Die Gaben des Geistes
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
An Pfingsten feiern die Christen auf der ganzen Welt die Ausgießung des Heiligen Geistes. Aber was bewirkt der eigentlich?
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sob
 Vision des Hesekiel. Raffael, 1518. Florenz, Palazzo Pitti.
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Der Geist begabt Handwerker - 2. Mose 35, 30-35
Warum können Kunsthandwerker schleifen, schneidern und schnitzen? Weil der Heilige Geist in ihnen diese Talente hervorgerufen hat. Der Erste, der diese Theorie aufgestellt hat, ist Mose. Als es während der Wüstenwanderung um die Anfertigung eines tempelartigen Zeltes in der Wüste ging, beauftragte er die Kunsthandwerker Bezalel und Oholiab mit der Anfertigung der Innenausstattung. Dass die beiden kunstvoll »in Gold, Silber und Kupfer« arbeiten, Edelsteine setzen und Holz schnitzen können, sei ein Werk des Heiligen Geistes. Der bewirke auch, dass die beiden Handwerker andere in ihren Fähigkeiten unterweisen. Weshalb sich auch heutige Handwerksmeister als Ausbilder im Namen des Herrn sehen dürfen. ( 2. Mose 35, 30-35)
Zitat: »Der Herr hat ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, dass er weise, verständig und geschickt sei zu jedem Werk.«
Der Geist befähigt, gottgefällig zu leben - Hesekiel 36, 26f.
Gottgefällig zu leben, ist nicht aus eigener Kraft möglich. Unter anderem hindert ein »steinernes Herz« die Menschen daran. Durch den Propheten Hesekiel lässt Gott die Menschen seine Verheißung wissen: Er werde das steinerne durch ein »fleischernes« - also ein gefühlvolles und liebendes - Herz ersetzen. Außerdem werde Gott den Menschen seinen Geist geben, damit sie nicht nur von Gottes Geboten reden, sondern sie auch befolgen. ( Hesekiel 36, 26f.)
Zitat: »Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.«
Der Geist lässt Alte träumen - Joel 3, 1-5; Apostelgeschichte 2, 14ff
Auch der Prophet Joel macht den Menschen Hoffnung auf eine gute Zukunft. »Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost«, ruft er dem von Feinden bedrohten Israel zu. Zunächst werde Gott für ausreichend Essen und Trinken sorgen; wenn das leibliche Wohl sichergestellt ist, werde er seinen Geist ausgießen. Einige der Folgen: Die Menschen werden »weissagen« und Senioren werden Träume haben. Sodann werde es auch »Wunderzeichen geben am Himmel auf Erden: Blut, Feuer und Rauchdampf«. Jesu Jünger Petrus zitiert diese Stelle Joels am Pfingsttag in seiner Predigt in Jerusalem. Damit will er seinen jüdischen Glaubensgeschwistern beweisen: Die Christen sind nicht »trunken«, sondern von eben jenem Heiligen Geist ergriffen, von dem in den Heiligen Schriften die Rede ist. ( Joel 3, 1-5, Apostelgeschichte 2, 14ff)
Zitat: »Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.«
Hesekiels Geistreisen - Hesekiel 3, 14; 8, 3; 11, 1
Hesekiel (auch »Ezechiel« geschrieben) ist der visionärste der Propheten. Er berichtet von mehreren Reisen durch Raum und Zeit, auf die ihn der Geist Gottes schickt. Mal führt er ihn nach Jerusalem, wo ihm Gott den Unglauben der Menschen zeigt; mal lässt der Geist den Propheten bis nach Babylonien schweben, wo er sieben Tage lang »ganz verstört« bei den exilierten Israeliten lebt. Offensichtlich ist Hesekiel nicht immer mit diesen von ganz oben angeordneten Geistreisen einverstanden: »Ich fuhr dahin im bitteren Grimm meines Geistes, und die Hand des Herrn lag schwer auf mir.« ( Hesekiel 3, 14, Hesekiel 8, 3, Hesekiel 11, 1)
Zitat: »Da führte mich der Geist fort zwischen Himmel und Erde.«
Der Geist macht lebendig - Johannes 6, 63; 2. Korinther 3, 6
Ein Voraus-Trost gibt Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg: Einigermaßen mysteriös hatte er davon gesprochen, dass sie sein Fleisch essen und sein Blut trinken sollen. Darüber »murren« die Jünger, woraufhin Jesus ihnen erklärt, dass es nicht auf das Fleisch ankomme, sondern auf den Geist. Auch das ist ein Hinweis auf die nachösterliche Zeit, wenn Jesu irdisches Dasein beendet, stattdessen aber der Geist Gottes bei ihnen ist. Auf eine andere Situation übertragen, findet sich die Gegenüberstellung von Vergänglichem und dem Geist beim Apostel Paulus. Er schreibt, dass der Buchstabe töte, der Geist hingegen lebendig mache. ( Johannes 6, 63, 2. Korinther 3, 6)
Zitat: »Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.«
Charismen in der Gemeinde - 1. Korinther 12, 4-11
»Geistesgabe« heißt auf Griechisch »Charisma«. Für den Apostel Paulus stellten die Charismen eine wichtige Grundlage für christliches Gemeindeleben dar. Wichtig ist ihm, dass jede Geistesgabe ihre eigene Berechtigung hat und dass alle zusammen ein lebendiges Miteinander garantieren. Dies schreibt Paulus besonders jenen ins Stammbuch, die - zum Beispiel in Korinth - sich einer besonderen Gabe rühmen und damit für Unfrieden in der Gemeinde sorgen. Neben anderen nennt Paulus als Charismen: Weisheitsrede, Erkenntnis, Glaube, Heilungsdienst, Wundertätigkeit, prophetische Rede, Unterscheidung und Zungenrede. ( 1. Korinther 12, 4-11)
Zitat: »Es sind verschiedene Gaben; aber ein Geist.«
Maßstäbe: Ordnung, gemeindedienlich - 1. Korinther 14, 40, 1. Petrus 4, 10
Geistesgaben können auch missbraucht werden für den eigenen Stolz oder die eigene Eitelkeit. Paulus und Petrus mahnen, jeder Christ möge seine von Gott geschenkten Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde stellen. Sie sollen der Erbauung dienen, nicht Streit und Neidereien provozieren. Deswegen sei es nötig, dass sich die Geistbegabten - also alle Christen - der Gemeindedisziplin unterstellen, in der »alles ehrbar und ordentlich« zugeht. ( 1. Korinther 14, 40, 1. Petrus 4, 10)
Zitat: »Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.«
| BIBLE'S DIGEST
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»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
GEISTESGABEN
Auch in vorchristlichen Zeiten ergriff der Geist Gottes die Menschen. Gleichzeitig wurde die Ausgießung des Heiligen Geistes für die Zukunft vorhergesagt. Für Christen fand diese Pfingsten statt. »Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen«, hatte der Auferstandene seinen Jüngern in Aussicht gestellt, bevor er in den Himmel aufgefahren war. Diese Kraft des Geistes zeigt sich nach Pfingsten auf unterschiedliche Weise.
Zum Weiterlesen: Wunibald Müller: Atme in mir. Die Wirklichkeit des Heiligen Geistes, Münsterschwarzach 2008
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