First Ladies der Bibel
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Alle Welt spricht von Michelle Obama und Carla Bruni - dabei waren auch die First Ladies zu biblischen Zeiten bemerkenswerte Frauen.
 Foto:
sob
 Bathseba im Bade, Julius Schnorr von Carolsfeld, 1825.
|
Michal, die Loyale - 1. Samuel 18, 17; 19, 8-17; 2. Samuel 3, 13-16; 6, 20-23
Hätte die Liebe, die Michal für David empfand, nicht genügt für eine Heirat? Offensichtlich nicht. Michals Vater Saul forderte von seinem künftigen Schwiegersohn David etwas ziemlich Ekliges: Hundert Vorhäute feindlicher Philister sollte er heranschaffen als »Brautpreis«. David übererfüllte das Soll und brachte zweihundert. Als Saul kurze Zeit darauf David töten will, gerät Michal in einen Loyalitätskonflikt. Die Liebe zu David siegt über die Liebe zum Vater Saul, sie verhilft ihrem Mann zur Flucht. Für Jahre verlieren sich die beiden aus den Augen; erst als David König ist, lässt er sie wieder an seinen Hof holen und macht sie zu einer seiner First Ladies. Michal starb bald, die Ehe blieb kinderlos. ( 1. Samuel 18, 17, 1. Samuel 18, 17, 2. Samuel 3, 13-16, 2. Samuel 6, 20-23)
Zitat: »Aber Michal, Sauls Tochter, hatte David lieb.«
Abigajil, die Schöne - 1. Samuel 25; 2. Samuel 2, 2; 3, 3
Als »eine Frau von Verstand und schön von Angesicht« beschreibt die Bibel Abigajil; ihr Mann Nabal jedoch sei »roh und boshaft« gewesen. Als David ihm begegnete, geraten die beiden sofort in Streit; nur mit List konnte Abigajil David davon abhalten, Nabal zu töten. Als sie ihrem betrunkenen Mann davon erzählte, »erstarb sein Herz im Leibe«; zehn Tage später starb er. David heiratete Abigajil und nahm sie mit nach Hebron, wo er als König über Juda residierte. Dort gebar sie den Sohn Kilab. ( 1. Samuel 25, 2. Samuel 2, 2, 2. Samuel 3, 3)
Zitat: »David sandte hin und ließ Abigajil sagen, dass er sie zur Frau nehmen wolle.«
Batseba, die Strategin - 2. Samuel 11-12, 24; 1. Könige 1, 11-40; 2, 13-25
Eine weitere der First Ladies Davids. Auf welch unschöne Weise sie Davids Frau geworden war, wurde schon mehrmals an dieser Stelle beschrieben. Nicht so bekannt ist, dass Batseba geschickt dafür sorgte, dass sie auch nach dem Tod ihres Mannes ihre machtvolle Position behielt. Als sich Davids Sohn Adonija zu dessen Nachfolger erklärt, ringt Batseba ihrem auf dem Sterbebett liegenden Mann David die Versicherung ab: »Salomo soll für mich auf meinem Thron sitzen.« So geschieht es - und Batseba, die Mutter Salomos, kann weiter am Hofe leben und mitreden. ( 2. Samuel 11-12, 24, 1. Könige 1, 11-40, 1. Könige 2, 13-25)
Zitat: »Batseba neigte sich und fiel vor dem König nieder.«
Isebel, die Boshafte - 1. Könige 16-21; 2. Könige 9, 30-37
Wenn statt Liebe diplomatische Strategien Ehepaare zusammenschmieden, dann ist Ehestress schon programmiert. Ahab, der König Israels, wollte sich mit dem König von Tyros gutstellen und heiratete dessen Tochter Isebel. Da sie nicht Gott, sondern den Baal anbetete, war sie für die Israeliten ein Gräuel. Auch moralisch handelte sie unter aller First-Lady-Würde: Damit ihr Mann Ahab in den Besitz eines Weinbergs kommen konnte, sorgte sie für die Tötung des rechtmäßigen Besitzers Nabot. So viel Boshaftigkeit wird mit einem grausamen Tod bestraft: ( 1. Könige 16-21, 2. Könige 9, 30-37)
