Ausstieg nur mit Plan
Ein Soldat und engagierter Christ über Afghanistan
Von
Lutz Taubert
Ein Gespräch mit Gerhard Ried, einem 52-jährigen Berufssoldaten aus Hof in Oberfranken, der im Dezember von einem zweimonatigen Einsatz in Kundus und Mazar-e-Sharif im Norden Afghanistans zurückkam. Ried ist überdies engagierter evangelischer Christ und seit vielen Jahren Mitglied der bayerischen Landessynode.
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pr
 Soldat in Afghanistan und Mitglied der bayerischen Landessynode: Gerhard Ried.
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Es ist in der evangelischen Friedensethik eine zentrale Frage, ob ein militärischer Einsatz gerechtfertigt ist. Ist dieser Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gerechtfertigt?
Ried: Ja. Weil nämlich die Bundeswehr nicht nach Afghanistan gegangen ist, um das Land anzugreifen, einzunehmen oder auch zu verändern, wie wir das gerne hätten. Sondern weil, nach allem, was am und seit dem 11. September 2001 geschehen ist, wir davon ausgehen, dass in Afghanistan der Herd oder mindestens eine Quelle ist, von der der Terror ausgeht, und die internationale Staatengemeinschaft dagegen vorgehen will. Dass wir in Kampfhandlungen verwickelt werden, das geschieht, aber das streben wir nicht an. Sondern wir sind da, um beim Aufbau der inneren Sicherheit zu helfen.
In Kirchenpapieren heißt es, solche Einsätze müssten klare Ziele haben.
Ried: Das Ziel meines Einsatzes in Afghanistan war für mich klar und eindeutig: Die Sicherheit der Streitkräfte, die vor Ort im Einsatz sind, zu gewährleisten oder gar zu erhöhen, damit der Wiederaufbau der Sicherheit insgesamt gelingt und voranschreitet. Das ist ja überhaupt das übergeordnete Gesamtziel der Präsenz der ISAF-Truppen in Afghanistan: Herstellung der inneren Sicherheit im Land und der Wiederaufbau des Landes. Als Soldat muss und kann ich da ganz offiziell-formal argumentieren: In einem Papier der UN ist dieser Auftrag beschrieben, und das deutsche Parlament erteilt dazu Mandat und die Legitimation.
Und erfüllt die Bundeswehr diesen Auftrag?
Ried: Wir Soldaten sind in vielfältiger Form an der Herstellung der Sicherheit und auch am Wiederaufbau des Landes beteiligt. Durch Präsenz der Soldaten geht es den Menschen in Afghanistan besser, sie leben sicherer, Menschenrechte haben an Bedeutung gewonnen. Man kann sagen, dass es den Menschen in Afghanistan besser geht, gerade auch, weil deutsche Soldaten u.a. Sicherheit gewährleisten. Ihr Handeln kommt bei den Menschen in Afghanistan an.
Fühlten Sie sich in Afghanistan von Ihrer Kirche im Stich gelassen? Oder kümmerte sie sich um Sie?
Ried: Die Militärseelsorge leistet eine hervorragende und wichtige Arbeit. Von meiner Kirche fühle ich mich nicht im Stich gelassen, auch dadurch nicht, dass Bischöfin Käßmann in einer Neujahrspredigt die Situation in Afghanistan anspricht. - Was mich betroffen macht, ist vielmehr, dass hier in Deutschland man sich so leicht eine - ich sage mal: Biertischmeinung zu Afghanistan macht. Ich wünschte mir, dass die Bevölkerung insgesamt, und damit auch die Menschen in der Kirche, sich einen möglichst genauen und umfassenden Informationstand darüber machen, wie es tatsächlich in Afghanistan ist.
Wie müsste denn Ihrer Ansicht nach ein Ausstieg aus Afghanistan, der gefordert wird, ausschauen?
Ried: Keinesfalls können wir, dürfen wir von heute auf morgen abziehen. Denn dann würden wir die Menschen in Afghanistan tatsächlich im Stich lassen. Zum Ausstieg braucht man einen Plan, eine Strategie, sodass in den wichtigen Bereichen des Wiederaufbaus die Menschen selbstständig dort weiter machen können, wo wir sie verlassen. Das sind konkret Armee und Polizei, das ist die Demokratisierung des gesamten politischen Systems, beginnend bei der kommunalen Ebene. Und das sind die vielen sozialen Hilfsprojekte, die angestoßen sind, etwa der Bau und das Betreiben von Kindergärten und Schulen. | AFGHANISTAN
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