Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern?
Sonntagsblatt-Umfrage zum Ausstieg vom Ausstieg
Gemäß dem Ausstiegsgesetz müsste um das Jahr 2022 Schluss sein mit Atomkraftwerken in Deutschland. Doch Union und FDP haben im Oktober 2009 in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, die Laufzeiten der Kernreaktoren zu verlängern. Im Herbst will die Bundesregierung ein Energiekonzept vorlegen. Die Zukunft der AKWs ist wesentlicher Teil davon. Doch drei Viertel der Bundesbürger sind gegen eine deutliche Laufzeitverlängerung - die Debatte um die Atomzukunft nimmt an Schärfe zu.
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»Bessere Sicherheitsstandards«
»Ich kann den Hype um die Frage nicht nachvollziehen. Die Atomkraft ist vielleicht keine Technologie für die nächsten hundert Jahre, aber man kann sie vorerst weiterführen. Wir leben schließlich nicht in der Ukraine, sondern in Deutschland, wo andere Sicherheitsstandards gelten. Ich hätte auch lieber Energie aus Wind und Sonne, aber effizienter ist es im Augenblick allemal, die Kernkraft weiter zu nutzen.«
Manuel Palme (20), Student, Nürnberg
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»Weg damit!«
»Wenn es nach mir ginge: weg damit! Es gibt ausreichend Alternativen zu Atomkraftwerken, und sogar der Bundesumweltminister hält den Ausstieg in den nächsten acht Jahren für realisierbar. Spätestens seit Tschernobyl kennen wir die Gefahren, die bei einer Katastrophe drohen. Der Luxus, den die Atomenergie bereitet, kann das Risiko nicht aufwiegen. Da könnte ich auch mit ein paar Stunden am Tag ohne Strom leben.«
Michaela Sonntag (48), Model, Goldkronach
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»250.000 Jahre Strahlung«
»Ich habe schon in den 1970er-Jahren als Lehrer mit einer Zeittafel meinen Schülern klarzumachen versucht, wie lange Atommüll strahlt: bis zu einer Viertelmillion Jahre. Dagegen ist unsere Menschheitsgeschichte ein Klacks. Ich finde es immer noch verantwortungslos, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen, ohne dass die Entsorgung geklärt ist. Nachkommende Generationen werden sich bedanken.«
Dr. Hans-Joachim Schwarz (82), Studiendirektor a.D., Kumpfmühl
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»Physische Angst«
»Ich bin absolut gegen eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Ich gebe zu, dass ich zwar nicht genau weiß, was passiert, wenn wir jetzt alle Kraftwerke einfach abschalten. Aber die Katastrophe von Tschernobyl hat mich als Kind sehr geprägt. Atomkraft ist für mich ein völlig unkalkulierbares Risiko. Schon der Gedanke an die radioaktive Strahlung macht mir regelrecht physische Angst.«
Julia Guess (30), Volontärin beim Goethe-Institut, München |