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Dieser Artikel: Ausgabe 25/2010 vom 20.06.2010
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Schulden-Geschichten der Bibel

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Ganz Deutschland ist verschuldet - und verleiht gleichzeitig Massen an Geld. Vielleicht könnten die Kredit-Tipps der Bibel den Verantwortlichen helfen.

Der Geldwechsler und seine Frau, Marinus Claeszoon van Reymerswaele, 1541, Alte Pinakothek München.
Foto: PD
   Der Geldwechsler und seine Frau, Marinus Claeszoon van Reymerswaele, 1541, Alte Pinakothek München.

        

Vorsicht bei Bürgschaften! - Sprüche 22, 26f.

Bei Geld hört die Freundschaft für einige Menschen nicht auf. Gerät ein Freund in Not, stellen sie sich als Bürgen für dessen Kredit zur Verfügung. Ein löbliches, aber riskantes Verhalten. Denn wenn der Freund seinen Kredit nicht bedienen kann, bittet der Geldverleiher den Bürgen zur Kasse. Das konnte schon vor 3000 Jahren fatale Folgen haben. Aus diesem Grund warnte der weise und lebenserfahrene König Salomo davor, Bürgschaften zu übernehmen. ( Sprüche 22, 26f.)

  Zitat: »Sei nicht einer von denen, die mit ihrer Hand haften und für Schulden Bürge werden, denn wenn du nicht bezahlen kannst, so wird man dir dein Bett unter dir wegnehmen.«

 

Erlasse die Schulden! - 5 Mose 15, 2; 1 Makkabäer 15, 8

Eine nette Geste oder pure Taktik? Eher das Zweite: Dass der Seleukidenkönig Antiochos dem jüdischen Makkabäerfürsten Simon die Schulden erlässt, hatte Hintersinn. Er wollte ihn als Verbündeten gegen einen Widersacher gewinnen. Wie hingegen ein selbstloser Schuldenerlass aussehen kann, schildert das Gesetz des Mose. Es fordert die gläubigen Gläubiger auf, alle sieben Jahre den Nächsten die Schulden zu erlassen. Einfach so. ( 5 Mose 15, 2,  1 Makkabäer 15, 8)

  Zitat: »Wenn einer seinem Nächsten etwas geborgt hat, der soll's ihm erlassen.«

 

Nimm von Armen keine Zinsen! - 3 Mose 25, 35-37; 5 Mose 23, 20f.; Sprüche 28, 8; Jesus Sirach 29, 2

Verleihen ist gut: »Leihe deinem Nächsten, wenn er's nötig hat.« Zinsen nehmen im Prinzip auch. Allerdings soll man Arme vor der demütigenden Prozedur des Zinsenzahlens bewahren. Die Bibel begründet das nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern theologisch: »Du sollst dich vor deinem Gott fürchten, dass dein Bruder neben dir leben könne!« Gott habe sein Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt - deswegen solle man sich seinem bedürftigen Nächsten gegenüber auch in befreiender Weise verhalten. Das kann auch so geschehen, dass eingenommene Zinsen hilfsbereiten Mitmenschen gespendet werden: »Wer sein Gut mehrt mit Zinsen und Aufschlag, der sammelt es für den, der sich der Armen erbarmt.« ( 3 Mose 25, 35-37,  5 Mose 23, 20f.,  Sprüche 28, 8,  Jesus Sirach 29, 2)

  Zitat: »Du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen.«

 

Lass deine Kinder Schulden eintreiben! - Tobias 4, 21

Tobit hatte einst bei einem Mann in einer fernen Stadt zehn Talente Silber geliehen. Um das Geld zurückzuholen, schickte er seinen Sohn Tobias mit dem Schuldschein dorthin. Viele märchenhafte Abenteuer erlebt der junge Mann auf dem Weg, er begegnet dem Engel Rafael, mordenden Dämonen, heilenden Fischen - und seiner späteren Ehefrau Sara. Am Ende kann Tobias sogar seinen erblindeten Vater wieder sehend machen. ( Tobias 4, 21)

