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Dieser Artikel: Ausgabe 28/2010 vom 11.07.2010
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Verführerinnen in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Sie geizen nicht mit ihren Reizen: Auch in der Bibel locken Frauen Männer auf angenehmste Weise in den Hinterhalt.

Max Liebermann: Simson und Delila (1902, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt).
Foto: sob
   Max Liebermann: Simson und Delila (1902, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt).

        

Eva und die Schlange - 1 Mose 3, 6; 1 Tim 2, 14

Eva oder die Schlange, wer ist die erste Verführerin der biblischen Weltgeschichte? Darüber herrschen sehr unterschiedliche Deutungen. Fest steht: Die Schlange verführte Eva dazu, eine Frucht des verbotenen Paradiesbaumes zu essen. Eva ließ sich von den Verführungskünsten der Schlange überzeugen und biss beherzt in die wohlschmeckende Frucht (traditionell ein Apfel). Vorstellbar ist, dass Adam neugierig zuschaute und die Frucht, die Eva ihm in verführerischer Absicht weiterreichte, ebenso gerne nahm wie seine Frau. Die erste Folge war, dass sich beide ihrer Nacktheit bewusst wurden und sich schämten. Der Apostel Paulus versucht eine Ehrenrettung von Eva. »Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen«, schreibt er an die Korinther. An anderer Stelle nutzt er den »Sündenfall« als Mahnung zu aufrichtigem Leben: »Ich fürchte, dass wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, so auch eure Gedanken abgewendet werden von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus.« ( 1 Mose 3, 6,  1 Timotheus 2, 14)

  Zitat: »Sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.«

 

Judit: Verführerin mit Gottes Hilfe - Buch Judit

Die hübsche Witwe Judit fühlte sich berufen, ihr Volk Israel vor dem feindlichen Feldherrn Holofernes zu schützen. Sie tauschte ihre Trauerkleider gegen prächtige Gewänder, bat Gott um Hilfe und betörte Holofernes mit ihrem Duft, Charme und Sex-Appeal. Als er betrunken bei ihr lag, schlug sie ihm mit einem Schwert den Kopf ab. Judits Verführungskünste bewahrten Israel vor einer militärischen Niederlage, denn die gegnerischen Truppen traten den Rückzug an. ( Buch Judit)

  Zitat: »Gib mir die Festigkeit, keinen Ekel zu zeigen.«

 

Josef widersteht Potifars Frau - 1 Mose 39

Das hatte sich die Frau des Potifar so schön in der Fantasie ausgemalt: Den neuen Hausverwalter namens Josef - »schön an Gestalt und hübsch von Angesicht« wollte sie nach Strich und Faden und hinter dem Rücken ihres Gatten verführen. »Lege dich zu mir«, hauchte sie ihm im Befehlston zu. Doch Josef bleibt fromm und standhaft: »Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?« Täglich bedrängte die untreue Ehefrau den hübschen Hebräer. Doch der lässt sich nicht erweichen. ( 1 Mose 39)

  Zitat: »Es begab sich, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Josef warf und sprach: Lege dich zu mir!«

 

Delila: Tödliches Schäferstündchen - Richter 16

Liebe machte Simson, den mächtigen Richter Israels im wahrsten Sinne des Wortes blind. Er hatte sich in die schöne Delila verliebt. Sie nutzte sein Gefühl aus, verführte ihn zu einer Schäferstunde und entlockte ihm im Auftrag der feindlichen Philister das Geheimnis seiner Stärke. Die Folge: Sie nehmen ihn fest und stechen ihm die Augen aus. ( Richter 16)

  Zitat: »Sie ließ ihn einschlafen in ihrem Schoß und rief einen, der ihm die sieben Locken seines Hauptes abschnitt.«

 

Tamars verführerischer Schleier - 1 Mose 38

Was ihr widerfuhr, fand sie ungerecht: Nach dem Tod ihres Mannes namens Er sollte die kinderlose Tamar im Hause ihres Schwiegervaters Juda leben und warten, bis dessen jüngster Sohn Schela erwachsen und heiratsfähig wird. Um ihren Kinderwunsch schneller zu erfüllen, heckte sie einen Plan aus. Sie warf sich aufreizende Schleier über und bot auf der Straße ihre Liebesdienste an. Ihr Schwiegervater Juda erkennt sie nicht und schwängert sie. ( 1 Mose 38)

  Zitat: »Da legte sie die Witwenkleider von sich, die sie trug, deckte sich mit einem Schleier und verhüllte sich.«

 

Das Netz der Verführerin - Sirach 9, 3; Sprüche 5, 3-5; 2 Thessalonicher 2, 3

Auch weise Bibel-Lehrer waren offenkundig nicht vor den Verführungskünsten hintersinniger Frauen gefeit. Warum warnen sie sonst so ausdrücklich davor? König Salomo, Herr über unzählige Haremsdamen und reich an Erfahrungen im Umgang mit Frauen, warnte seinen Sohn: »Die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl, hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.« Es klingt, als schildere der sagenumwobene König eine waschechte Femme fatale: »Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich.« Das Buch Jesus Sirach, ebenfalls eine Fundgrube erprobter Lebensweisheiten, warnt davor, Verführerinnen ins Netz zu gehen. Sogar der Apostel Paulus warnt vor Verführungen, meint damit aber nicht nur die erotischen von Frauen, sondern auch die Verführungskünste falscher Propheten: »Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise!« ( Sirach 9, 3,  Sprüche 5, 3-5,  Thessalonicher 2, 3)

  Zitat: »Meide die Frau, die dich verführen will, damit du ihr nicht ins Netz gehst.«

 

Jesus rät: Auge raus! - Matthäus 5, 29

Noch radikaler als die alttestamentlichen Ratgeber ist Jesus. Eigentlich spiegeln sich in der Bergpredigt die friedlichen Aspekte seiner Lehre. In manchen Abschnitten aber fordert er geradezu zur Gewalt auf, und zwar nicht gegen andere, sondern gegen sich selbst. Besonders beim Thema Ehebruch wird das deutlich. Wer eine Frau begehrlich ansieht, solle nicht nur wegschauen, sondern sich das eigene Auge ausreißen. Gottseidank befolgen selbst die radikalsten Fundamentalisten und treuesten Jesusnachfolger diesen Rat nicht. ( Matthäus 5, 29)

  Zitat: »Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall verführt, so reiß es aus und wirf's von dir.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

GEFÄHRLICHE REIZE

  Die Frau als Verführerin, die nichts Gutes im Schilde führt: Dieses Klischee bedient auch die Bibel. Da tauchen Frauen auf, die mit ihren Reizen Männer in den Abgrund reißen, sie sogar ermorden. Die Kombination von Sex und Mord, von heißer Verführungskunst und kaltblütigem Handeln erweist sich bis heute als äußerst publikumswirksam, wie an unzähligen Krimis abzulesen ist.

  Zum Weiterlesen: Sue und Larry Richards: Alle Frauen der Bibel - Von Abigajil bis Zippora, Gießen 2008.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:20 Uhr

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