Zweifel in der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Wer ohne Zweifel glaubt, ist in der Minderheit. Denn schon seit biblischen Zeiten begleitet der Zweifel den Glauben sogar der treuesten Jünger - wie ein Bruder.
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sob
 Jesus stützt Petrus (siehe unten: »Der zweifelnde Petrus versinkt«), Luis Borrassá, 1411.
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Zweifellos Berge versetzen - Matthäus 21, 18-21
In seinen letzten Tagen in Jerusalem ist Jesus offensichtlich nervlich angespannt. Seine Jünger verstehen einfach nicht, welchen Leidensweg er vor sich hat. Auch ihr Kleinglaube nervt ihn zusehends. Als die Gruppe an einem Feigenbaum vorbeikommt, geht es mit Jesus durch. »Aus dir wachse niemals mehr Frucht!«, herrscht er den Baum an, der sogleich anordnungsgemäß verdorrt. Irritiert fragen die Jünger ihren Meister, was das zu bedeuten habe. Seine Antwort: ( Matthäus 21, 18-21)
Zitat: »Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein Taten wie die mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Heb dich und wirf dich ins Meer!, so wird's geschehen.«
In Anfechtung bestehen - Jakobus 1, 2-8
Um Geduld wirbt der Verfasser des Jakobusbriefes. Auch »in mancherlei Anfechtungen« sollen die Christen glaubensgewiss zu Gott beten; er werde Geduld schenken. Aber nur jenen, die ohne Zweifel an ihn glauben. »Ein Zweifler ist unbeständig auf all seinen Wegen«, argumentiert Jakobus weiter, und habe von Gott nichts zu erwarten. ( Jakobus 1, 2-8)
Zitat: »Wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.«
Alles ohne Zweifel tun! - Philipper 2, 14
Paulus verlangt viel von der Gemeinde in Philippi. Die dortigen Christen sollen »alles« - ja: alles! - ohne Murren und Zweifel tun. Offensichtlich hatten sich Mutlosigkeit und ein gewisser Glaubens-Schlendrian in die Gemeinde eingeschlichen. »Hunde« und »böswillige Arbeiter« hatten die Christen in Philippi verunsichert, unter anderem mit der Forderung nach Beschneidung. Damit sie nicht vom Pfad des rechten Glaubens abkommen, fordert Paulus zweifelsfreien Gehorsam - nicht um seine Autorität zu wahren, sondern als Rezept gegen umherziehende falsche Propheten. ( Philipper 2, 14)
Zitat: »Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel:«
Abraham zweifelte nicht - Römer 4, 20
Dass Abraham Juden, Christen und Muslimen als Glaubensvorbild dient, ist in seinem festen Glauben begründet. »Er hat geglaubt auf Hoffnung, wo nichts zu hoffen war«, beschreibt Paulus ihn. Ohne zu zweifeln glaubte er an die Verheißung Gottes und ging in ein fernes Land. Ebenfalls ohne zu zweifeln zeugte er - »fast hundertjährig« - mit seiner bis dahin unfruchtbaren und ebenfalls alten Frau Sara einen Sohn. ( Römer 4, 20)
Zitat: »Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre.«
Thomas, der Zweifler - Johannes 20, 24-28
Jesus urteilt nicht über Zweifler. Er hilft ihnen vielmehr, die Zweifel zu besiegen. Thomas, ein Nachfolger aus seinem engsten Jüngerkreis, ist Paradebeispiel; er wird zum sprichwörtlichen Zweifler der Bibel. Denn als die Jünger ihm nach Ostern erzählen, sie hätten den auferstandenen Jesus gesehen, glaubt er es ihnen nicht. Handfeste Beweise möchte er geboten bekommen, möchte die Kreuzeswunden an Jesu Körper sehen und fühlen. Nach acht Tagen bietet ihm Jesus diese Möglichkeit. Daraufhin legt Thomas alle Zweifel ab und bekennt: »Mein Herr und mein Gott!« ( Johannes 20, 24-28)
Zitat: »Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.«
Der zweifelnde Petrus versinkt - Matthäus 14, 22-33
Ach, der Petrus: So bemüht ist er, alles richtig zu machen - und doch tappt er immer wieder in Situationen, in denen sein Kleinglaube deutlich und beschämend zu Tage tritt. Zum Beispiel eines Tages am See Genezareth. Vom Boot aus sehen die Jünger Jesus auf dem Wasser wandeln. Sie denken, das kann nur ein Gespenst sein und hören seine Beschwichtigung: »Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!« So weit, so tröstlich. Aber nein, Petrus will mehr: Auch er will auf dem Wasser gehen. Erst funktioniert's, dann aber erschrickt Petrus und droht in den Wellen zu versinken. Jesus hilft und tadelt ihn (ob genervt oder geduldig, ist leider nicht überliefert): ( Matthäus 14, 22-33)
Zitat: »Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?«
Erbarmen mit den Zweifelnden - Judasbrief 22
Zweifeln ist kein Grund, jemanden aus der Gemeinschaft der Glaubenden auszuschließen. Vielmehr sollten Christen barmherzig mit Zweiflern umgehen. Im Gegensatz zu den Gotteslästerern und den »Gottlosen«, die die Gnade »für ihre Ausschweifung« missbrauchen, seien sie »Schandflecke, deren Los ist die dunkelste Finsternis der Ewigkeit« . Ein kurzes, prägnantes Plädoyer für Milde gegenüber den Zweiflern dieser Welt also, versteckt in einem der kürzesten Bücher der Bibel. ( Judasbrief 22)
Zitat: »Erbarmt euch derer, die zweifeln!«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
ZWEIFEL UND GLAUBE
Alles kann auch ganz anders sein: Diese Einsicht des grundlegenden Zweifelns ist dem biblischen Denken fremd. Wenn die Bibel Zweifel sagt, meint sie eher mangelnden Glauben und kein philosophisches Erkenntnisprinzip. Deutlich wird das unter anderem in einer Aussage des Hebräerbriefes (11,1): »Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.«
Zum Weiterlesen: Peter L. Berger / Anton Zijderveld: Lob des Zweifels. Was ein überzeugender Glaube braucht, Kreuz Verlag Freiburg/Breisgau 2010
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