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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2010 vom 10.01.2010
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Biblische Handwerker

Sonntagsblatt-Serie: Das Beste aus der Bibel


Im Schweiße ihres Angesichts backen und töpfern, weben und färben, hämmern und sägen sie: In der Bibel wimmelt es von Handwerkern. Viele Berufe gibt es bis heute.

Die Schmiede, Louis le Nain, 17. Jh., Louvre.
Foto: sob
   Die Schmiede, Louis le Nain, 17. Jh., Louvre.

Schmied - Jesaja 41, 7; Apg 19, 23ff; 1. Mose 4, 22

Das Schmiedehandwerk haben die Israeliten von jenen Stämmen gelernt, die vor ihnen im »Gelobten Land« wohnten. Verarbeitet wurden Erz und Eisen, aber auch Edelmetalle wie Kupfer, Silber und Gold. Hergestellt wurden Ackergeräte wie der »eiserne Dreschschlitten«, Sicheln und Pflugschare sowie Hacken und Beile. Am Amboss der Schmiede entstanden außerdem heilige Tempelgeräte. Urvater der Schmiede ist der Bibel zufolge Tubal-Kain, ein Nachkomme Kains. Die Apostelgeschichte berichtet von einem Aufstand der Goldschmiede in Ephesus. Für sie war die christliche Mission des Paulus geschäftsschädigend, sogar existenzbedrohend. Denn zur Botschaft des Paulus gehörte die Mahnung, keine Götzenbilder zu verehren - was den Schmieden von Ephesus eine bedeutsame Einnahmequelle genommen hätte. Unter ihrem Anführer Demetrius versammeln sie sich zum Protest. ( Jesaja 41, 7,  Apostelgeschichte 19, 23ff.,  1. Mose 4, 22)

  Zitat: »Sie machen mit dem Hammer das Blech glatt auf dem Amboss und sprechen: Das wird fein stehen!, und machen's fest mit Nägeln, dass es nicht wackeln soll.«

 

Töpfer - Jesus Sirach 38, 32; Jesaja 64, 6

Unzählige Keramikfunde aus vorchristlicher Zeit belegen: Das Töpferhandwerk hat es schon früh zu bemerkenswerten Fertigkeiten gebracht. Töpfer mischten Tonerde mit Wasser, stampften sie so lange mit den Füßen, bis eine verarbeitungsfähige Masse entstand. Von der trennten sie einen Klumpen ab und setzten ihn auf eine Scheibe, die mit den Füßen gedreht wird. Der geformte Gegenstand wurde in einem Ofen gebrannt und danach glasiert. Das Töpferhandwerk war so bekannt, dass der Prophet Jesaja es auch als Bild für das Verhältnis von Gott und den Menschen benutzt: »Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.« ( Jesus Sirach 38, 32,  Jesaja 64, 6)

  Zitat: »Ebenso geht es dem Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen.«

 

Steinmetze und Bauleute - Markus 12, 10; 1. Könige 5, 29

Neben Lehmziegeln wurden auch behauene Steine zum Bau von Häusern und Tempeln benutzt. Überall wurden Steinmetze und Bauleute gebraucht, die Steine herstellten und auf die Statik der Gebäude achteten. Ihre große geschichtliche Stunde hatten die biblischen »Leute vom Bau« beim Errichten des salomonischen Tempels. 80.000 Steinhauer schlugen Steine, insgesamt waren 300.000 Handwerker verschiedener Völker damit beschäftigt, Salomos Tempelpläne wirklich werden zu lassen. Besonders wichtig war das Legen eines stabilen Fundaments sowie die richtige Positionierung des Ecksteines, an dem sich das gesamte Gebäude ausrichtete. Dieses architektonische Detail nimmt Jesus auf und illustriert damit bildhaft sein heilsgeschichtliche Bedeutung. ( Markus 12, 10,  1. Könige 5, 29)

  Zitat: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.«

 

Weber - Richter 16, 13; Jesaja 38, 12

Schon im alten Ägypten waren Webstühle bekannt und in Gebrauch, um Kleidung herzustellen. Es gab liegende oder stehende Webstühle; mithilfe des »Weberschiffchens« wurde ein Querfaden in die Längsfäden eingezogen. Einen solchen Webstuhl beschreibt der starke Simson, als er Delila verrät, wie man seine schier übermenschliche Kraft bändigen könnte. Wie die Töpferei dient auch die Weberei dazu, das Verhältnis zwischen Gott und Mensch zu beschreiben. »Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden«, sagt der Prophet Jesaja. ( Richter 16, 13,  Jesaja 38, 12)

