Von Golda Meir zu den heiligen Stätten
Die deutschstämmige Jüdin Myra Erez ist Reiseleiterin im Heiligen Land
Myra Erez hat deutsche Eltern, sie wurde 1942 in Gedera geboren und arbeitet als Reiseleiterin im Heiligen Land.
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Frank
 Myra Erez.
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Sie sei schon immer sehr klein und dünn gewesen. »Bei der Musterung bin ich durchgefallen, und alle meine Freundinnen kamen zum Militär.« Das war 1960. Damals war sie 18 Jahre alt und einsam. Heute ist sie 67, eine hellwache, energische und gefragte Reiseleiterin im Heiligen Land. Myra Erez, Ende 1942 in Palästina geboren, hat einen Beruf, den es eigentlich nur in Friedenszeiten gibt, und einen Lebenslauf, der mit der Geschichte des Staates Israel eng verwoben ist.
Ihr Vater war Leiter der Sozialfürsorge der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main: »Alex Benjamin, Frankfurt, Nähe Ostpark, Ravensteinstraße 1«. So steht er im Frankfurter Adressbuch von 1930 und 1933. Im Adressbuch von 1935 fehlt der Sozialbeamte Benjamin bereits. »Er hat Deutschland im Dezember 1933 verlassen und ist nach Palästina ausgewandert. Dort traf er meine Mutter, die ebenfalls aus Frankfurt stammt und 1934 geflohen ist.«
Myra nippt an ihrer Tasse Tee auf einer Terrasse in der Jerusalemer Altstadt und erzählt ihre Lebensgeschichte. Vom Militärdienst freigestellt, ging sie 1960 zum Sprachstudium nach England, bis 1961 ihr Vater plötzlich starb. Deutschland. »Bei uns zu Hause wurde Deutsch gesprochen«, sagt Myra, die die Sprache ihrer Eltern akzentfrei spricht. Sie betont: »Meine Eltern haben nie ein böses Wort über Deutschland fallen lassen.« Und sie bedauert, mit ihren Kindern habe sie leider nie Deutsch gesprochen. »Aber jetzt mit der Enkelin, auf Wunsch der Tochter.«
20 Jahre alt und von England zurückgekehrt nach Israel, findet Myra eine Anstellung in der Afrika-Abteilung des Außenministeriums. Golda Meir war damals Ministerin und die Englisch wie Deutsch sprechende Sekretärin Myra gut in Steno. Daher war Myra bis 1964 oft bei Golda Meir, der späteren Regierungschefin, zu Hause.
Sie wurde versetzt, kündigte und heuerte bei einem Anwalt an. In Abendkursen bildet sie sich zur Reiseleiterin fort, lernte auf der Schulbank ihren späteren Ehemann Arnon kennen. 1967 heiraten sie, aber Myra gilt als ungeeignet für den körperlich belastenden Job einer Reiseleiterin und arbeitet zunächst als Tourismusagentin. Sie bringt eine Tochter und zwei Söhne zur Welt, jobbt im Anwaltsbüro und bei einem israelischen Pharmaunternehmen. 1972 machte sich ihr Mann als Versicherungsgutachter selbstständig. Sie erledigte die Buchhaltung, erzog die Kinder und setzte nebenbei ihre Ausbildung als Reiseleiterin fort. 1983 ging ihr Herzenswunsch in Erfüllung: Sie wurde Reiseleiterin.
»Wir sind Freelancer, erhalten Tageslohn, keine Rente, nur Sozialversicherung«, erzählt sie. Dreimal war sie seitdem praktisch arbeitslos: während der ersten Intifada 1987, während des Golfkriegs 1991 und während der zweiten Intifada, die im Jahr 2000 begann. Insgesamt waren das sieben Jahre ohne Einkommen - »Sieben Jahre, die jetzt im Rentenalter fehlen.« Immerhin haben staatliche Reformen den unbeschäftigten Reiseleitern inzwischen Qualifizierungsmaßnahmen für andere Tätigkeiten und eine Art Arbeitslosengeld beschert, das bis zu einem Jahr lang gezahlt wird.
»Die Arbeit als Reiseleiterin ist wie eine Droge. Auch wer in der Krise seinen Job verliert und etwas anderes macht, kommt irgendwann wieder«, sagt Myra. Kellner, Hotelangestellte und Busfahrer sind von den Krisen ebenfalls betroffen. Während des Golfkriegs hat sie mit Kollegen Fortbildungskurse für Reiseleiter organisiert, die Universität stellte die Räume zur Verfügung, auch die Dozenten arbeiteten kostenlos. Thema damals: die Wurzeln die Christentums in Palästina.
»Einige Kollegen sind damals Taxi gefahren. Andere waren vorher Lehrer und gingen in die Schule zurück«, sagt Myra. Sie verschweigt nicht, dass es ihr in diesen Zeiten besser ging als anderen, weil ihr Mann Arbeit hatte. Aber die Trinkgelder müsse man schon zurücklegen. In allen Krisen haben die Reiseleiter für mittellose Kollegen gesammelt, die dies versäumt hatten. Aber immer dann, wenn es im Tourismus wieder aufwärts ging - wie etwa seit zwei Jahren -, sah sie Myra fast alle wieder auf der Straße. »Es macht mir enormen Spaß. Ich genieße es«, sagt die kleine Frau mit Überzeugungskraft, steht auf und weist uns den Weg zum Jaffa-Tor in der Jerusalemer Altstadt.
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Frank
 Myra Erez in der Ruine der Kreuzfahrerkirche auf der jüdischen Festung Massada am Toten Meer.
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