt?

Schließlich waren die Namensgeber des Bundesbank-Vize Muslime. Sarazenen ist ein Begriff, der ursprünglich einen auf der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Vermutlich waren die »Saraceni« Nomadenstämme auf dem Sinai im Gebiet von Nabatäa. Die christlichen Kirchenväter sahen in ihnen Nachfahren der Hagar, der verstoßenen Sklavin und Nebenfrau Abrahams. Sie knüpften in ihrer Deutung an Paulus an, der in Galater 4,21-31 von den Angehörigen eines von Gott heilsgeschichtlich verstoßenen Volkes in Arabien sprach. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff im christlichen Europa als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab ca. 700 n.Chr. in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet. Meist geschah dies im angstgeprägtem Sinn: Die Sarazenen kommen!

Und sie kamen - selten friedlich, aber am Ende nicht immer zum Nachteil der europäischen Kultur. Heute lautet der Schlachtruf »Sarazzin kommt!« Wo er sein umstrittenes Buch »Deutschland schafft sich ab« präsentiert, regt sich Widerstand - eher zum Vorteil der europäischen Kultur.

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abgerufen 04.02.2012 - 05:59 Uhr

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