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Dieser Artikel: Ausgabe 06/2010 vom 07.02.2010
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Augen für die Kinder von Haiti

Die aus Haiti stammenden François Fontamarra-Schönig und Carline Probst leben in Wilhelmsdorf


Sie warnen vor dem Kinderhandel nach dem Erdbeben: Carline Probst und François Fontamarra-Schönig sind beide im gleichen Waisenhaus in Haiti aufgewachsen.
Foto: Gras
   Sie warnen vor dem Kinderhandel nach dem Erdbeben: Carline Probst und François Fontamarra-Schönig sind beide im gleichen Waisenhaus in Haiti aufgewachsen.

        

Das Foto zeigt zwei Deutsche aus Haiti: Carline Probst und François Fontamarra-Schönig, sie wohnen in Wilhelmsdorf im Dekanat Neustadt a. d. Aisch. Sie planten einen Abend im evangelischen Gemeindehaus, bei dem es um die Schönheit ihres Geburtslandes Haiti gehen sollte. Bei diesem Abend im Januar ist das Bild entstanden - nur dass er ganz anders ablief als geplant und dass die hundert Zuhörer im Gemeindehaus spontan 1025 Euro spendeten.

Plötzlich standen die zwei Deutschen haitianischer Herkunft im Brennpunkt öffentlichen Interesses, denn am 12. Januar kam ein schweres Erdbeben über ihre Heimat. Die Zahl der Opfer stand auch am Anfang dieser Woche nicht fest, die Rede war von 200.000 Toten. Die Nachrichten aus Haiti vermitteln das Bild einer schwachen Regierung und einer instabilen Gesellschaft, die unter der Last der Naturkatastrophe schier zusammenbrechen. Das Fernsehen zeigt verwaiste Kinder ohne Perspektive. Es drohe Kinderhandel.

In diesem Land sind Carline und François gemeinsam aufgewachsen - zu einer Zeit, als der Westen kaum einen Blick für Haiti hatte, einen wirtschaftlich schwach gehaltenen Staat, den die Nachfahren afrikanischer Sklaven gegründet hatten. François war ein Findelkind in der Hauptstadt Port-au-Prince, er überlebte im Waisenhaus der Heilsarmee. Sein heutiges Alter, 39 Jahre, ist geschätzt. Eine deutsche Familie in Sommersdorf bei Ansbach hat ihn eines Tages adoptiert, da war er schon erwachsen. Später hat er eine deutsche Frau geheiratet. Als er vor sechs Jahren mit einem hiesigen Freund nach Port-au-Prince flog, verliebte der sich in Carline und heiratete sie. Beide Haiti-Geborene gehören nun zur evangelischen Kirchengemeinde in Wilhelmsdorf. Carline Probst hat zwei Kinder.

Ihr Kinderheim von damals wurde durch das Beben völlig zerstört, berichteten sie im Gemeindehaus. Er stellte eine Spendendose auf und tags darauf konnte er eine satte Summe auf das eigens angelegte Sparbuch einzahlen. Inzwischen sind daraus schon 3000 Euro geworden. Das Geld soll dazu beitragen, das Heim der Heilsarmee wieder aufzubauen. »Ich hoffe, die Weltgemeinschaft wird weiterhin Augen für die Kinder von Haiti haben«, sagt François Fontamarra-Schönig - es wäre ein schönes Schlusswort.

Doch dieses Portrait zweier Haiti-Geborenen lässt sich um das Bild einer Dritten erweitern: eines vielleicht vierjährigen namenlosen Mädchens, das das Erdbeben ganz ohne Familienangehörige überlebt hat. Journalisten berichteten. Ihr ist nur ein Spielzeughandy geblieben, mit dem sie beharrlich nach der Mama telefoniert.

In drei Jahrzehnten wird sie so alt sein wie François heute. Wird sie? Sie wird einen Namen haben, den ihr hilfsbereite Fremde gaben, und sie wird eine Frau wie Carline sein. Vielleicht wird ein Geschehen sie einmal unvermittelt in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit rücken. Aber die längste Zeit wird sie ohne solches Interesse überleben müssen. Und da wäre es für sie wahrscheinlich am Besten, meint François Fontamarra-Schönig, jetzt in ein Kinderheim gegeben zu werden, wie er selbst es erlebt hat. Denn schon vor dem Beben, sagt er, haben Kinderhandel und Kinderarbeit in Haiti eine große Rolle gespielt - und sei es durch bitterarme Eltern, die sich an bessergestellte Familien wanden. Jetzt nach der Katastrophe sei die Gefährdung, beispielsweise durch schnelle Adoptionen, noch größer.

So gesehen ist das auch eine Mahnung zur Vorsicht, wenn er sagt: »Ich hoffe, die Weltgemeinschaft wird weiterhin Augen für die Kinder von Haiti haben.«

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Frank Wairer

 


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abgerufen 11.03.2010 - 07:03 Uhr

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