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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2010 vom 10.01.2010
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Nationalheld und Märtyrer

Katholische Kirche spricht »Solidarnosc«-Priester Popieluszko selig


Ein Nationalheld Polens ist Jerzy Popieluszko bereits. Nun erhebt ihn die katholische Kirche als Märtyrer zur »Ehre der Altäre«. Papst Benedikt XVI. hat ein Dekret zur Seligsprechung des »Solidarnosc«-Priesters unterzeichnet, den das kommunistische Regime vor 25 Jahren ermorden ließ.

Polnische Symbolfigur: »Solidarnosc«-Priester Jerzy Popieluszko.
Foto: PD
   Polnische Symbolfigur: »Solidarnosc«-Priester Jerzy Popieluszko.

Selbst im krisengewohnten Polen der Vorwendejahre war es ein Schock, als der Priester Jerzy Popieluszko am 19. Oktober 1984 entführt und später in einem Stausee tot aufgefunden wurde. Der Geistliche, Symbolfigur des antikommunistischen kirchlichen Widerstands nach dem Verbot der »Solidarnosc«, der ersten freien Gewerkschaft im Ostblock, hatte die ihm von Geheimpolizisten zugefügten Qualen nicht überlebt.

Die weltweite Anteilnahme an der tagelangen Ungewissheit über das Schicksal des 37-Jährigen schlug in Trauer um. Hunderttausende nahmen an der Totenfeier in Warschau teil. In ganz Polen waren Millionen Menschen bestürzt über das brutale Ende des populären Geistlichen. Papst Johannes Paul II. (1978-2005) würdigte ihn als »Verteidiger der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der menschlichen Würde«.

»Messen für das Vaterland«

Popieluszko wurde 1947 im Norden Polens als Sohn eines einfachen Bauern geboren. 1972 zum Priester geweiht, arbeitete er - nachdem er eine schwere Erkrankung überstanden hatte - als Krankenhausseelsorger in Warschau. Doch 1980, im entscheidenden Jahr des Umbruchs in Polen, wurde Popieluszko an die Warschauer Pfarrei Stanislaw Kostka berufen. Sie wurde zum Zentrum seines Wirkens und seiner späteren Verehrung. Als sich die Arbeiter des auf dem Gebiet der Pfarrei liegenden Stahlwerks den Streikenden der Danziger Werft anschlossen, kam Popielusz­kos Stunde. Im Auftrag des Warschauer Kardinals Stefan Wy­szynski übernahm er die Betreuung der Stahlkocher. »Tag und Nacht blieb er bei ihnen, zelebrierte die Messe, nahm die Beichte ab, redete ihnen gut zu, beruhigte die erhitzten Gemüter, half mit, irrationale Aktionen zu vermeiden«, berichtete ein Augenzeuge.

Auch nach Ausrufung des Kriegsrechts 1981 und dem Verbot der »Solidarnosc« blieb Popielusz­ko im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit - und im Fadenkreuz des Regimes. Seine ab 1982 monatlich gehaltenen »Messen für das Vaterland« gerieten zur machtvollen Demonstration Tausender für Freiheit und Menschenwürde. Hier konzentrierte sich der Widerstand von Gewerkschaftern und Bürgerrechtlern.

Die kommunistischen Machthaber antworteten mit zunehmendem Druck. Erst kamen Drohbriefe, später flog ein Stein ins Zimmer des Geistlichen. Am 19. Oktober 1984 schließlich das dramatische Ende: Vier Agenten entführten Popieluszko mit dem Auto und brachten ihn in den folgenden Tagen gewaltsam zu Tode. Die Prozesse über Mörder und Hintermänner, Skandale um vernichtete Geheimdienstakten und vorzeitige Haftentlassungen hielten Polen immer wieder in Atem. Sie stehen für die Probleme des Landes mit der Aufarbeitung seiner kommunistischen Vergangenheit.

Popieluszkos Verehrung am Ort seiner Beisetzung in der Stanislaw-Kostka-Gemeinde ist derweil ungebrochen. Längst hat sich das Gotteshaus zu einem nationalen Wallfahrtsort entwickelt. 1987 kniete Papst Johannes Paul II. dort nieder, als er seine Heimat besuchte. Zehn Jahre später leitete die Erzdiözese Warschau ein Seligsprechungsverfahren ein.

Für Millionen Polen ist der »Solidarnosc«-Priester seit Langem schon ein Märtyrer. Im Keller der Warschauer Stanislaw-Kostka-Kirche erinnert seit fünf Jahren ein Museum an ihn. 2009 kam ein regelrechter Actionfilm über Popieluszkos Leben in die Kinos. Und vor wenigen Wochen verlieh Polens Staatspräsident Lech Kaczynski ihm posthum die höchste Auszeichnung des Landes, den Weißer-Adler-Orden - Ehrung für den Kampf des Priesters für ein unabhängiges und gerechtes Polen.

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Gregor Krumpholz

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:22 Uhr

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