  Zitat: »Darum überlege dir, wie du zu ihm gelangen, das Geld von ihm bekommen und ihm seinen Schuldschein zurückgeben kannst!«

 

Leg dein Geld gewinnbringend an! - Lukas 19, 11-27

Dies Gleichnis Jesu könnte ein Werbespruch für jeden Anlageberater sein. Vor seiner Abreise händigt ein Fürst jedem seiner zehn Knechte einen Geldbetrag in Höhe von einem Pfund aus mit der Aufforderung, damit zu handeln. Nach seiner Rückkehr ist er neugierig. Der erste Knecht hat das ihm anvertraute Pfund verzehn-, der zweite verfünffacht. Die beiden kassieren dickes Lob vom Fürsten und erhalten machtvolle Positionen in seinem Reich. Der dritte allerdings reicht dem Fürsten sein Originalpfund zurück; aus Angst, etwas falsch machen zu können, hatte er es liebevoll in einem Tuch aufbewahrt. Erbost herrscht der Fürst den Knecht an, warum er das Geld denn nicht zur Bank gegeben hätte. Als Strafe nimmt er dem vorsichtigen Knecht das eine Pfund und gibt es dem erfolgreichsten Geldanleger. Auf die verständnislosen Reaktionen der anderen antwortet der Fürst mit einem merkwürdigen Spruch: »Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.« ( Lukas 19, 11-27)

  Zitat: »Warum hast du mein Geld nicht zur Bank gebracht?«

 

Leihe Mächtigen nichts! - Jesus Sirach 8, 15; Sprüche 22, 7; Apostelgeschichte 17, 16

Wer dem Rat des Jesus Sirach folgt, dürfte eigentlich keine Staatsanleihen kaufen. Denn ein Staat ist selbstverständlich mächtiger als ein einzelner Geldanleger. Auch mit seiner Prognose ist das weise Bibelbuch am Puls der Zeit: »Leihst du ihm aber etwas, so schreib es gleich ab.« Das Risiko ist groß, dass der Mächtige das Geld nicht zurückzahlt, sei es aus Willkür, sei es, weil er pleite ist. Dass es Griechenland so ergehen könnte, wusste der Apostel Paulus allerdings noch nicht, als in Athen »sein Geist ergrimmte«. Und andersherum, sollte man sich von Mächtigen leihen? Tunlichst nicht, meint Salomo - denn »wer borgt, ist des Gläubigers Knecht.« ( Jesus Sirach 8, 15,  Sprüche 22, 7,  Apostelgeschichte 17, 16)

  Zitat: »Leihe keinem etwas, der mächtiger ist als du.«

 

Schließ dich einer Untergrundschar an! - 1 Samuel 22, 2

Die Karrieren mancher Größen der Weltgeschichte haben in zweilichtigen Verhältnissen begonnen. Zum Beispiel die von David. Bevor er zum König Israels gekrönt wurde, lebte er als Bandenführer unter dem Schutz der Philister. In der Höhle Adullam ist die Zentrale seiner Freischärlergruppe. Einige seiner Brüder gesellen sich zu ihm, aber auch fremde Männer, darunter Schuldner, die wohl vor ihren Gläubigern flohen. Vermutlich war das jedoch keine tragende Lösung ihres Schuldenproblems. ( 1 Samuel 22, 2)

  Zitat: »Es sammelten sich bei ihm allerlei Männer, die in Not und Schulden und verbitterten Herzens waren.«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

ARM UND REICH

  Eine Schere zwischen Arm und Reich klaffte auch in vorchristlich-biblischen Zeiten. Deshalb stellte sich die Frage nach der Ethik des Leihens. Wohlhabende sollen den Armen Geld leihen, ohne Zinsen zu nehmen, empfiehlt die Bibel.

  Zum Weiterlesen: Ken Costa: Der liebe Gott und das böse Geld. Wie man Bibel und Business unter einen Hut bringt, München 2009

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 04.02.2012 - 06:34 Uhr

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