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Dieser Artikel: Ausgabe 10/2010 vom 07.03.2010
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ZEITZEICHEN


Es geht halt heute alles, jede auch noch so gewöhnliche Beleidigung, medial oder aber per Presseerklärung raus. Oder wie der Lateiner zu sagen pflegt: O tempora mutantur, et homines politici in eis. Früher! Herbert Wehner verpackte seine Rüpeleien noch geistvoll, vor allem aber brachte er sie, ganz Demokrat, im Parlament vor, weswegen er auch in 33 Jahren 57 protokollarisch vermerkte Ordnungsrufe kassierte, unter anderem deshalb, weil er seine Gegner als »Übelkrähe« oder »Sie redender Pfefferkuchenmann« titulierte. Derartiges war übrigens in der Regel Teil einer munteren, sachbezogenen Diskussion.

Wie gesagt: Die Zeiten und mit ihnen die politischen Gepflogenheiten haben sich geändert. Gerhard Schröder nutzte statt des Parlaments lieber - es war gerade der Wahlabend 2005 - die öffentlich-rechtliche Elefantenrunde zu einer starken, indessen - aus heutigem Blickwinkel - voll daneben liegenden Rüpelei: »Sie können es nicht, Frau Merkel«, sagte er zu der Frau, die ihn nun schon seit fünf Jahren in der Position beerbt, die er ihr nicht zutraute.

Auch CSU und FDP können es nicht - jedenfalls nicht miteinander. Und das hört sich so an: Zunächst fordert Angela Merkel die Mit-Koalitionäre auf, unnötige Diskussionen einzustellen. Daraufhin fordert FDP-Generalsekretär Christian Lindner CSU-Chef Horst Seehofer und Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) auf, »die öffentliche Störung einer konstruktiven Lösungssuche in der Koalition einzustellen«. Dagegen wiederum verlautbart CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, die FDP müsse »ihre ungeheuerlichen Rüpeleien sofort einstellen«.

Was hätte Herbert Wehner dazu gesagt? »Diskussion will gelernt sein« (1968). Übrigens geht es bei dem CSU-FDP-Schlagabtausch um die Gesundheitspolitik. Da würde sich eine gute Diskussion durchaus lohnen.

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abgerufen 03.09.2010 - 03:29 Uhr

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