ZEITZEICHEN
Es könnt´ ein Komödiant wohl einen Pfaffen lehren! So steht´s bekanntlich geschrieben bei Johann Wolfgang v. Goethe. Weniger bekannt ist, dass auch ein Pharmazeut dazu in der Lage ist. »Es gibt Berufsgruppen«, so steht´s zu lesen auf dem Beipackzettel einer gut eingeführten Halspastille, »die es sich nicht leisten können, ihre Stimme zu verlieren, deren Kapital sozusagen ihr Sprechorgan ist. Dazu gehören insbesondere Pastoren, Lehrer, Erzieher, Schauspieler, Rundfunk- und Fernsehsprecher und Stimmakrobaten wie Marktschreier.«
Es sei hier nicht verhohlen, dass es erfreut, die ehrenwerte Zunft der Prediger in die Nähe von Stimmakrobaten gerückt zu sehen. Zugleich schmerzt es, sie im selben Atemzug mit Marktschreiern erwähnt zu wissen. Auch bei weiterer Befragung von Arzt und Apotheker stößt uns manche Bemerkung bitter auf.
»Sprechen will gelernt sein. Wie Vielredner ihre Stimme schützen sollten, damit sie nicht sprachlos werden: Die Schleimhaut muss immer feucht sein, deshalb empfiehlt es sich, viel zu trinken. Man sollte sich beim Sprechen nicht überanstrengen und wenn, der Stimme zuliebe, unbedingt eine Sprechpause einlegen. Bei einem Erkältungsinfekt möglichst Stimmruhe einhalten. Auch Flüstern entlastet nicht die angegriffene Stimme.«
Während wir die eine oder andere Empfehlung gern an Aus- und Fortbildungsstätten der Kirche weiterreichen würden, so wollten wir doch zugleich auch darauf dringen, die oben genannte Vokabel »Vielredner«, die längst einen etwas abschätzigen Beiklang bekommen hat, durch eine freundlichere zu ersetzen. Der Empfehlung, ab und zu »eine Sprechpause einzulegen«, können wir jedoch, nicht nur »der Stimme zuliebe«, wiederum vollinhaltlich beipflichten. |
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