Flut und Segen
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Meldungen über Flutkatastrophen bestimmen derzeit die Nachrichten. Auch in biblischen Zeiten litten Menschen unter Fluten.
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sob
 Lovis Corinth: Sturm auf Cap Ampeglio (1912), Staatliche Kunstsammlungen Dresden.
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Gott ist Herr der Fluten - 1 Mose 2, 1; Psalm 33, 6; Hesekiel 31, 15
Mit Himmel, Erde und Wasser begann Gott sein Schöpfungswerk. Eine Urflut bedeckte die Erde. Wie Gott seitdem das Wasser und die Fluten lenkt, beschreibt der Psalmist: »Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten.« Aus diesen Wasserkammern schickt Gott den Menschen Fluten zum Segen wie zum Gericht. In der überfluteten Unterwelt geschehen aber auch merkwürdige Dinge. Der Prophet Hesekiel etwa berichtet, Gott lasse »die Fluten der Tiefe« um sein Volk »trauern« und lasse die Ströme anhalten. Dass Gott der Herr über Wasser und Fluten ist, betont das Alte Testament auch als Abgrenzung gegen die religiösen Vorstellungen anderer Religionen, die dem Wasser selbst göttliche Kraft beimessen oder es als Geburtsstätte der Götter verstehen. ( 1 Mose 2, 1, Psalm 33, 6, Hesekiel 31, 15)
Zitat: »Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.«
Flut als Strafe Gottes - Genesis 6, 9-9, 17; Hesekiel 26, 19
An mehreren Stellen der Bibel benutzt Gott die Flut als Strafinstrument. Die größte und verheerendste ist die Sintflut. Weil das Trachten der Menschheit von Grund auf böse war, fasste Gott den Entschluss, fast alles Leben auf der Erde durch eine Flut auszulöschen. Nur Noah, ein 600-jähriger gottesfürchtiger Mann, darf überleben, mit ihm seine Familie und je ein Paar jeder Tiergattung. Um die erforderlichen Wassermassen in Gang zu setzen, ließ Gott es 150 Tage lang regnen und ließ zudem »alle Brunnen der großen Tiefe« aufbrechen. So lange, bis alles vertilgt wurde, »was auf dem Erdboden war«. Leben war nur auf der Arche Noah. Nach der Sintflut versprach Gott zwar, nie wieder so grausam zu sein. Das hielt ihn aber nicht davon ab, feindlichen Völkern mit der Flut zu drohen. ( Genesis 6, 9-9, 17, Hesekiel 26, 19)
Zitat: »Denn so spricht Gott der HERR: Ich will eine große Flut über dich kommen lassen, dass hohe Wogen dich bedecken.«
Gott beschirmt die Gläubigen - Nahum 1, 8; Jesaja 28, 15-19; Habakuk 3, 8
Es ist paradox: Gott ist letztverantwortlich für Fluten, aber er schützt Menschen auch vor ihnen. Wer Gott vertraut, den »schirmt« er vor den Fluten. In falscher Sicherheit jedoch wähnen sich die Feinde Israels, die meinen, »mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht zu haben: Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen.« Ihnen kündigt Gott an, dass Fluten ihre Schutzbauten wegschwemmen, während Zion bewahrt bleibt: »Wenn die Flut herannaht, wird sie euch zermalmen.« Habakuk lässt die Möglichkeit offen, dass Gott selbst auch zornig auf die Flut sein kann: »Warst du zornig, Herr, auf die Flut? Entbrannte dein Grimm wider die Wasser und dein Zorn wider das Meer?« ( Nahum 1, 8, Jesaja 28, Habakuk 3, 8)
Zitat: »Er schirmt sie, wenn die Flut überläuft.«
Von der Flut gesegnet - 1 Mose 49, 25
Mit einem ergreifenden Segen verabschiedet sich Stammvater Jakob von seinen zwölf Söhnen. Josef, seinem Lieblingssohn, verheißt er auch den »Segen von der Flut«. Was bedeuten kann, dass die Fluten ihm so wohlgesonnen sind, dass er sich nicht vor ihnen fürchten muss. ( 1 Mose 49, 25)
Zitat: »Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, und von dem Allmächtigen seist du gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab, mit Segen von der Flut, die drunten liegt, mit Segen der Brüste und des Mutterleibes.«
Angst vor dem Ertrinken - Psalm 69; Klagelieder 3, 54
Der Psalmist benennt seine Ängste in aller Offenheit, auch die vor dem Ertrinken. »Ich versinke in tiefem Schlamm«, schreibt er, »ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen«. In dieser Todesangst bittet er Gott um Errettung - darum, dass ihn »die Tiefe nicht verschlinge«. Der Psalmist beendet sein Gebet mit der Zuversicht, dass Gott den Armen und Elenden - also auch ihm - beistehe. ( Psalm 69, Klagelieder 3,54)
Zitat: »Wasser hat mein Haupt überschwemmt; da sprach ich: Nun bin ich verloren.«
Fruchtbare Flut - Amos 8, 8; Jeremia 46, 7f.; Jesus Sirach 21, 27
»Normale«, berechenbare Fluten waren wichtig für die Fruchtbarkeit der Felder. Regelmäßig überschwemmte der Nil die Uferregionen und schuf damit die Grundlage für Wachstum. Diese Art von Flut ist wie ein Segen für das Land, denn sie zerstört nicht, sondern tränkt die Erde. Gleichwohl können auch die Nilhochwasser bisweilen vernichtende Kräfte wecken, weiß der Prophet Jeremia: »Ägypten stieg empor wie der Nil, und seine Wasser wälzten sich daher wie Ströme.« ( Amos 8, 8, Jeremia 46, 7f, Jesus Sirach 21, 27)
Zitat: »Es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.«
Die Fluten als Sinnbild - Jesaja 10, 22; Daniel 11, 10; Jesus Sirach 21, 16; 1 Makkabäer 6, 11
Biblische Verfasser bedienen sich gerne des Begriffs der Flut als Sinnbild. Wie eine Flut werde ein Heer heranbrausen, mahnt etwa der Prophet Daniel. Auch die weisen Lehrer der Bibel benutzen das Wort, zum Beispiel Jesus Sirach: »Die Erkenntnis eines weisen Mannes wächst wie eine Flut, und sein Rat ist wie eine lebendige Quelle.« »Fluten der Gerechtigkeit« prophezeit Jesaja. König Antiochus grübelt nächtelang über sein Schicksal und fühlt sich in »Fluten von Trauer«. ( Jesaja 10, 22, Daniel 11, 10, Jesus Sirach 21, 16, 1 Makkabäer 6, 11)
Zitat: »Ich dachte bei mir selbst: In welche Trübsal und in was für Fluten von Trauer bin ich jetzt geraten!«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
FLUTEN
Katastrophale Fluten sind archäologisch belegt und haben sich tief in das Gedächtnis der Menschheit gefressen. In vielen Mythen spielen Sintfluten eine Rolle, auch in der Bibel. Die Erklärung dafür hält sich bis heute hartnäckig: Gott wolle mit einer Flut die Menschen für ihre Sünden bestrafen. Wer so argumentiert, übersieht die Barmherzigkeit Gottes, der den Menschen nicht mit gefährlichen Fluten droht, sondern ihnen Gnade und Vergebung zusagt.
Zum Weiterlesen: Harald Haarmann: Geschichte der Sintflut. Auf den Spuren der frühen Zivilisationen, München 2005.
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