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Dieser Artikel: Ausgabe 26/2010 vom 27.06.2010
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Hunde in der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Hunde waren schon in biblischen Zeiten treue Begleiter der Menschen.

Liegender Hund im Schnee, Franz Marc, 1911, Frankfurt a.M. Städelsches Kunstinstitut.
Foto: sob
   Liegender Hund im Schnee, Franz Marc, 1911, Frankfurt a.M. Städelsches Kunstinstitut.

        

Umherstreunende Hunde - Jesaja 13, 22; Psalm 59, 7

Wer die Straßenhunde in südeuropäischen Ländern kennt, kann das Hundeleben im Alten Orient erahnen: Halb verwilderte Hunde lebten frei in den Dörfern oder zogen übers Land. Abzulesen ist das beim Propheten Jesaja, der vorhersagt, dass die Palastruinen Babels einst von wilden Hunden bevölkert sein werden. Der Psalmist vergleicht Übeltäter mit herumstreunenden Hunden: ( Jesaja 13, 22,  Psalm 59, 7)

  Zitat: »Jeden Abend kommen sie wieder, heulen wie die Hunde und laufen in der Stadt umher.« Und: »Wilde Hunde werden in ihren Palästen heulen.«

 

Haushunde bei Tisch - Matthäus 15, 21-28

Aus einem Gleichniswort Jesu lässt sich schließen, dass Hunde in Familien mit im Essensraum lebten. Eine kanaanäische Frau hatte Jesus inständig um Hilfe gebeten. »Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde«, antwortete Jesus unwirsch. Mit den »Kindern« meinte er wohl die Juden, mit den »Hunden« die damals geächteten Kanaanäer. Die Frau gab nicht auf und insistierte: »Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.« Diese Hartnäckigkeit imponierte Jesus, sodass er die Tochter der Frau heilte. ( Matthäus 15, 21-28)

  Zitat: »Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.«

 

Hunde fressen alles - auch Leichen - 2 Mose 22, 30; 1 Könige 16, 4. 21, 9; 22, 38; Lukas 16, 21; 2 Könige 9

Dass streunende Straßenhunde keine Erziehung kennen, ist ihrer Lebenslage geschuldet. Immer auf der Suche nach Essen, nehmen sie, was sich ihnen bietet - ohne Tabus. Dem armen und kranken Lazarus lecken Hunde die Geschwüre, berichtet der Evangelist Lukas. Hunde lecken auch das Blut des im Krieg gefallenen Königs Ahab sowie des gesteinigten Weinbergbesitzers Nabot. Offenbar fraßen Hunde mitunter auch Leichname. Für Menschen ungenießbares Fleisch wurde den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Eine besonders prägnante Geschichte leichenfressender Hunde spielte sich im 9. Jahrhundert v. Chr. ab. Den damaligen Propheten Elia und Elisa war die Frau des Königs Ahab ein Dorn im Auge: Sie hatte fremden Göttern Tempel gebaut und an dem unschuldigen Weinbergbesitzer Nabot einen Justizmord begangen. Deswegen verheißen sie ihr, dass ihr Leichnam nicht begraben, sondern von Hunden gefressen werden wird. Als die ungeliebte Königin einen gewaltsamen Tod stirbt, zertreten Pferde ihren Körper. Bestatter finden lediglich ihren Schädel, Füße und Hände. Wie prophezeit, hatten Hunde den Großteil bereits gefressen. ( 2 Mose 22, 30,  1 Könige 16, 4,  Lukas 16, 21,  2 Könige 9)

  Zitat: »Hunde sollen Isebel fressen, und niemand soll sie begraben.«

 

Ein treuer Begleiter - Tobit 6, 1; 11, 9

Auf seiner Abenteuerreise hatte Tobias einen treuen Begleiter: seinen Hund (dessen Name leider nicht überliefert ist). »Tobias zog dahin, und sein Hündlein lief mit.« Mit ihm erlebte Tobias offensichtlich ein enges Herrchen-Hund-Verhältnis. Als er nach langer Zeit wieder zum Haus seines Vaters zurückkommt, spielte sich eine Szene ab, die das Drehbuch für eine »Lassie«-Folge hätte geben können: Der Hund lief voller Vorfreude und mit dem Schwanz wedelnd voraus und kündigte Tobias' Vater Tobit die Rückkehr des Sohnes an. ( Tobit 6, 1)

