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Dieser Artikel: Ausgabe 35/2010 vom 29.08.2010
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Pferde in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Mit Pferderomantik hat die Bibel nicht viel im Sinn. Die prachtvollen Tiere müssen in den Krieg ziehen.

Blaues Pferd, Franz Marc, 1911, Berlin, Sammlung Bernhard Koehler.
Foto: sob
   Blaues Pferd, Franz Marc, 1911, Berlin, Sammlung Bernhard Koehler.

        

Mit Ross und Reiter in den Kampf - Jeremia 46, 4; Nahum 3, 3; Haggai 2, 2; Sacharja 12, 4

In den Kriegen des Alten Orients spielten Pferde eine oft entscheidende Rolle. Auf zwei Weisen wurden sie eingesetzt: als Zugpferde für Streitwagen und als Reitpferde für Kämpfer. Der babylonische Feldherr Holofernes schickte 12000 »Bogenschützen zu Pferde« in den Krieg; vom assyrischen König wird respektvoll überliefert: »Die Schar seiner Krieger verstopfte die Bäche, und seine Pferde bedeckten das Land.« Die Propheten beschreiben die Kämpfe eindrücklich. »Spannt Rosse an und lasst Reiter aufsitzen«, fordert Jeremia die Israeliten auf. Nahum berichtet: »Reiter rücken herauf mit glänzenden Schwertern und mit blitzenden Spießen.« Angesichts verheerender Kriege zeichnet Sacharja eine friedliche Endzeit, in der Gott »alle Rosse scheu und ihre Reiter irre« macht. ( Jeremia 46, 4,  Nahum 3, 3,  Haggai 2, 2,  Sacharja 12, 4)

Zitat: »Ross und Reiter sollen fallen.«

 

König David lähmte die Pferde - Josua 11, 6.9; 2 Samuel 8, 4

Wer einen riesigen Gegner wie Goliat mit einer Steinschleuder umlegt, wird auch gegen starke Nachbarvölker siegen. Folgerichtig schlug David die Heere der Philister, der Moabiter und anderer Nationen, die den militärischen Nutzen von Pferden schon erkannt und eingesetzt hatten. Nicht nur Kriegsgefangene fielen in Davids Hände, auch deren Pferde. Um sie außer Kraft zu setzen, »lähmte« er sie. Details überliefert die Bibel nicht. Auch Josua quälte Pferde auf diese Weise - und zwar auf ausdrücklichen Befehl Gottes, der ihn anwies: »Ihre Rosse sollst du lähmen!« ( Josua 11, 6.9,  2 Samuel 8, 4)

Zitat: »David nahm von ihnen gefangen tausendundsiebenhundert Gespanne und zwanzigtausend Mann Fußvolk und lähmte alle Pferde und behielt hundert übrig.«

 

König Salomo, der Pferde-Importeur - 1 Könige 5, 6.8; 10, 28

König Salomo (968-928 v. Chr.) war klar: Um Israel gegen die Truppen feindlicher Völker zu wappnen, genügten keine starken Männer und keine noch so dicken Rüstungen. Pferde und Streitwagen mussten her. Also rüstete Salomo sein Heer auf. Er schickte Käufer gen Ägypten; sie besorgten dort die besten Pferde und brachten sie nach Jerusalem. So viele, dass Salomo »viertausend Gespanne für seine Kriegswagen und zwölftausend Leute für die Pferde« aufstellte. Verwalter organisierten riesige Mengen an Stroh und Gerste für die animalischen Kriegsteilnehmer. ( 1 Könige 5, 6.8,  1 Könige 10, 28)

Zitat: » Man brachte Salomo Pferde aus Ägypten und aus Koë; und die Kaufleute des Königs kauften sie zu ihrem Preis.«

 