  Zitat: »Wenn du die sieben Locken meines Hauptes zusammenflöchtest mit dem Aufzug deines Webstuhls und heftetest sie mit dem Pflock an, so würde ich schwach und wie ein anderer Mensch.«

 

Gerber - Apostelgeschichte 9, 43

Leder zu verarbeiten erfordert viel Geschick und ist das Metier der Gerber. Sie stellen aus der Tierhaut Leder und Felle her. So gesehen war Gott der erste Gerber, denn der Paradiesgeschichte (1 Mose 3,21) zufolge machte er nach dem Sündenfall Adam und Eva »Röcke von Fellen«. In Israel produzierten die Gerber außer Bekleidung Sandalen und Riemen, Gürtel und Schläuche für Milch und Wein. Um die frische Tierhaut haltbar zu machen, verwendeten die Gerber Exkremente - das ist der Grund dafür, dass Gerber nicht angesehen waren und oft außerhalb der Städte arbeiten mussten. Was wiederum den Respekt vor dem Apostel Petrus wachsen lässt, denn während einer Reise verbringt er einige Zeit im Hause eines Gerbers namens Simon. ( Apostelgeschichte 9, 43)

  Zitat: »Und es geschah, dass Petrus lange Zeit in Joppe blieb bei einem Simon, der ein Gerber war.«

 

Bäcker - Jeremia 37, 21; 1. Mose 18, 6; Matthäus 13, 33

Im Hause war das Backen Frauensache, so auch im Hause Abrahams, der seine Frau Sara bat: »Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.« Doch sorgten auch Berufsbäcker für die Versorgung der Bevölkerung. In Jerusalem hatten viele von ihnen in der »Bäckergasse« ihre Backstuben. Zutaten für Fladenbrote waren Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig. In einem Gleichnis verglich Jesus das Himmelreich mit einem »Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.« ( Jeremia 37, 21,  1. Mose 18, 6,  Matthäus 13, 33)

  Zitat: »Da ließ ihm (der König) täglich aus der Bäckergasse einen Laib Brot geben.«

 

Zimmermann - Matthäus 13, 55; Jesaja 44, 13

Es ist anzunehmen, dass Jesus beruflich in die Fußstapfen seines Ziehvaters Joseph getreten ist und auch das Zimmererhandwerk gelernt hat. Zimmerleute waren für die Holzbauten eines Hauses zuständig, »er behaut das Holz und zirkelt es ab.« Daneben gab es Holzhandwerker, die schnitzten und Kultgegenstände und Werkzeug anfertigten. ( Matthäus 13, 55,  Jesaja 44, 13)

  Zitat: »Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?«

 

BIBLE'S DIGEST

»Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Alle » Folgen der Serie »Das Beste aus der Bibel« finden Sie » hier...

 

  »Das Beste aus der Bibel« - eine Bibelkunde der besonderen Art.

Der Theologe Uwe Birnstein macht sich in der Sonntagsblatt-Serie »Das Beste aus der Bibel« Woche für Woche auf die Suche nach den bewegendsten und außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. »Das meistgedruckte Buch der Welt verstaubt in den Bücherregalen«, klagt er. Der Grund: Die Heilige Schrift ist kein Roman und eignet sich nicht zur raschen Lektüre. Die Perlen, die sie birgt, müssen erst entdeckt werden. »Das Buch der Bücher birgt Geschichten, die es mit jedem Liebesroman und jedem Thriller, mit jedem Krimi und jeder Generationen-Saga mühelos aufnehmen kann.« Das Beste der Bibel - eine Bibelkunde der besonderen Art.

 

HANDWERK IN DER BIBEL

  Die Handwerker der Bibel arbeiteten entweder selbstständig oder in Lohnarbeit; einige zogen auch als Wanderhandwerker umher und boten ihre Dienste sogar als »Gastarbeiter« in der Fremde an. Handwerkliche Fertigkeiten und Wissen waren hoch angesehen und galten als »Weisheit«.

  Zum Weiterlesen: Frank Crüsemann u.a. (Hg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, Gütersloh 2009.

 

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 09.02.2012 - 00:26 Uhr

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