Mode in der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Dolce und Gabbana, Lagerfeld, Joop und Gucci könnten der Bibel dankbar sein. Schließlich gibt sie wichtige und zeitlose Hinweise zum Thema Mode.
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sob
 Edgar Degas: »Germaine Hilaire: Vor dem Spiegel«, 1889 Kunsthalle Hamburg.
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War Gott auch Modeschöpfer? - 1. Mose 3, 7.21
Am Anfang war nicht nur die Erde unbedeckt, sondern auch der menschliche Körper. Adam und Eva lebten unbeschwert und im wahrsten Sinn des Wortes unverschämt im Paradies. Bis ihnen nach dem sogenannten Sündenfall »die Augen aufgetan« und sie »gewahr wurden, dass sie nackt waren«. Was tun? Die Bibel gibt widersprüchliche Antworten. War es so: Die beiden »flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze«? Oder war Gott der erste Modeschöpfer der Menschheitsgeschichte? ( 1. Mose 3, 7.21)
Zitat: »Und Gott der Herr machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an.«
Am Ende entschmückte Frauen - Jesaja 3, 18-24
Wenn die Propheten den aus ihrer Sicht ungehorsamen Menschen das Unheil vor Augen führten, malten sie sich die schlimmsten Strafen aus. Der Prophet Jesaja war Meister darin. Eine seiner Unheilsvisionen: Am Ende aller Tage wird Gott die Frauen entschmücken. Schade eigentlich. ( Jesaja 3, 18-24)
Zitat: »Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den kostbaren Schuhen wegnehmen und die Stirnbänder, die Spangen, die Ohrringe, die Armspangen, die Schleier, die Hauben, die Schrittkettchen, die Gürtel, die Riechfläschchen, die Amulette, die Fingerringe, die Nasenringe, die Feierkleider, die Mäntel, die Tücher, die Täschchen, die Spiegel, die Hemden, die Kopftücher, die Überwürfe. Und es wird Gestank statt Wohlgeruch sein und ein Strick statt eines Gürtels und eine Glatze statt lockigen Haars und statt des Prachtgewandes ein Sack, Brandmal statt Schönheit.«
Die Mode-Moral des Mose - 5. Mose 22, 5
Entsprechen Schottenröcke der biblischen Mode-Moral? Nimmt man das mosaische Gesetz ernst, muss man eindeutig verneinen. Denn demnach dürfen Männer nur Männermode tragen, so wie Frauen nur Frauenkleider. Dass Frauen Hosen anhaben, könnte bei einer fundamentalistischen Bibelauslegung ebenfalls problematisch sein. ( 5. Mose 22, 5)
Zitat: »Eine Frau soll nicht Männersachen tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, der ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.«
Im Sack gehen - Psalm 69, 12
Trauernde tragen heutzutage Schwarz. Früher zogen sie sich einfache Überwürfe aus Sackleinen über. »In Sack und Asche« gingen die Trauernden und zeigten damit, dass sie den Tod eines Angehörigen beweinen mussten. Die Kleidung flößte allerdings nicht allen Menschen Respekt ein, klagte der Psalmist. ( Psalm 69, 12)
Zitat: »Ich habe einen Sack angezogen, aber sie treiben ihren Spott mit mir.«
Mode ist vergänglich - Hebräer 1, 11
Um die Ewigkeit Gottes verständlich in Kontrast zur Vergänglichkeit aller erschaffenen Dinge zu setzen, benutzt der Verfasser des Hebräerbriefes auch die Kleidung. Sogar Himmel und Erde werden vergehen, ist da zu lesen, und zwar so »wie ein Gewand«. Gott werde sie »zusammenrollen wie einen Mantel« und »wechseln wie ein Gewand.« ( Hebräer 1, 11)
Zitat: »Sie werden alle veralten wie ein Gewand.«
»Schickliche« Kleidung für Frauen - 1. Timotheus 2, 9
Nein, es ist kein Klischee, dass viele gläubige Frauen mit ihren Reizen geizen. Sie richten sich nach den Wünschen aus dem Ersten Timotheusbrief. Was dessen Verfasser unter »schicklich« versteht, erklärt er auch: Frauenkleidung soll »Anstand und Zucht« signalisieren. Dass sich Judit, eine Frau aus dem Alten Testament, einst äußerst aufreizend kleidete und damit wider Erwarten sogar Gottes Lob erntete, hat einen besonderen Grund: Sie sollte den gegnerischen Feldherrn Holofernes betören und schmachmatt setzen. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklärt die Bibel: Judit »schmückte sich nicht aus böser Lust, sondern aus Gottesfurcht«. ( 1. Timotheus 2, 9)
Zitat: »… dass die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Zucht, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand.«
Jesus Christus anziehen - Römer 13, 14
»Christus anziehen«? Ein sehr befremdliches Bild. Paulus benutzt es zweimal: Mit der Taufe haben die Gläubigen Christus angezogen, schreibt er an die Galater; die Römer fordert er auf, »den Herrn Jesus Christus« anzuziehen. Vielleicht kommt ein nicht biblisches Sprichwort dem Sachverhalt nahe, den Paulus meint: »Kleider machen Leute«. Wer weiß, dass er den Glauben über seinen Körper gestreift hat, der wird die Welt anders sehen als vorher. Nämlich mit den Augen Gottes. ( Römer 13, 14)
Zitat: »Zieht an den Herrn Jesus Christus!«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
KLEIDUNG
Welche Kleidung haben die Menschen in biblischen Zeiten getragen? Die wichtigsten Kleidungsstücke waren Schurz, Hemdkleid, Wickelgewand und Mantel. Sie trugen aber auch Accessoires wie Gürtel und Quasten, Kopfbedeckung, Schleier und Schuhwerk. Meist stand Zweckmäßigkeit im Vordergrund, bei Wohlhabenden war die Kleidung aber auch Statussymbol.
Zum Weiterlesen: Lebensalltag in biblischer Zeit, Stuttgart / Wien / Zürich, 1995
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