Die Lehrer der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Das Melanchthon-Gedenkjahr erinnert an den »Lehrer Deutschlands«. Welche Rolle spielen Lehrer eigentlich in der Bibel?
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sob
 Der Prophet Joel, Michelangelo, Sixtinische Kapelle.
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Gott ist Lehrer - Psalm 25, 4; 90, 12; Hiob 36, 22; Matthäus 11, 1; 23, 10; Lukas 12, 12; Johannes 3, 2; 7, 16; 14, 26
Der beste und wichtigste Lehrer der Menschen ist Gott. »Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige«, bittet der Psalmist. Besonders die Vergänglichkeit soll Gott lehren: »Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« Aber auch Christus als Gottes Sohn ist ein nicht zu überbietender Lehrer. »Wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen«, spricht ihn der pharisäische Jude Nikodemus einmal an und möchte dann von ihm wissen, wie ein Mensch neu geboren werden könne. Seinen engen Jüngerkreis unterrichtete Jesus im richtigen Verständnis der heiligen Schriften. Dabei verwies er stets auf den höheren Lehrer: »Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.« Gleichzeitig verbot er seinen Jüngern, sich »Lehrer« nennen zu lassen, mit der Begründung: »denn einer ist euer Lehrer: Christus.« Der Evangelist Johannes erklärt, dass nach Jesu Himmelfahrt der Heilige Geist »alles lehren und an alles erinnern wird«, was Jesus gesagt hatte. ( Psalm 25, 4, Hiob 36, 22, Matthäus 11, 1, Lukas 12, 12, Johannes 3, 2)
Zitat: » Siehe, Gott ist groß in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?«
Elterliche Lehrer - 5 Mose 6, 20; Sprüche 5, 1; 19, 27; Sirach 6, 24
Die ersten Lehrer eines Menschen sind die Eltern. Dass sie diese Aufgabe gut machen sollen, mahnt das mosaische Gesetz. Neugierigen Kindern soll man Auskunft geben. Wenn ein Sohn »fragen wird: 'Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott, geboten hat'?«, so soll der Vater die Befreiungsgeschichte Israels erzählen und erklären, warum man Gottes Gebote befolgen soll. Salomo, der vermeintliche Verfasser des Sprüche-Buches, spricht darin oft den Leser als »mein Sohn« an, was wohl eher eine allgemeine Anrede ist und nicht Ausdruck einer Verwandtschaftsbeziehung. »Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Lehre«, heißt es da etwa, und Salomo mahnt: »Lässt du ab, mein Sohn, auf Ermahnung zu hören, so irrst du ab von vernünftiger Lehre.« Dass sich auch die eigenen Kinder bisweilen belehrungsresistent zeigen, klingt ebenfalls an: »Liebes Kind, gehorche meiner Lehre und weise meinen Rat nicht zurück.« ( 5 Mose 6, 20, Sprüche 5, 1, Sirach 6, 24)
Zitat: »Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird…«
Lehrer in den Gemeinden - 1 Korinther 12, 28; 1 Timotheus 2, 7
In den ersten Gemeinden wirken neben Aposteln und Propheten, Evangelisten und Wundertätern auch Lehrer, um den Christen die frohe Botschaft des Evangeliums zu erklären. Die Lehrtätigkeit ist eine besondere Begabung (»Charisma«), die nicht jeder hat. Paulus vereint hingegen viele Begabungen in sich, er bezeichnet sich als Prediger und »Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit«. ( 1 Korinther 12, 28, 1 Timotheus 2, 7)
Zitat: »Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer.«
Falsche Lehrer - Jesaja 9, 14; Apostelgeschichte 20, 30; 1. Timotheus 4, 1; Titus 1, 11; Hebräer 13, 9; 2 Petrus 2, 1
»Falsche Lehrer« verwirren seit jeher die Gläubigen. Perfide ist, dass ihr Titel - zum Beispiel »Prophet« - Seriosität vortäuscht. »Die Propheten, die falsch lehren, sind der Schwanz« des Volkes, meint Jesaja. Realistisch sieht Paulus, dass auch die Urchristenheit nicht vor falschen Lehrern gefeit sein wird: »Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen.« Das könnte ein Zeichen der Endzeit sein, in der »einige von dem Glauben abfallen werden und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen«. Diesen Lehrern soll man »das Maul stopfen«, heißt es im Titusbrief, »weil sie ganze Häuser verwirren und lehren, was nicht sein darf, um schändlichen Gewinns willen«. Den Gäubigen wünscht der Hebräerbrief Widerstandskraft: »Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben.« ( Jesaja 9, 14, Apostelgeschichte 20, 30, 1 Timotheus 4, 1, Titus 1, 11, Hebräer 13, 9, 2 Petrus 2, 1)
Zitat: »Es werden auch unter euch sein falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einführen und verleugnen den Herrn.«
Anforderungen an Lehrer - Sprüche 10, 32; Sirach 34, 9; Markus 7, 7; Römer 2, 20; Titus 2, 3
Was macht einen guten Lehrer aus? Mehrere Kriterien nennt die Bibel. Nur wenn Lehrer gerecht sind - was hier so viel heißt wie gottesfürchtig -, lehren sie »heilsame Dinge«. Die Lehrinhalte sollen nicht in »Menschengeboten« bestehen, sondern sollen etwas mit dem Glauben zu tun haben. Lehrer sollten viel Lebenserfahrung mitbringen - denn »einer mit viel Erfahrung kann Weisheit lehren«. Wichtig ist auch das, was man heute pädagogische Selbstreflexion und Fortbildungsbereitschaft nennt. »Du lehrst nun andere und lehrst dich selber nicht?«, fragt Paulus entrüstet einen Jerusalemer Schriftgelehrten. Lehrer können übrigens beiderlei Geschlechts sein. ( Sprüche 10, 32, Sirach 34, 9, Markus 7, 7, Römer 2, 20, Titus 2, 3)
Zitat: »Die Lippen der Gerechten lehren heilsame Dinge.«
Lob des Lehrers - Daniel 12, 3; Prediger 12, 9
Das muss ja auch mal gesagt werden: Lehrern und Lehrerinnen gebührt Achtung und Ehre! Sie »werden leuchten wie des Himmels Glanz«, verheißt Gott. Der »Prediger«, ein namentlich nicht bekannter weiser Lehrer, wird in höchsten Tönen gelobt als »ein Weiser«, der »auch das Volk gute Lehre« lehrte und »viele Sprüche« erdichtete. ( Daniel 12, 3, Prediger 12, 9)
Zitat: »Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz.«
Am Ende lernfrei - Jeremia 31, 34
Was geschieht am Ende aller Zeiten? Eine unvorstellbare, geradezu paradiesische Einheit von Gott und den Menschen. Das bedeutet auch: Lehrer sind überflüssig.Zitat:»Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß.« ( Jeremia 31, 34) | BIBLE'S DIGEST
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»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
WÄCHTER DER GEBOTE
Die Lehrer der Bibel sind nur begrenzt mit heutigen Lehrern zu vergleichen. Sie lehren nicht in Schulen, sondern meistens einzeln; ihre Lernziele sind Gottesfurcht und Weisheit: »Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.« ( Prediger 3, 12)
Zum Weiterlesen: Philipp Melanchthon: Glaube und Bildung, Stuttgart 2004.
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