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Dieser Artikel: Ausgabe 31/2010 vom 01.08.2010
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Reinkarnation in Rothenburg

Eine RTL-Sendung rekonstruiert das frühere Leben der Schauspielerin Xenia Seeberg

Von Silvia Schäfer

Das Bild vom Mittelalter hat Rothenburg berühmt gemacht. Von den alten Mauern und Riemenschneider-Altären geht eine besondere Wirkung aus. Doch nun zeichnet der TV-Sender RTL in einer »Reinkarnations-Doku« ein Bild der Tauberstadt, das die Tourismusmanager erschaudern lassen wird.

Xenia Seeberg (links) will sich an Szenen aus dem Jahr 1665 erinnern, in denen sie vor dem Heiligblutaltar in St. Jakob in Rothenburg ob der Tauber betete. Der Altar wurde von Tilman Riemenschneider 1500 bis 1504 gefertigt. Rechts im Bild RTL-Moderatorin Katja Burkard.
Foto: RTL
   Xenia Seeberg (links) will sich an Szenen aus dem Jahr 1665 erinnern, in denen sie vor dem Heiligblutaltar in St. Jakob in Rothenburg ob der Tauber betete. Der Altar wurde von Tilman Riemenschneider 1500 bis 1504 gefertigt. Rechts im Bild RTL-Moderatorin Katja Burkard.

        

Die Schauspielerin Xenia Seeberg (38), bekannt durch ihre Rollen in Kino- und TV-Produktionen, ist seit einem Reinkarnations-Experiment ziemlich sicher, in ihrem früheren Leben als Heilkräuterfrau in Detwang und Rothenburg gewirkt zu haben. Eine skurrile Geschichte, die der Kölner Privatsender RTL als Boulevardthema in seiner Serie »Mein erstes Leben« verarbeitet. Fernsehmoderatorin Katja Burkard und ein Kamerateam begleiteten das ehemalige Playboy-Titelmädchen bei der Suche nach den Spuren ihrer Vergangenheit - unterstützt von Stadt, Kriminalmuseum und Kirche.

Xenia Seeberg heißt mit bürgerlichem Namen Anke Wesenberg und stand in der Serie »Der Clown« in erotischen Konfektionsteilen vor der Kamera. Für die neue RTL-Folge ließ sich die Berlinerin von einer Rückführungstherapeutin in Trance versetzen, um herauszufinden, ob sie Erinnerungen an ein früheres Leben hat - und wurde prompt fündig.

Im April 2005 zierte Xenia Seeberg den Titel des deutschen Playboy-Magazins.
Foto: sob
   Im April 2005 zierte Xenia Seeberg den Titel des deutschen Playboy-Magazins.

Unter Hypnose unternahm sie eine Reise in die Vergangenheit und entdeckte ihre Existenz als Heilkräuterfrau im 17. Jahrhundert. Dabei half die Rückführungstherapeutin Ursula Demarmels, die an der Salzburger Universität Lehrbeauftragte für Entspannungs- und Hypnosetechniken ist und nach RTL-Angaben europaweit schon über 1700 Menschen in ein früheres Leben zurückgeführt hat.

Unter Trance schilderte Seeberg ihr Leben in Detwang und ihre häufigen Besuche in Rothenburg, ohne wirklich jemals dort gewesen zu sein. Ihr früheres Leben endete tragisch mit der Geburt ihres Kindes, bei der sie starb, wie sie erzählt.

Noch während der Rückführung durch Ursula Demarmels prüfte ein von RTL engagierter Historiker die Aussagen Xenia Seebergs. Zurück in der Realität besuchte sie mit einem Redaktionsteam die Orte ihres früheren Lebens. Gedreht wurde im Rothenburger Stadtarchiv, im Kriminalmuseum und in den ehrwürdigen evangelischen Kirchen St. Jakob in Rothenburg und in St. Peter und Paul im benachbarten Detwang, unten im idyllischen Taubertal. Dabei wird im Filmbeitrag eine Brücke geschlagen zwischen damals und heute. Jahreszahlen, Gebäude, Kleider oder bestimmte Ereignisse der Zeit werden überprüft. Passen die Beschreibungen mit belegbaren Fakten?

Touristenpfarrer Oliver Gußmann im Gespräch mit Moderatorin Katja Burkard in St. Jakob.
Foto: RTL
   Touristenpfarrer Oliver Gußmann im Gespräch mit Moderatorin Katja Burkard in St. Jakob.

        

Hinter der Geschichte verbirgt sich die Frage nach der Reinkarnation, also der Wiedergeburt, die besonders Menschen beschäftigt, die dem Spirituellen leicht zugänglich sind. Der christliche Glaube weiß nichts von einem Vorleben oder einer Wiedergeburt auf dieser Erde. Dennoch hat die Reinkarnationslehre viele Anhänger (Siehe hier: » lesen!). Das Wunsch- und Illusionsdenken wird in der Serie »Mein erstes Leben« angeregt durch schöne Geschichten über Prominente, aber auch über normale Bürger, die ihr Tor zum Unterbewusstsein aufstoßen und als »Rückgeführte« feststellen, dass sie in der Vergangenheit Ramses der Dritte oder Johanna von Orleans, vielleicht auch ein Burgfräulein im Elsass oder ein Bauer in Italien waren.

