Weibliche Nebenrollen
Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel
Nicht jede Bibelfrau kann so bekannt sein wie Eva, Batseba oder Maria. Unzählige Frauen fristen in der Bibel ein Dasein am Rande der Aufmerksamkeit. Dabei haben sie Spannendes zu erzählen.
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sob
 Sandro Botticelli: Ziporra. Fresko in der Sixtinischen Kapelle, Rom (1481-1482).
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Milka - 1. Mose 11, 29
In der Stammvätersippe herrschten inzestuöse Verhältnisse: Milka war die Tochter Harans, eines Bruders Abrahams. Sie heiratete ihren Onkel Nahor. Milkas Enkelin Rebekka wiederum heiratete Isaak, den Sohn ihres Onkels Abraham. Zu schwierig? Auf den hinteren Seiten der meisten Bibeln finden Sie die Stammbäume aufgezeichnet. Übrigens: Die gleichnamige Schokolade hat keine biblischen Wurzeln, sondern ist aus den Wortanfängen von Milch und Kakao zusammengesetzt. ( 1. Mose 11, 29)
Zitat: »Abrams Frau hieß Sarai und Nahors Frau Milka.«
Ketura - 1. Mose 25, 1
Mit Ehefrau Sara war Abraham durchs Leben gegangen, bis dass der Tod sie schied; obwohl hochbetagt, wollte er danach als Witwer nicht allein bleiben. Ketura hieß seine neue Auserwählte, der Name bedeutet »in Räucherduft Gehüllte«. Trotz seines Alters war Abraham noch bemerkenswert zeugungsfähig. Sechs Söhne gebar Ketura: Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach. Abraham stattete sie mit Geschenken aus und schickte sie »ins Morgenland«. Das ist der Grund, warum sich viele Wüstenstämme wie die Midianiter auf Abraham als Stammvater beriefen. ( 1. Mose 25, 1)
Zitat: »Abraham nahm wieder eine Frau, die hieß Ketura.«
Zippora - 2. Mose 2, 15-25; 4, 25
Obwohl sie eine der sieben Töchter des Midianiterpriesters Jitro (auch Reguël genannt) war, stießen Hirten sie und ihre Schwestern unsanft vom Brunnen. Mose, auf der Flucht vor dem Pharao, beobachtete die Szene und erwies sich als Gentleman: Er »stand auf und half ihnen und tränkte ihre Schafe«. So viel Schneid imponierte dem Vater Jitro. Er lud Mose ein und gab ihm seine Tochter Zippora zur Frau. Auf Zippora geht das israelitische Beschneidungsritual zurück. Sie beschnitt ihren Sohn Gerschom und nannte ihn »Blutbräutigam«. ( 2. Mose 2, 15-25)
Zitat: »Da nahm Zippora einen scharfen Stein und beschnitt ihrem Sohn die Vorhaut.«
Kosbi - 4. Mose 25
Würden nicht so viele weise, fried- und gnadenvolle Passagen in der Bibel stehen, könnte man aufgrund Kosbis Schicksal glatt zum Bibelfeind werden. Denn für nichts und wieder nichts wurde diese junge unschuldige Frau grausam erstochen. Während der Wüstenwanderung hatte ein Israelit namens Simri die Midianiterin Kosbi mit in sein Lager gebracht. Der Priester Pinhas schlich ihnen nach »und durchstach sie beide, den israelitischen Mann und die Frau, durch ihren Leib«. Gott bestrafte nicht etwa den brutalen Täter, im Gegenteil: Als Belohnung befreite er das Volk Israel von einer Krankheit, an der 24000 Israeliten gestorben waren. Gott war aber noch immer nicht zufrieden und hetzte die Israeliten weiter zum Unfrieden auf: »Tut den Midianitern Schaden und schlagt sie!« ( 4. Mose 25)
Zitat: »Die midianitische Frau, die auch erschlagen wurde, hieß Kosbi.«
Kandake - Apostelgeschichte 8, 27
»Kandake« ist kein Name, sondern ein Titel, den nubisch-äthiopische Königinnen und deren Mütter trugen. Das Land südlich Ägyptens war reich an Gold, Erz und Edelsteinen. Zur Verwaltung hatte die in der Apostelgeschichte erwähnte Kandake einen Kämmerer angestellt. Auf der Rückreise aus Israel nahm dieser offenbar jüdisch Glaubende den christlichen Glauben an und wurde von Philippus getauft. Da weder Kämmerer noch Kandake in der Bibel namentlich benannt werden, ist eine genaue historische Einordnung schwierig. Es könnte sich um Königin Amanitore handeln, die um das Jahr 50 n. Chr. in der Nilstadt Meroe herrschte. Ihr königlicher Titel hat sich als »Candace« (oder auch in den »süßen«, an Zucker erinnernden Formen »Candice« oder »Candy«) im englischen Sprachraum zu einem populären weiblichen Vornamen weiterentwickelt. ( Apostelgeschichte 8, 27)
Zitat: »...ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien.«
Damaris - Apostelgeschichte 17, 34
In Athen hatte sich Apostel Paulus richtig ins Zeug gelegt. Philosophen hatten ihn »Schwätzer« genannt, das wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Also hielt er auf dem »Areopag«, einem der bekanntesten Plätze Athens, eine herausragende Missionspredigt. Den Gott, den die Athener suchen, sei doch schon in Jesus Christus auf die Welt gekommen, warb er. Viel Erfolg hatte er nicht. Aber immerhin: Einige Männer und Frauen schlossen sich ihm an »und wurden gläubig«. Unter ihnen eine Frau namens Damaris. Vieles spricht dafür, dass sie als Hetäre einen der Zuhörer begleitet hatte. Ihr griechischer Name bedeutet übersetzte »Gattin/Geliebte« oder »vom Volk erfleht«. Über ihren weiteren Lebensweg ist nichts überliefert. ( Apostelgeschichte 17, 34)
Zitat: »Einige Männer schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.«
Berenike - Apostelgeschichte 25, 13-26, 32
Mit ihrem Bruder Agrippa II. hörte die Römerin Berenike in Caesarea eine brillante Verteidigungsrede des Paulus. Der inhaftierte Apostel beteuerte leidenschaftlich, nichts Verbotenes getan zu haben. So brillant war seine Rede, dass Agrippa entfuhr: »Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen.« Der König beriet sich mit Berenike und dem Statthalter Festus, die beiden kamen zu dem Schluss, dass Paulus nicht freigelassen werden dürfe, da er sich auf den Kaiser berufen habe. Außerbiblische Quellen belegen, dass Berenike ein inzestuöses Verhältnis mit ihrem Bruder hatte und später die Geliebte des Kaisers Titus war. ( Apostelgeschichte 25, 13-26)
Zitat: »Am nächsten Tag kamen Agrippa und Berenike mit großem Gepränge und gingen in den Palast.«
| BIBLE'S DIGEST
Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...
»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.
Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.
DIE SPUREN DER FRAUEN
Warum stehen viel mehr Männer- als Frauengeschichten in der Bibel? Die plausibelste Erklärung: Die Bibel wurde von Männern in einer patriarchalen Gesellschaft geschrieben. Und die sind eh und je mehr daran interessiert, die Männermacht zu dokumentieren, als Frauen zu Wort kommen zu lassen. Wer sich auf Spurensuche begibt, findet dennoch viele.
Zum Weiterlesen: Sue und Larry Richards: Alle Frauen der Bibel, Gießen 2002.
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