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Dieser Artikel: Ausgabe 20/2010 vom 16.05.2010
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Am Tisch mit Jesus

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Jesus musste den geistlichen Autoritäten seiner Zeit erklären, warum er mit wem zu Tisch saß: mit Zöllnern, Aussätzigen und Verrätern, mit ungläubigen Jüngern und küssenden Sünderinnen.

Christus in Emmaus, Caravaggio um 1600, London, National Gallery.
Foto: sob
   Christus in Emmaus, Caravaggio um 1600, London, National Gallery.

        

Mit Zöllnern und Sündern - Matthäus 9, 10-13

Die rechtgläubigen Pharisäer trauten ihren Augen kaum: Da teilten Jesus und seine Jünger doch tatsächlich mit Zöllnern und Sündern den Tisch - mit jenen also, über die ein rechtschaffener Gläubiger nur die Nase rümpft und mit denen man am liebsten nichts zu tun haben will. »Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken!«, erklärt Jesus die ungewöhnliche Tischgemeinschaft. Er sei »gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten«. ( Matthäus 9, 10-13)

  Zitat: »Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?«

 

Tränen und Küsse am Essenstisch - Lukas 7, 36-50; Markus 14, 3-9

Eigentlich hatte der pharisäische Jude Simon den Wanderprediger Jesus eingeladen, um mit ihm in Ruhe zu essen und wohl auch theologische Fragen zu erläutern. Das Essen wird zu einer ganz besonderen Lektion. Denn plötzlich kommt eine Frau in den Raum, in der Hand eine Flasche Salböl. Sie setzt sich zu den Füßen Jesu, weint und wischt ihre Tränen mit ihren Haaren von seinen Füßen ab. Dann küsst sie die Füße und salbt sie mit Öl. Der Gastgeber ist entsetzt und fragt Jesus, ob er denn wisse, dass diese Frau eine Sünderin sei. Mit einem Gleichnis erklärt Jesus, dass die Vergebung umso größer ist, je größer die Sünde war. »Du hast mir keinen Kuss gegeben, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, du hast mein Haupt nicht gesalbt«, führt er Simon vor Augen - und spricht die Frau von ihren Sünden frei. Eine ähnliche Geschichte mit anderer Pointe überliefert der Evangelist Markus. Jesus ist zu Gast bei einem Aussätzigen. Eine Frau kommt dazu und salbt Jesu Kopf mit kostbarem Öl. Die Jünger sind außer sich und beklagen streng die Vergeudung des kostbaren Öls. »Lasst sie in Frieden«, nimmt Jesus die Frau in Schutz, »sie hat ein gutes Werk getan. Sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.« ( Lukas 7, 36-50,  Markus 14, 3-9)

  Zitat: »Da sprachen die, die mit zu Tisch saßen: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt?«

 

Der ungewaschene Jesus - Lukas 11, 37-54

Abermals lädt ein Pharisäer Jesus zu Tisch ein - und abermals wird das geplante Essen überlagert von einem anderen Thema. Diesmal wunderte sich der Gastgeber darüber, dass Jesus seine Hände nicht - wie schon damals üblich - vor dem Essen gewaschen hatte. Diese Bemerkung versetzt Jesus in Aufruhr, und er setzt an zu einer langen Schimpfkanonade gegen die Rechtgläubigen seiner Zeit: »Ihr Pharisäer, ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein; aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit.« Als Jesus danach den Tisch verlässt, entsteht Tumult: Die Schriftgelehrten und Pharisäer drängen »heftig auf ihn ein und belauerten ihn«. ( Lukas 11, 37-54)

  Zitat: »Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich, dass er sich nicht vor dem Essen gewaschen hatte.«

 

Das letzte Abendmahl - Markus 14, 12-25

In diesem Moment werden die Jünger schwer geschluckt haben: Bei einem Festmahl erklärt Jesus ihnen, dass ein Verräter am Tisch sitzt. Jeder der Zwölf fragt: »Bin ich's?« Statt zu antworten, bricht Jesus das Brot, spricht ein Dankgebet und reicht es den Jüngern mit dem Spruch: »Nehmet, das ist mein Leib.« Danach nimmt er den Kelch und trinkt gemeinsam mit ihnen daraus. ( Markus 14, 12-25)

  Zitat: »Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.«

 

Standpauke bei Tisch - Markus 16, 14-19

Es gehört zu den hartnäckigen Klischees, dass die Jünger Jesu vorbildhaft und glaubensfest gewesen seien. Zumindest in den Tagen nach der Auferstehung Jesu war das Gegenteil der Fall. Da verharrte die Jüngerschar lieber im Jammern, als zu erkennen: Jesus lebt! Denn weder Maria Magdalena noch den beiden Emmaus-Wanderern glaubten die Jünger, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Als sie bei Tische saßen, erschien Jesus seinen Nachfolgern selbst und beklagte schimpfend ihren Unglauben. Ob ihnen das Essen danach noch geschmeckt hat, ist nicht überliefert. ( Markus 16, 14-19)

  Zitat: »Als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte.«

 

Am Tisch sind die Letzten die Ersten - Lukas 13, 22-30

Jesus verheißt den Gläubigen nach dem Jüngsten Gericht eine große und internationale Tischgemeinschaft. Gäste sind die vermeintlich »Letzten« - während unter den in der Welt sich zu den »Ersten« Zählenden »Heulen und Zähneklappern« herrschen wird. Denn ihnen könnte die Tür zum Himmelreich trotz heftigen Klopfens verschlossen bleiben. ( Lukas 13, 22-30)

  Zitat: »Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.«

 

Jesus als Tisch-Diener - Lukas 22, 24-30

Mehrmals streiten die Jünger miteinander, wer denn der Größte unter ihnen sei. Jesus werden solche Streitigkeiten amüsiert haben. Stets lehnt er es ab, eine Rangfolge unter den Jüngern zu installieren. Seine Antworten stellen die Jünger manches Mal vor ein Rätsel. Einmal sagt er: »Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.« Fest steht nur: Jesus betrachtet sich selbst als Diener. Den Jüngern verheißt er, »dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich.« ( Lukas 22, 24-30)

  Zitat: »Wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient?«

 

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Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

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Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

ESSEN ZUR ZEIT JESU

  Zur Zeit Jesu aß man liegend oder auf Matten sitzend an einem Tisch. Tagsüber gab es Brot und Wasser, dazu Obst. Abends wurde oft warm gegessen: Nach einem Gebet wurde Fladenbrot gereicht, Saucen und Beigaben waren in Schüsseln angerichtet. Der Tisch hat eine große soziale Bedeutung: Er verbindet die Mahlgenossen zu einer innigen Gemeinschaft, die nicht verletzt werden darf. Mit einem abschließenden Gebet wird nochmals Gott gedankt: »Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde« ( Psalm 23, 5).

  Zum Weiterlesen: Adolf Holl: Jesus in schlechter Gesellschaft, Stuttgart 2002

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 08.02.2012 - 11:32 Uhr

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