Von nahen und fernen Inseln
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Sie waren auf Insel-Urlaub im Mittelmeer? Viele heutige Urlaubsinseln haben nicht nur einen Flughafen, sondern auch eine biblische Geschichte.
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wikiInseln
 Kreta: Blick vom Gramvousa-Gebirge.
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Rhodos - Hesekiel 27, 15; 1 Makkabäer 15, 23; Apostelgeschichte 21, 1
Die Söhne des griechischen Gottes Helios sollen Rhodos gegründet haben. Vielleicht ist es deshalb für die biblischen Völker so wichtig, auf Rhodos anwesend zu sein. Zur Makkabäerzeit (ab dem 2. Jh. v. Chr.) lebten jüdische Kolonisten auf der Ägäis-Insel, die mit dem römischen Reich verbündet war und später Teil deren Provinz Asia wurde. In ihren fruchtbaren Küstenstreifen wuchsen Oliven, Feigen und Wein; der Seehandel florierte. Etwa im Jahr 58 v. Chr. machte der Apostel Paulus auf dem Rückweg einer seiner Missionsreisen Halt in Rhodos. Dass er dort eine christliche Gemeinde gründete, berichtet die Bibel nicht. ( Hesekiel 27, 15, 1 Makkabäer 15, 23, Apostelgeschichte 21, 1)
Zitat:»Die Leute von Rhodos sind deine Händler gewesen.«
Zypern - Apostelgeschichte 11, 19; 13, 1-12; 1 Mose 10, 4 f.; Jesaja 23, 12
Spätestens seit 58 v. Chr. gibt es jüdische Gemeinden auf Zypern; christliche Missionare fanden dort also einen gut bereiteten Boden. In Folge der ersten Christenverfolgung, ausgelöst durch die Steinigung des Stephanus, flohen viele Christen nach Zypern. Mit Barnabas, einem Zyprioten, verkündigte Paulus auf der Insel die frohe Botschaft des Evangeliums; eine Episode erzählt, dass Paulus einen Zauberer mit Blindheit schlug, woraufhin der römische Statthalter Sergius Paulus sich zum christlichen Glauben bekehrte. Möglich ist, dass der im Alten Testament erwähnte Ort Kittim Zypern meint. ( Apostelgeschichte 11, 19, Apostelgeschichte 13, 1-12, 1 Mose 10,4, Jesaja 23, 12)
Zitat:»Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Zypern.«
Kreta - Amos 9, 7; Titus 1, 5.12; Apostelgeschichte 2, 11; 27, 7-21
Titus, einen seiner engsten Mitarbeiter in der Mission, ließ Paulus in Kreta, um dort eine christliche Gemeinde zu gründen. In vorchristlicher Zeit ist die Insel bereits bedeutend für die Kultur des Nahen Ostens. Einige Historiker meinen, das Volk der Philister stamme aus Kreta; diese Theorie gründet in der Annahme, dass das biblische Kaftor ein anderer Name für Kreta ist. Beim Pfingstwunder in Jerusalem waren auch Kreter anwesend; ihnen eilte kein guter Ruf voraus: »Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche«, zitiert Paulus ein gängiges Klischee. Auf seiner Reise nach Rom machte er Halt in Kreta; der Kapitän des Schiffes beschloss jedoch, trotz des Sturmes nicht dort zu überwintern. ( Amos 9, 7, Titus 1, 5.12, Apostelgeschichte 2, 11, Apostelgeschichte 27, 7-21)
Zitat:»Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor?«
Malta - Apostelgeschichte 27, 41-28, 11
Als römischer Gefangener wurde der Apostel Paulus nach Rom gebracht; die Fahrt von Cäsarea aus fand im Winter statt und dauerte mehrere Monate. Lustig war diese Seefahrt gar nicht: Stürme peitschten die Wellen des Mittelmeers hoch, schließlich strandete das Handelsschiff auf einer Sandbank vor der maltesischen Insel Gozo. In der dortigen Steilküste wird heute eine Höhle gezeigt, in der Paulus die erste Zuflucht gefunden haben soll. In einer Grotte in der Stadt Rabat, heute von einer Kathedrale überbaut, soll sich Paulus ebenfalls aufgehalten und die Gastfreundschaft der Malteser genossen haben. Die staunten übrigens nicht schlecht, als Paulus den Biss einer Giftschlange überlebte. Auch heilte der Apostel einige Einwohner. ( Apostelgeschichte 27, 41-28, 11)
Zitat:»Als wir gerettet waren, erfuhren wir, dass die Insel Malta hieß.«
Kos und Samos - 1 Makkabäer 15, 23; Apostelgeschichte 20, 15; 21, 1
Heute pendeln die Fähren griechischer Reedereien zwischen den Ägäis-Perlen Samos und Kos; beide Eilande haben Flughäfen, die nonstop aus Bayern angeflogen werden. Das märchenhaft blaue Wasser wird auch Paulus genossen haben, als sein Schiff in den Häfen den Anker warf; ebenso die Händler, die in vorchristlicher Zeit Nahrungsmittel luden. ( 1 Makkabäer 15, 23, Apostelgeschichte 20, 15, Apostelgeschichte 21, 1)
Zitat:»Am folgenden Tag gelangten wir nach Samos.«
Patmos - Offenbarung 1, 9
Das letzte Buch der Bibel, die »Offenbarung des Johannes«, wurde auf der ägäischen Insel Patmos geschrieben. Der Verfasser, der zunächst mit dem Evangelisten Johannes gleichgesetzt wird, dessen Identität aber bis heute unbekannt bleibt, ist ein Christ, der angesichts der Christenverfolgungen durch das römische Reich auf der Insel Unterschlupf gefunden hatte. Voller Leidenserfahrungen erlebt er Visionen über das apokalyptische Ende der Welt, die er sieben kleinasiatischen Gemeinden in Briefen schreibt. Mysteriöse Bilder von Reitern, Lämmern und Ungeheuern treiben Bibellesern bis heute Angstschweiß auf die Stirn. ( Offenbarung 1, 9)
Zitat:»Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.«
Inseln am Ende der Welt - Psalm 72, 10; Sirach 47, 17; Jesaja 66, 19; Offenbarung 16, 20
Ein Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja galt kirchlichen Missionaren bis ins 20. Jahrhundert als Aufforderung ihrer Mission. Dass die »fernen Inseln« von der Güte Gottes erfahren sollen, war ihr Anliegen. Jesaja berichtet auch, dass die Inseln auf Gottes Weisung warten. Ähnlich wünscht sich der Psalmist, dass die »Könige auf den Inseln« Gott Geschenke bringen. Beim Jüngsten Gericht werden auch die Inseln vernichtet, prophezeit der Seher Johannes. Schade eigentlich. ( Psalm 72, 10, Sirach 47, 17, Jesaja 66, 19, Offenbarung 16, 20)
Zitat:»Dein Name drang bis zu den fernsten Inseln.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
INSELN
»So preiset nun den Herrn an den Gestaden, auf den Inseln des Meeres den Namen des Herrn, des Gottes Israels.« Auch in biblischen Zeiten galten Inseln als Synonym für Ferne. Die Eilande traten erst allmählich in das Bewusstsein der Festländer. Seefahrer von Handelsschiffen brachten Erzählungen und auch Inselbewohner nach Israel.
Zum Weiterlesen: Paul Lawrence u.a.: Der große Atlas zur Welt der Bibel: Länder, Völker, Kulturen, Gießen 2007.
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