Moderatorin Katja Burkard hat übrigens bisher selbst noch keine Rückführung unternommen, da sie »als Moderatorin dem Thema weiterhin neutral begegnen möchte«. Sie bezeichnet sich selbst als Skeptikerin, hält es aber für möglich, dass an dem Thema Reinkarnation mehr dran ist, als wissenschaftlich bewiesen werden kann. Sie findet es außerdem »faszinierend, dass alle Menschen, mit denen wir gedreht haben, im Anschluss die Angst vor dem Tod verloren haben. Das ist auch für manchen Zuschauer sicherlich tröstlich.«

Pfarrer Peter Noack vor der Kirche St. Peter und Paul in Detwang.
Foto: RTL
   Pfarrer Peter Noack vor der Kirche St. Peter und Paul in Detwang.

        

Xenia Seeberg hat sich in ihrem Vorleben als Heilerin gesehen und will sich an Szenen aus dem Jahr 1665 erinnern, in denen sie vor dem Heiligblutaltar in St. Jakob betete oder beobachtete, wie eine Hexe durch die Stadt getrieben, geköpft und anschließend verbrannt wurde.

Einen seriösen Anstrich bekommt die Geschichte durch Gespräche und Interviews mit den beiden evangelischen Pfarrern Oliver Gußmann und Peter Noack, Karl-Heinz Schneider vom mittelalterlichen Kriminalmuseum und Stadtarchivarin Angelica Tarokic und und dem ehrenamtlichem Mitarbeiter Ekkehart Tittmann. Mit ihrem kulturhistorischen Wissen unterstützten sie das Fernsehteam dabei, den Geist vergangener Jahrhunderte gegenwärtig und spürbar werden zu lassen.

»Leichtes Bauchgrimmen« beim Tourismusdirektor

Das Stadtbild mit massiven Toranlagen, Pechnasen über Toreingängen, Basteien mit Geschützinnenhof, Dämonengesichter an Hauswänden und frühere Hexenprozesse erinnern an eine altertümliche Welt und bieten das historische Fundament für den halbstündigen Fernsehbeitrag, der am 1. August ausgestrahlt wird.

Xenia Seeberg erzählte in Trance, wie eine Hexe durch die Stadt getrieben, geköpft und anschließend verbrannt wurde. Der städtische Bauhof karrte für die Dreharbeiten der nachgestellten Hexenverbrennung Abfallholz auf die Reutsächser Steige jenseits des Taubertals.
Foto: RTL
   Xenia Seeberg erzählte in Trance, wie eine Hexe durch die Stadt getrieben, geköpft und anschließend verbrannt wurde. Der städtische Bauhof karrte für die Dreharbeiten der nachgestellten Hexenverbrennung Abfallholz auf die Reutsächser Steige jenseits des Taubertals.

        

Ob diese Art von Medienpräsenz dem viel beschworenen Qualitätsanspruch Rothenburgs gerecht wird, vermag Tourismusdirektor Sven-Olaf Brüggemann nicht eindeutig zu beantworten. Das RTL-Konzept verursachte bei ihm zunächst »leichtes Bauchgrimmen«, sodass er den Rat von Touristenpfarrer Oliver Gußmann einholte. In Abstimmung mit Pfarrer Peter Noack habe man sich schließlich auf die Sache eingelassen. Rückfragen bei den verantwortlichen Redakteuren (»sie haben einen ordentlichen Eindruck hinterlassen«) hätten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Story reißerisch erzählt wird. So öffneten sich die Türen der beiden kunsthistorisch und religionsgeschichtlich bedeutsamen Kirchen, die immer wieder Schauplatz von Filmaufnahmen sind. Und auch die Stadt spielte mit - in der Hoffnung auf einen möglichen Werbeeffekt.

Eigens angereiste Darsteller wurden in historische Kostüme gesteckt, um an verschiedenen Schauplätzen die Traumsequenzen nachzustellen. Auch ein Kran kam zum Einsatz, um aus der Höhenperspektive spektakuläre Bilder einer scheinbar autofreien Stadt einzufangen. Der städtische Bauhof karrte für die Dreharbeiten der nachgestellten Hexenverbrennung Abfallholz auf die Reutsächser Steige jenseits des Taubertals. Doch anstatt hier auf die hypnotischen Erinnerungen von Frau Seeberg zu bauen, hätte man besser in die Geschichtsbücher geschaut. Eine Hexe wurde im mittelalterlichen Rothenburg aller Wahrscheinlichkeit nach nie verbrannt.

 

  FERNSEHTIPP: »Mein erstes Leben«, RTL, Sonntag, 1. August um 19.05 Uhr, Eine Hexe mit Wunderkräften und ein venezianischer Glasbläser auf der Flucht.

Im Taubertal vor der Kirche St. Peter und Paul in Detwang.
Foto: RTL
   Im Taubertal vor der Kirche St. Peter und Paul in Detwang.

        

ZUM THEMA

Reinkarnation in Rothenburg. Eine RTL-Sendung rekonstruiert das frühere Leben der Schauspielerin Xenia Seeberg. Von Silvia Schäfer. » lesen!

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abgerufen 08.02.2012 - 11:46 Uhr

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