Es klingeln die Münzen im Automaten
Die Zahl der pathologischen Spieler hat auch in Bayern stark zugenommen
Gerade hat die Landesstelle Glücksspielsucht den »Glücksspielsuchtreport 2010« herausgebracht. Dass rund 100.000 Bayern Probleme mit der Glückspielsucht hätten, heißt es darin. Es gibt nach Schätzungen der Stelle 1000 sogenannte »pathologische« Spieler. Das ist eine Steigerung um fast 400 Prozent gegenüber 2001.
 Foto:
Landesstelle
 Die Kampagne »Verspiel nicht dein leben« soll Betroffene und Angehörige über Hilfsangebote für Spielsüchtige informieren. An der Initiative beteiligen sich auch Diakonisches Werk und Caritas.
|
In den Schlitzen der Geldspielautomaten landeten im Jahr 2008 insgesamt 258 Millionen Euro - allein in Bayern, rechnet die Landesstelle. Im Vergleich zum Jahr 2000 habe sich diese Summe um 120 Prozent gesteigert.
Und das, obwohl Automatenaufsteller seit ein paar Jahren einige Einschränkungen hinnehmen mussten. Der Preis pro Spiel darf 20 Cent nicht überschreiten und der Verlust pro Stunde darf pro Automat nicht höher als 80 Euro sein. Doch leidenschaftliche Spieler jonglieren an mehreren Maschinen gleichzeitig, sodass sie auch die fünf Minuten Pause, die jeder Automat nach einer Stunde Spielbetrieb einlegen muss, nicht bremst.
13490 Geldspielmaschinen stehen den Spielern in Bayern in über 1300 Spielhallen zur Verfügung. Das sind 112 Prozent mehr Automaten als im Jahr 2001.
Der Leiter der Suchtklinik »Römerhaus« Gunther Lehner meint, dass das Glücksspielen von staatlicher Seite noch gefördert werde, indem die Geldspielautomaten in Spielhallen als »Unterhaltungsautomaten« bezeichnet werden. Dadurch könnten mehr Maschinen aufgestellt werden und letztendlich mehr Steuern fließen. Lehner erinnert daran, dass in Ostdeutschland bis zur Wende Spielkasinos verboten waren.
Wenn Automaten-Verbote gefordert werden, argumentiert die Spielautomaten-Industrie mit dem Recht des mündigen Bürgers, frei zugängliche Suchtmittel zu konsumieren. Auch Suchtberater Stefan Becker bei der Diakonie in Neu-Ulm steht einem Verbot von Glücksspielen skeptisch gegenüber. »Jeder hat Verantwortung für sein eigenes Leben«, sagt er. Seiner Ansicht nach ist nicht Glückspiel das Suchtmittel, sondern Geld.
Während die Zocker an den Automaten immer mehr werden, verzeichnen übrigens die Spielbanken Umsatzeinbußen. So vermeldete das bayerische Finanzminsterium für die Jahre 2007 und 2008 Einnahmen-Rückgänge um 28 und 17 Prozent. Im Jahr 2007 holte sich der Staat in den neun bayerischen Spielbanken einen Gewinn von 117 Millionen ab, wobei auch in den Kasinos der Hauptgewinn nicht mit Roulette oder Black Jack, sondern an den Automaten erzielt wird. Glücksspielberatungen gibt es in Bayern seit 2008. Ein Ergebnis des »Glücksspielstaatsvertrages«, der acht Millionen Euro bis zum Jahr 2011 für die Aufgaben der »Landesstelle Glücksspiel« zur Verfügung stellt.
Einer von 24 Beratern in Bayern ist Stefan Becker von der Diakonie in Neu-Ulm. In den Monaten Januar bis September 2009 hat er 55 Klienten gehabt. 38 suchten Hilfe, weil sie selbst dem exzessiven Spiel verfallen waren, weitere 13 Frauen und vier Männer kamen, weil ein Angehöriger spielsüchtig ist.
Der Zulauf ist ungebrochen. Becker sagt über seine Klienten: »Ich hätte nie gedacht, welch verletzte Gemüter mir hier begegnen würden«. | SPIELSUCHT
Krankhafte Jagd nach dem Jackpot. Glücksspiel ist ein Suchtmittel, für das mancher sogar kriminell wird. Von Jutta Olschewski. » lesen!
Es klingeln die Münzen im Automaten. Die Zahl der pathologischen Spieler hat auch in Bayern stark zugenommen. » lesen!
Noch nicht alles verloren. Spielsüchtige lernen in der Therapie »echtes Leben«. » lesen!
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |