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Dieser Artikel: Ausgabe 24/2010 vom 13.06.2010
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Sich auf Jesus verlassen

Die Nationalspieler glauben nicht nur an den 4. WM-Titel für Deutschland

Von Tobias Wilhelm

Ob Miroslav Kloses Kreuzzeichen, Cacaus zum Himmel gereckte Zeigefinger, Jerome Boatengs christliche Tattoos oder Serdar Tascis betende Hände - viele deutsche Nationalspieler bekennen sich zu ihrem Glauben.

Für den deutsch-brasilianischen Stürmer Cacau ist der Glaube ein Herzensanliegen.
Foto: imago sportfotodienst
   Für den deutsch-brasilianischen Stürmer Cacau ist der Glaube ein Herzensanliegen.

        

Verletzungspech, der hohe Erwartungsdruck, eine anspruchsvolle Vorrundengruppe - ein bisschen göttlichen Beistand könnte die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) gut gebrauchen. Da kann es zumindest einmal nichts schaden, dass dem Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw überraschend viele fromme Kicker angehören. Von den 23 Spielern im Kader der deutschen Nationalmannschaft bekennen sich 13 mehr oder weniger offen zum Christentum - dazu kommen mit Mesut Özil, Serdar Tasci und Sami Khedira noch drei praktizierende Muslime. Viele der gläubigen Sportler senden kurz vor den Partien noch ein Stoßgebet zum Himmel, bitten um Gesundheit, Beistand oder ein faires Spiel.

Nur ein Spieler gibt offen und ehrlich zu, dass er auch um den Sieg betet - und darum, als Torwart nicht hinter sich greifen zu müssen: die Nr. 2 im deutschen Tor, Tim Wiese. Der Bremer Keeper, der als Kind beim katholischen Sportverein DJK Dürscheid aktiv war, hat den Glauben seiner Mutter zu verdanken, die ihn bereits früh zum Sonntagsgottesdienst mitnahm. »Ich bete vor jedem Spiel in der Kabine, knie mich hin und sage: Bitte sorg dafür, dass wir siegen und dass ich keine Tore kriege«, verrät der 28-Jährige, der wie viele seiner Mitspieler das Gerede vom »Fußballgott« gar nicht mag: »Einen Gott nur für den Fußball gibt es nicht!«

Auch einige der hartgesottenen Abwehrrecken zeigen religiöse Gefühle. Jerome Boateng, dessen ungestümer Halbbruder Kevin-Prince für Ballacks WM-Aus verantwortlich war, hat die Jungfrau Maria auf dem linken Unterarm tätowiert - und auf dem rechten Oberarm ein Kreuz. »Weil ich Christ bin«, erklärt der 21-Jährige, dessen Vater aus Ghana stammt: »Ich lasse mir nur Tattoos machen, die für mich eine Bedeutung haben.«

Serdar Tasci rezitiert vor jedem Spiel einen Koranvers und betet darum, »dass es gerecht zugeht.«
Foto: imago sportfotodienst
   Serdar Tasci rezitiert vor jedem Spiel einen Koranvers und betet darum, »dass es gerecht zugeht.«

Sein HSV-Kollege Dennis Aogo, der ebenfalls familiäre Wurzeln in Afrika - bei ihm Nigeria - hat, macht ebenfalls aus seiner Überzeugung keinen Hehl: »Der Glaube gibt mir Kraft«, sagt er - und zwar besonders in Phasen, in denen es einmal nicht so gut laufe. Auch Serdar Tasci vertraut auf himmlischen Beistand. Der Moslem rezitiert vor jedem Spiel einen Vers aus dem Koran und betet darum, dass er sich nicht verletzt - »und dass es gerecht zugeht.«

Dann gibt es noch eine »evangelische Dreier-Kette«: Per Mertesacker posaunt zwar seinen Glauben nicht heraus, hat aber unter anderem beim Evangelischen Kirchentag in seiner Heimatstadt Hannover mitgewirkt. Religiös engagiert ist auch Philipp Lahm. Der Münchner Protestant, der gerade kirchlich geheiratet hat, warb vor dem Ökumenischen Kirchentag in München um Quartiere und unterstützt kirchliche Aids-Projekte. Für Arne Friedrich ist der Glaube sogar »der Eckpfeiler meines Lebens« - er zählte zu den Prominenten, die sich in Berlin bei der Initiative »Pro Reli« für eine Besserstellung des Religionsunterrichts einsetzten.

Das Mittelfeld, das für göttliche Eingebungen sicher empfänglich sein dürfte, ist mit gläubigen Kreativen reich bestückt. »Ich weiß, dass da oben einer ist und lenkt. Manchmal spreche ich mit ihm, bitte um Gesundheit für meine Familie oder bedanke mich für vieles im Leben«, sagt etwa Marko Marin. Der in Polen geborene Piotr Trochowski wiederum betet während der Nationalhymne immer das Vaterunser, und Bastian Schweinsteigers Motto lautet: »Man darf den Glauben nicht verlieren« - was er nicht nur, aber auch religiös verstanden wissen will: »Ich glaube schon an Gott und schicke ab und zu ein kleines Gebet nach oben!« Und: »Ich glaube einfach, dass Gott mit im Spiel meines Lebens ist.«

Auch Mesut Özil betet vor jedem Spiel in der Kabine und auf dem Rasen - zu Allah. »Ich bin sehr gläubig«, bekennt der türkischstämmige 21-Jährige, der aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch isst und kaum Alkohol trinkt. Die muslimischen Fastengebote sind auch für den Deutsch-Tunesier Sami Khedira von Bedeutung, auch wenn man sich als Profisportler im Ramadan nicht an alle Regeln halten könne.

