ZEITZEICHEN
Der bayerische evangelische Pfarrer Waldemar Pisarski musste sich, zehn Jahre ist's her, einige Prügel gefallen lassen, als er einen Vorstoß wagte in Sachen »kirchliches Scheidungsritual«. Und dies, obwohl die Ehe in protestantischer Tradition keinen sakramentalen Charakter genießt. Und nun lesen wir eine Meldung des Evangelischen Pressediensts epd mit dem Titel: »Bundesweit erste Scheidungsmesse im Frühjahr.« Eine Scheidungsmesse will man der traurigen Trennung von zwei Menschen lesen, die einmal den Bund fürs Leben geschlossen haben und nun wieder auflösen - eine Scheidungsmesse!
Wieder einmal lohnt es sich weiterzulesen, denn natürlich handelt es sich nicht um einen katholischen Gottesdienst, sondern um ein, nun ja, Handelstreffen, eine Leistungsschau, die im Frühjahr in Düsseldorf stattfinden soll.
Bestürzt wird uns bewusst, dass wir der Branche bisher vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben. Natürlich stimmt, was die Messe-Veranstalter vom Internetportal »scheidung.de« sagen: »Wer sich in einer Trennungsphase befindet und sein Leben neu ordnen will, hat einen hohen Informationsbedarf.« Unter dem Motto »New Start - Gewinnen Sie ein neues Leben« sollen deshalb bei der Messe Lebensberater, Mediatoren, Scheidungsanwälte, