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Dieser Artikel: Ausgabe 02/2010 vom 10.01.2010
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Selbstgespräche

Sonntagsblatt-Sprechstunde


Selbstgespräche sind Teil unseres fortwährenden »inneren Gesprächs«. Und es ist nicht unerheblich, was wir uns selbst mitzuteilen haben.

Ich habe eine komische Angewohnheit: Ich spreche manchmal mit mir selbst. Aber das ist nicht das Schlimmste. Schlimm ist vor allem, wie ich mit mir spreche. In aller Regel sind es kritische, strenge, strafende Äußerungen, die einem ständigen Selbsttadel gleichkommen und mich sehr quälen. Beispiele: »Du taugst ja sowieso nichts« oder »Es gibt niemanden, der dich mag« oder »Rein äußerlich siehst du ja schon ziemlich bescheiden aus« oder »Du wirst es nie zu etwas bringen«.

Nur hin und wieder wird es ein wenig wohlwollender, und die dunklen Stimmen hellen sich ein bisschen auf. Aber diese Erfahrung hält nicht lange an. Ja, fast ist es so, als ob ich deren Ende schon selbst erwartete. Eine Freundin formulierte es noch deutlicher: »Als ob du es kaum erwarten könntest, wieder in deine Selbstzweifel eintauchen zu können.«

Natürlich weiß ich, dass solche Stimmen nicht von irgendwoher kommen. Meine Eltern, aber auch viele Lehrer, darunter auch so mancher Religionslehrer, haben sie mir immer wieder angeboten. Aber in solchen Schuldzuweisungen möchte ich mich gar nicht allzu lange aufhalten. Ich weiß ja, dass es vor allem an mir liegt, wie es mir geht, und mit meinen bald 50 Jahren bin ich langsam ja auch alt genug dafür. Dass ich hier ein bisschen weiterkomme, das ist mein großer Wunsch für das neue Jahr.

Frau F.

 

Sie haben recht: Mit sich selbst zu sprechen, das allein ist nicht schlimm und - so füge ich hinzu - auch nicht komisch. Im Gegenteil. Wir reden sehr oft mit uns selbst. Unser Gehirn ist ja immer aktiv, und ein Großteil seiner Aktivität besteht darin, uns etwas über uns selbst mitzuteilen. Diese Selbstmitteilungen, stumm oder ausgesprochen, beeinflussen uns sehr stark. Sie können uns das Leben schwer machen. Vor allem dann, wenn sie uns einreden, was alles mit uns nicht stimmt.

Die gute Nachricht dabei ist, dass das auch andersherum gilt. Freundliche Selbstgespräche führen dazu, dass wir uns besser, leichter, zuversichtlicher fühlen. Gut ist, dass Sie nicht nur von quälenden, sondern auch von wohlwollenden Selbstgesprächen berichten. Schenken Sie Ihre Aufmerksamkeit doch bitte einmal diesen Erfahrungen, anstatt deren Ende »herbeizuwarten«.

Wohlwollende Selbstgespräche: Worum geht es dabei? Wie kommen sie zustande? Wie geschieht das Aufhellen der dunklen Stimmen? Und: Können Sie solchen Erfahrungen noch ein bisschen mehr Raum geben? Zum Beispiel indem Sie sich erzählen, was an Ihnen vielleicht auch taugt, wie Sie einmal jemand gemocht hat, wie Sie sich hübsch gekleidet und zurechtgemacht haben oder wie Ihnen etwas gelungen ist.

Dies ist die Stelle, an der Sie im neuen Jahr ein bisschen weiterkommen möchten. Genau darum geht es. Nicht ein neuer Mensch zu werden, sondern an einer Stelle ein bisschen weiterzukommen. Vielleicht hilft dabei auch, wenn Sie Gott ins Spiel bringen. Das, was wir an Weihnachten immer wieder gehört haben: »Es ist erschienen die Freundlichkeit Gottes« (Titus 3,4). Wo entdecken Sie Freundlichkeiten in Ihrem Leben, auf die Sie achten, an die Sie sich erinnern und die Sie in Ihre Selbstgespräche einbringen können?

SONNTAGSBLATT - SPRECHSTUNDE

Barbara Hauck

Wenn Sie ein Problem haben und Rat brauchen, dann schreiben Sie an die »Sprechstunde«, Birkerstraße 22, 80636 München. Die Berater antworten auf dieser Seite oder mit Brief. Sie können auch unmittelbar an einen Berater schreiben: Pfarrerin Barbara Hauck, Breite Gasse 82/84, 90402 Nürnberg - oder Kirchenrat Waldemar Pisarski, Meringer Str. 38c, 86163 Augsburg.

Waldemar Pisarski

Wenn Sie eine längerfristige Korrespondenz wünschen, steht Ihnen die Evangelische Briefseelsorge, Postfach 600306, 81203 München, zur Seite. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

 

 

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Waldemar Pisarski

 


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abgerufen 08.02.2012 - 23:53 Uhr

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