Miroslav Klose bekreuzigt sich nach Toren - nach dem Salto, seinem Markenzeichen nach Toren.
Foto: imago sportfotodienst
   Miroslav Klose bekreuzigt sich nach Toren - nach dem Salto, seinem Markenzeichen nach Toren.

        

Bleibt der Sturm. Hier dürfen die Fans hoffen, dass Miroslav Klose möglichst oft Gelegenheit bekommt, sein Torjubel-Ritual vorzuführen: ein Salto mit anschließendem Kreuzzeichen. Der in der Pfalz aufgewachsene Bayern-Star war früher Messdiener, trägt um den Hals ein Kruzifix und sagt, er sei »ein sehr gläubiger Mensch«. Sein Glaube und die polnischen Wurzeln verbinden ihn mit Lukas Podolski, der sogar eine Plakette von Johannes Paul II. aus Krakau besitzt. Der 25-Jährige verliert - gewohnt trocken - über seine religiöse Prägung nur wenige Worte: »Jeder weiß, dass ich Katholik bin.«

Poldis Konfession gehört auch Mario Gomez an. Der frühere Ministrant, dessen Vater aus Spanien stammt, pilgerte mit der Familie häufig zur »Schmerzhaften Muttergottes« auf den »heiligen Berg« Bussen in Oberschwaben - und hält seiner Religion nach wie vor die Treue: »Ich glaube an etwas, das da oben ist, sonst hätte ich es sicher nicht so weit geschafft!«

Und dann ist da noch Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva - besser bekannt als Cacau. Für den katholisch erzogenen Brasilianer aus einfachen Verhältnissen, der 2009 die deutsche Staatsangehörigkeit erhielt, ist der Glaube ein Herzensanliegen. Früher präsentierte er nach Toren unter dem Trikot fromme T-Shirts mit Botschaften wie »Jesus lebt und liebt dich!«. Seit dies von den Schiedsrichtern mit Gelb geahndet wird, macht er seine Überzeugung anderweitig deutlich. Nach jedem Treffer richtet er seinen Blick und beide Zeigefinger gen Himmel, um zu zeigen, »wem da oben ich eigentlich alles zu verdanken habe«.

Offensiv, das ist Cacau (der Spitzname rührt von einem frühkindlichen Sprachfehler) auch jenseits des Rasens. Er tritt als Missionar in Freikirchen auf, wirbt für die Lektüre der Bibel - und will nach seiner Karriere sogar Theologie studieren, um dann auch hauptberuflich Menschen für Gott und den Glauben begeistern zu können. Denn der 29-Jährige weiß, dass der Erfolg im Fußball ein relativer ist: »An einem Tag feiern sie dich als Helden, kurz darauf bist du der Depp. Auf Jesus aber kannst du dich immer verlassen«, lautet Cacaus persönliches Credo.

Ob der als Ziel ausgegebene Titelgewinn angesichts der vielen namhaften Ausfälle wirklich realistisch ist - das wird sich in Südafrika zeigen müssen. Am nötigen Gottvertrauen mangelt es jedenfalls selbst auf der Betreuerbank nicht. Auch der Trainer sowie der Team-Manager stehen zu ihrem christlichen Glauben. Bundestrainer Joachim Löw: »Der Glaube gibt mir die Zuversicht, dass es stärkere Kräfte im Menschen gibt als den Egoismus.« Denn mit Selbstsucht lässt sich kein Blumentopf gewinnen - das gilt für den Mannschaftssport genauso wie für die Zeit nach dem Schlusspfiff. Und falls sich der Traum von der Weltmeisterschaft erfüllt, wird man Oliver Bierhoff zustimmen. Der 42-Jährige sagt, dass ihm sein Glaube bei allen Höhen und Tiefen stets Geborgenheit vermittelt habe. Aber: »In schönen Momenten wird einem noch bewusster, dass jemand da ist.«

 

Marcus C. Leitschuh, Paulus Terwitte, Klaus Vellguth (Hg.): Mit Gott sind wir ein starkes Team, Butzon & Bercker, Kevelaer 2010, 59 Seiten, 9,90 Euro, ISBN: 978-3-7666-1363-9.

  BUCHTIPP: »Gott ist im Spiel des Lebens immer dabei« lautet das Motto eines Jugendgebetbuchs, das der DFB zur WM herausgegeben hat. Es enthält Aussagen und Gebete prominenter Spieler und weitere Texte, die eine Brücke schlagen zwischen Fußball und Glaube. Ein Teil der Erlöses kommt der Robert-Enke-Stiftung zugute. Marcus C. Leitschuh, Paulus Terwitte, Klaus Vellguth (Hg.): Mit Gott sind wir ein starkes Team, Butzon & Bercker, Kevelaer 2010, 59 Seiten, 9,90 Euro, ISBN: 978-3-7666-1363-9.

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abgerufen 20.09.2014 - 03:52 Uhr

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