Jesus Sirach, kein Pferdeflüsterer - Jesus Sirach 30, 8; 33, 6

Nein, ein Pferdeflüsterer war der weise Jesus Sirach offenbar nicht. Er ging davon aus, dass ein Pferd gebändigt werden müsse - was eher auf eine rüde Methode des Zureitens hindeutet. Ein ungebändigtes Pferd dient ihm dann für eine ziemlich schräge Rechtfertigung strenger Kindererziehung: Ein Sohn, der nicht gezügelt werde wie ein Pferd, werde »ungebärdig« . Ein zweites Mal zieht Jesus Sirach ein Pferd für einen weisen Spruch heran. Über seinen wiehernden Hengst darf man getrost schmunzeln. ( Jesus Sirach 30, 8,  Jesus Sirach 33, 6)

Zitat: »Wie ein Hengst, der unter jedem Reiter wiehert, so ist ein Freund, der Lust zum Spott hat.«

 

Kult ums Pferd - 2 Könige 23, 11

In viele alten Kulturen verkörpert das Pferd Kraft und Vitalität; einige schreiben ihm sogar eine besondere Rolle im Götterhimmel zu. Eine Spur davon findet sich in der Bibel. König Josija (640-609 v. Chr.) war bemüht, das abtrünnige Volk Israel wieder auf den Pfad der Rechtgläubigkeit zu bringen. Götzenpriester setzte er ab, ebenso schaffte er die göttliche Verehrung von Tieren ab. Auch die von Pferdestatuen, die wie Götzenbilder vor dem Tempel wachten. ( 2 Könige 23, 11)

Zitat: »Er schaffte die Rosse ab, die die Könige von Juda für den Dienst der Sonne bestimmt hatten am Eingang des Hauses des Herrn.«

 

Rote Pferde - Sacharja 1, 8-17

Der Prophet Sacharja ist für seine besonders fantasiereichen Visionen bekannt: Mal schwebt eine Schriftrolle durch die Luft, mal sitzt eine Frau in einer Tonne. In einer Vision reitet ein Mann auf einem roten Pferd, macht Halt in einem Wald; mit ihm weitere rote, braune und weiße Pferde. Die Rosse sprechen mit Sacharja: »Wir haben die Lande durchzogen, und siehe, alle Lande liegen ruhig und still.« ( Sacharja 1, 8-17)

Zitat: »Ich sah in dieser Nacht, und siehe, ein Mann saß auf einem roten Pferde, und er hielt zwischen den Myrten im Talgrund, und hinter ihm waren rote, braune und weiße Pferde.«

 

Die apokalyptischen Reiter - Offenbarung 6; 19, 11-16

An Fantasie mangelt es auch dem Seher Johannes wahrlich nicht. In seiner Vision des Jüngsten Gerichts sieht er vier »apokalyptische« Reiter. Der erste sitzt auf einem weißen Pferd, hat einen Bogen in der Hand und bekommt eine Krone verliehen. Der zweite Reiter sitzt mit einem riesigen Schwert auf einem feuerroten Pferd; ihm »wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten« . Die dritte Gestalt sitzt auf einem schwarzen Pferd und hält eine Waage in der Hand. Die vierte und letzte reitet ein »fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach.« Am Ende seiner Visionen lässt Johannes Jesus als Sieger über alle Welt und alle Zeiten auftreten. Er kommt auf einem weißen Pferd geritten; sein weißes Gewand ist blutdurchtränkt. Mit ihm treten himmlische Heerscharen aus dem Himmel, ebenfalls auf weißen Pferden und in weißen Leinengewändern. ( Offenbarung 6,  Offenbarung 19, 11-16)

Zitat: »Ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

MACHT DER STREITWAGEN

  Seit etwa 1500 v. Chr. werden im Alten Orient Pferde als Zugtiere für Streitwagen verwendet. Für die israelitischen Fußtruppen bedeuteten die berittenen Heere eine Übermacht. König Salomo erkannte die militärische Bedeutung der Pferde und begann mit dem Aufbau einer Streitwagenmacht; die archäologischen Befunde sind in Form alter Pferdeställe heute in Israel zu besichtigen.

  Zum Weiterlesen: Angelika Hirschberg: Pferde. Mythos und Geschichte, Stuttgart 2008.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 04.02.2012 - 06:06 Uhr

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