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Dieser Artikel: Ausgabe 05/2010 vom 31.01.2010
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Bibelverse auf dem Sturmgewehr

US-Armee kämpft in Afghanistan und Irak mit Verweisen auf das Neue Testament am Gewehr


In den USA hergestellte Gewehre, auf denen Bibelcodes eingeprägt sind, werden von US-Truppen und Afghanen im Kampf gegen die Taliban verwendet - Wasser auf die Mühlen derer, die im militärischen Engagement des Westens in der Region einen christlichen Kreuzzug sehen.

Das Neue Testament im Visier: US-Soldat mit Sturmgewehr, auf dem ein »ACOG«-Zielfernrohr samt Bibelstelle angebracht ist.
Foto: pa
   Das Neue Testament im Visier: US-Soldat mit Sturmgewehr, auf dem ein »ACOG«-Zielfernrohr samt Bibelstelle angebracht ist.

        

Es waren Beschwerden wie die eines muslimischen US-Soldaten, die die Sache bekannt machten. Der Soldat hatte sich an die Stiftung »Military Religious Freedom« (Militärische Religionsfreiheit) gewandt und beschrieben, wie ein Ausbilder das amerikanische Sturmgewehr in Anwesenheit auch von Afghanen als »Feuerwaffe Jesu Christi« bezeichnet habe. Ein am Zielfernrohr angebrachter Bibelstellenverweis habe das Sturmgewehr »spirituell verwandelt«, so dass es jeden »Hadschi« (also Muslim) töten werde. Auch der Feind habe sicherlich Koranverse auf seinen Waffen, so der Unteroffizier, »aber unser Herr ist stärker als ihr Götze«.

Der muslimische US-Soldat war empört und sah genauer nach. Unauffällig am Ende der Seriennummer war tatsächlich die Zeichenfolge »JN8:12« angebracht - nun leicht zu identifizieren als Hinweis auf Johannes 8,12: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.«

Nach amerikanischen Medienberichten über die Bibelcodes auf dem Sturmgewehr von Armee und Marine Corps hagelte es Proteste - nicht nur von US-amerikanischen Muslimverbänden.

Das amerikanische Militär gab sich zerknirscht und ahnungslos: US-Regionalkommandeur General David Petraeus bezeichnete die Nachricht als »disturbing«, was zutreffend mit »bestürzend« wie auch »störend« übersetzt werden kann. Denn wenn in muslimischen Ländern amerikanische Soldaten und von ihnen ausgebildete Irakis und Afghanen mit »christlichen Gewehren« schießen, bedeutet dies Wasser auf die Mühlen islamischer Extremisten, für die schon immer klar war, dass der Westen im Irak, in Afghanistan und überhaupt einen anti-muslimischen »Kreuzzug« führt.

Übliche Praxis bei Trijicon-Produkten: auf die Typenbezeichnung des Armee-Zielfernrohrs »ACOG« folgt eine Bibelstelle (mit dem roten Ring gekennzeichnet der Verweis auf »JN8:12«).
Foto: sob
   Übliche Praxis bei Trijicon-Produkten: auf die Typenbezeichnung des Armee-Zielfernrohrs »ACOG« folgt eine Bibelstelle (mit dem roten Ring gekennzeichnet der Verweis auf »JN8:12«).

        

Schuld an den Turbulenzen ist die fromme Praxis des Rüstungszulieferers Trijicon, der alle seine Produkte mit Verweisen auf Bibelstellen versieht. Das Unternehmen mit Sitz in Wixom im US-Bundesstaat Michigan stellt Zielvorrichtungen für Schusswaffen her und hat besonders lichtstarke und robuste Zielfernrohre entwickelt, die keine Batterien benötigen. Das Fadenkreuz wird von einer radioaktiven Tritiumgaslichtquelle erhellt, die ohne äußere Energiezufuhr für Jahrzehnte leuchtet. Vor diesem Hintergrund wirkt es erhellend, dass es auch in einem weiteren der von Trijicon verwendeten Bibelcodes, »2COR4:6«, um das Licht geht: »Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten...«, heißt es im 2. Korintherbrief (4,6).

Ihre Hightech-Visiere bescherten der Firma einen fetten Ausrüstungsvertrag mit den US-Streitkräften, Volumen insgesamt 660 Millionen Dollar: 800000 »ACOG«-Zielfernrohre (Listenpreis zwischen 1000 und 2600 Dollar pro Stück) soll Trijicon über mehrere Jahre liefern.

Unternehmensgründer Glyn Bindon, 1937 im südafrikanischen Pretoria geboren, hat die Praxis mit den Bibelverweisen eingeführt. Auch nach seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz 2003 hat Trijicon daran festgehalten.

Welche Werte das Unternehmen hochhält, ist auf der Internetseite  www.trijicon.com (teilweise auch auf Deutsch) nachzulesen. Zum Beispiel, dass Trijicons Präzisions-Zielgeräte dazu dienen sollen, »die Freiheit des Einzelnen zu schützen«. Sozial engagiert ist die Firma im »Wounded Warrior Project« (Projekt verwundete Krieger), das den Sport von Kriegsveteranen unterstützt, die sich im Einsatz eine Querschnittslähmung zugezogen oder Gliedmaßen verloren haben. Auf die biblische Fundierung der Unternehmensphilosophie weist Trijicon ausdrücklich hin: »Wir glauben, dass Amerika dann groß ist, wenn seine Menschen gut sind. Diese Tugend war durch unsere Geschichte hindurch auf biblische Normen gegründet, und wir sind bestrebt, diesen sittlichen Grundsätzen zu folgen,« heißt es da beispielsweise.

Tom Munson, Verkaufschef von Trijicon, erläuterte die Öffentlichkeitspolitik seiner Firma zu den Bibelstellen so: »Wir machen das nicht aktiv öffentlich. Aber wenn jemand fragt, sagen wir 'Ja, stimmt, das steht da.'«

Zu den Bestellern der frommen Zielgeräte gehörten auch das neuseeländische und das britische Militär. Auch hier war man ahnungslos. Die britische Anglikanische Kirche kritisierte, es wäre »unglücklich, wenn diese Praxis eines Waffenherstellers die militärischen Anstrengungen unserer Streitkräfte unterminierten, der Region dauerhafte Stabilität zu bringen. Menschen aller Glaubensrichtungen sterben in diesen Konflikten auf beiden Seiten, und jede Andeutung, dies geschehe im Namen der Bibel wäre für viele Christen zutiefst besorgniserregend.«

Auch für das Sturmgewehr »G36« der Bundeswehr stellt Trijicon passende »ACOG«-Zielfernrohre her. Sie finden aber - jedenfalls offiziell - in der Bundeswehr keine Verwendung.

Am vergangenen Donnerstag teilte Trijicon nun mit, man habe sich »freiwillig« dazu entschlossen, künftig bei den Lieferungen an das Militär auf die Bibelinschriften zu verzichten. Zudem werde man 100 »Änderungs-Kits« in die Einsatzgebiete liefern, mit denen die Bibelverweise entfernt werden können.

Ob sich so allerdings entstandene interreligiöse Flurschäden beheben lassen, ist fraglich. In muslimischen Internetforen hat die Diskussion - Stichwort »Dschihad« - jedenfalls gerade erst so richtig begonnen.

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Markus Springer

 


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abgerufen 12.03.2010 - 05:20 Uhr

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