  Zitat: »Und der Hund, den sie mitgenommen hatten, lief voraus und kam als Bote, wedelte mit dem Schwanz, sprang hoch und zeigte seine Freude.«

 

Angst vor Hunden - 2 Mose 11, 7; Psalm 22, 17.21

Wild lebende Hunde greifen manchmal auch Menschen an. Das spiegelt sich in Vergleichen, in denen der Psalmist seine Sorgen beschreibt: »Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt.« An anderer Stelle beschreibt der Psalmist seine Angst: »Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden!« Judit verspricht dem babylonischen Feldherrn Holofernes, dass er frei von Angst vor Hunden Jerusalem durchqueren kann. Dass die Israeliten keine Angst vor Hunden haben müssen, verkündigte schon Mose: »Gegen ganz Israel soll nicht ein Hund mucken.« ( 2 Mose 11, 7,  Psalm 22, 17)

  Zitat: »Kein Hund wird dich anbellen.«

 

Schlafende Hunde soll man wecken - Hiob 30, 1; Jesaja 56, 10f

Auch als Herdenhunde wurden Hunde in Israel eingesetzt. Ein Hinweis darauf ist bei Hiob zu finden, der als Großbauer Hunde einsetzte, um seine Schafherden zu schützen. Der Prophet schildert, was Herden- und Wachhunde nur in Maßen tun sollten: schläfrig herumliegen. Im gleichen Atemzug warnt Jesaja aber auch vor gierigen Hunden, »die nie satt werden können«. Damit meint er jene rücksichtslose, profitgierige Menschen, für die heute eher die Heuschrecke als tierisches Bild benutzt wird: »Ein jeder sieht auf seinen Weg, alle sind auf ihren Gewinn aus und sagen: 'Kommt her, ich will Wein holen, wir wollen uns vollsaufen, und es soll morgen sein wie heute und noch viel herrlicher!'« ( Hiob 30, 1,  Jesaja 56, 10f)

  Zitat: »Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne.«

 

Hund als Schimpfwort - 5 Mose 23, 19; 1 Samuel 17, 43; Jeremia 31, 34; Matthäus 7, 6

»Du Hund!« Noch heute hat dieses Schimpfwort wie in biblischen Zeiten Wirkung. »Bin ich denn ein Hund, dass du mit Stecken zu mir kommst?«, fragt der große Philister Goliath den Hirtenknaben David. Heerführer Abner fragt ähnlich den Sohn des Königs Saul: »Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda?« Als »Hunde« bezeichnet die Bibel ebenfalls Menschen, die Unzucht betreiben. »Hurenlohn und Hundegeld« seien dem Herrn ein Gräuel, heißt es im Gesetz des Mose. Auf den minderwertigen Status des Hunds deutet auch Jesus hin. Das Heilige solle ebenso wenig den Hunden gegeben wie Perlen vor die Säue beworfen werden. »Nehmt euch in Acht vor den Hunden«, mahnt auch Apostel Paulus die Philipper. ( 5 Mose 23, 19,  1 Samuel 17, 43,  Jeremia 31, 34,  Matthäus 7, 6)

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

HERR UND HUND

  Der erste archäologische Befund für einen Haushund in Israel stammt aus dem Jahr 14.000 v. Chr. Hunde sind dort seitdem als Heim- und Nutztiere bekannt. Viele streifen aber auch herrenlos und halbwild umher; ihr Äußeres ist braun oder schwarz, mit aufrechten, spitzen Ohren. Es finden sich Exemplare, die Schakalen oder Wölfen ähnlich sind. Diese Hunde bilden eine Gefahr, besonders weil sie die Tollwut übertragen können.

  Zum Weiterlesen: Rainer Hagencord: Gott und die Tiere. Ein Perspektivenwechsel. Regensburg, 2008.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 12:07 Uhr

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