Kirchenpräsident statt Bischof?
In einem Antrag an die Synode wird der Bischofstitel mit »unguter Katholisierung« abgelehnt
Die evangelische Kirche in Bayern soll den Bischofstitel abschaffen. Das fordert der Nürnberger Pfarrer Dieter Schlee in einem Antrag an die Landessynode, das bayerische »Kirchenparlament«.
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 Bischofstitel nach dem Führerprinzip? Ursprünglich stand ein Kirchenpräsident an der Spitze der bayerischen Landeskirche (unser Foto: rechts Friedrich Veit bis 1933). 1933 wandelte die Landessynode Amt und Funktion um in das Amt des Landesbischofs - in einem Kirchengesetz, das dem staatlichen Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten nachempfunden war.
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Wenn das Kirchenparlament im Frühjahr 2011 den Nachfolger von Landesbischof Johannes Friedrich wählt, solle dieser die Amtsbezeichnung Kirchenpräsident oder Kirchenpräsidentin bekommen.
Der Bischofstitel habe »unguter Katholisierung, Hierarchisierung und Episkopalisierung unserer immer noch der Reformation verpflichteten Kirche« Vorschub geleistet, begründet Schlee seinen Antrag.
Außerdem gehe der erst während der NS-Zeit eingeführte Bischofstitel auf das Führerprinzip des Dritten Reiches zurück. »Er entbehrt biblischer Einsicht und theologisch fundierter Begründung«, betont Schlee. Auch die Regionalbischöfe und Regionalbischöfinnen sollten wieder wie früher Kreisdekan oder Kreisdekaninnen heißen.
Schlee gehört dem »Forum Aufbruch Gemeinde« an, das mehr Selbstbestimmung für die Kirchengemeinden fordert. Das Forum hat einen Kriterienkatalog für die Bischofswahl vorgelegt. Gebraucht werde ein Bischof oder eine Bischöfin mit »prophetischem Biss«, heißt es darin. Er müsse sich profiliert in die gesellschaftliche Diskussion einbringen und das Evangelium lebensrelevant verkündigen. Klassische Bischofseigenschaften wie seelsorgerliche Grundhaltung und Integrationskraft reichten nicht aus.
Innerhalb der Kirche müsse der neue Bischof vom Zentralismus Abstand nehmen und so das Priestertum aller Glaubenden stärken. |