Zitat: »Und sie stürzten Isebel hinab, sodass die Wand und die Rosse mit ihrem Blut besprengt wurden.«
Atalja, die Grausame - 2. Könige 11; 2. Chronik 22, 10-23, 15
Sie war verheiratet mit Joram, dem König von Juda. Nach dessen Tod übernahm ihr gemeinsamer Sohn Ahasja die Königswürde, wurde aber schon nach einem Jahr Opfer eines Komplotts. Um selbst den Thron besteigen zu können, ließ Atalja kaltblütig sämtliche Enkel ermorden. Sechs Jahre lang, von 841 bis 835 v. Chr., regierte sie - dann rächte sich, dass sie einen Enkel übersehen hatte. Joasch, einer der Todgeweihten, war von einer Tante in einer Bettenkammer versteckt worden. In einem Putsch erklimmt Joasch den Thron, Atalja wird mit dem Schwert erschlagen. ( 2. Könige 11, 2. Chronik 22, 10-23, 15)
Zitat: »Als aber Atalja sah, dass ihr Sohn tot war, machte sie sich auf und brachte alle aus dem königlichen Geschlecht um.«
Waschti, die Emanzipierte - Buch Ester 1
Ihr Verhalten hatte Stil und machte sie zur Vorreiterin der Emanzipation. Ihrem Mann, dem Perserkönig Ahasveros (auch Artaxerxes genannt), zeigte sie selbstbewusst die rote Macho-Karte. Am siebten Tage eines rauschendes Festes sollte Waschti mit Krone geschmückt dazukommen; der König wollte »dem Volk und den Fürsten ihre Schönheit zeigen«. Doch Waschti weigert sich. Völlig außer sich berät sich Ahasveros mit seinen Juristen, was zu tun sei. Sie haben Angst, dass die Unfolgsamkeit Waschtis »allen Frauen« zum Vorbild würde, »sodass sie ihre Männer verachten.« Also beschließen sie: Waschti wird entmachtet, der König sucht sich eine neue Frau. Was Waschti vermutlich nicht sehr gestört hat. ( Ester 1)
Zitat: »Der König Ahasveros gebot der Königin Waschti, vor ihn zu kommen; aber sie wollte nicht.«
Ester, die Mutige - Buch Ester 2-10
Sie war die Nachfolgerin Waschtis. Perserkönig Ahasveros wählte sie aus einer Vielzahl von Jungfrauen aus und macht sie zur Königin. Selbstbewusst schafft sie es, dass ihr Mann vom Plan ablässt, alle Juden in seinem Land zu töten. Einem wirklichen Happy End steht der Geschichte im Weg, dass die persischen Juden im Gegenzug 75.000 ihrer Feinde töteten. Zur Erinnerung an diese »Heldinnentat« Esters wird bis heute im Judentum das Purimfest gefeiert. ( Ester 2-10)
Zitat: »Der König gewann Ester lieber als alle Frauen.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
KÖNIGTUM
Die »First Ladies« der biblischen Herrscher waren macht- und selbstbewusst, schön und verführerisch, fromm, aber nicht immer rechtgläubig. Manchmal wählten sie unlautere Wege, um auch nach dem Tod ihres Gatten etwas Macht zu behalten und sich in die Politik einzumischen.
Zum Weiterlesen: Bertram Kircher (Hg.): Die Bibel in den Worten der Dichter, Freiburg/Breisgau 2005.
Lesen Sie jede Woche auch das Sonntagsblatt-Titelthema, viele weitere interessante Artikel und Terminhinweise. Auch vor Ort immer gut informiert mit dem Sonntagsblatt: Sechs Regionalausgaben berichten über das, was an Ihrem Wohnort wichtig ist im evangelischen Bayern. Mit Gottesdienst-Anzeiger (München/Oberbayern, Nürnberg, Augsburg).
|
| |
|
 |