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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2010 vom 07.03.2010
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Hinabgestiegen in das Reich des Todes?

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Ein 30-Jähriger ärgert sich in jedem Gottesdienst über das Glaubensbekenntnis: »Einfach deswegen, weil es unverständlich ist - in Vergangenheitssprache, formelhaft und abgehoben.«

Jedes Mal, wenn ich einen Gottesdienst besuche, ärgere ich mich über unser Glaubensbekenntnis. Einfach deswegen, weil ich es nicht verstehe. Ich kann doch so schöne Aussagen über Jesus von Nazareth machen, warum diese Vergangenheitssprache, formelhaft, abgehoben, unverständlich?

Ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, der so empfindet. Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umhöre - wir sind alle so um die dreißig - dann heißt es reihenweise: »Ich verstehe auch nur Bahnhof.« Oder noch schlimmer: »Was regst du dich auf, ist doch völlig, wirklich völlig unwichtig!«

Ich möchte also gern wissen, warum man das ganze Ding - apostolisch oder nicht - nicht einfach sausen lässt. Es ist doch schlicht und ergreifend nicht mehr zu vermitteln. Zusatzfrage: Von all den Unverständlichkeiten ist für mich am unverständlichsten die Aussage: »Hinabgestiegen in das Reich des Todes.« Was soll nun das wieder heißen?

Frau G.

 

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich dem »Ding« zu nähern. Eine schildern Sie, temperamentvoll und mit guten Gründen. Man kann sich darüber ärgern, sich daran reiben und das Ganze irgendwann einfach abschreiben. So wie es Ihre Bekannten getan haben.

Die andere Möglichkeit: Ich spreche diese Vergangenheitssprache nach. Ich tue es einfach aus Respekt gegenüber den Müttern und Vätern unseres Glaubens, die sich in vielen Jahrhunderten um diesen Text gemüht haben. Ich tue es auch in Verbundenheit mit den vielen Menschen in aller Welt, die am Sonntag Gottesdienst feiern und sich nicht zuletzt um dieses Bekenntnis herum versammeln.

Zwischen diesen beiden Möglichkeiten gibt es noch den Versuch des Verstehens. Sie tun es an zwei Stellen. Zunächst: Warum spricht das Glaubensbekenntnis in dieser Form von Jesus?

Antwort: Weil es für die Kirche des 2. bis 4. Jahrhunderts wichtig war, sich gegen die jüdische Tradition abzusetzen. Deswegen fand der Rabbi Jesus darin keinen Platz. Dafür umso mehr der himmlische Christus mit seiner übernatürlichen Herkunft, seinem Tod und seiner Rückkehr zu Gott.

Zweitens: Was heißt »Hinabgestiegen in das Reich des Todes«? Neben einer etwas rätselhaften Stelle aus dem  1. Petrusbrief 3, 19: »Er ist gegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt...« liegt hier eine Vorstellung aus dem alten Ägypten zu Grunde: Im Moment des Todes begebe sich die Gottheit in die Unterwelt, um dort die Seelen der Verstorbenen zu sich zu rufen.

Es ist also ein mythisches Bild, das deutlich machen will, was Jesus getan hat. Bis in die Tiefen des Leidens und Sterbens hat er Hoffnung und Leben gebracht. Jochen Klepper drückt das in einem Adventslied in unserer Sprache aus: »Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein, der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein« (Gesangbuch Nr. 16).

Dies ist nun genau das, was uns heute in jedem Fall bleibt - wie auch immer ich zum Apostolischen Glaubensbekenntnis stehen mag: Wir müssen den Glauben mit unseren Worten und mit unseren Bildern ausdrücken.

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 03.09.2010 - 03:30 Uhr

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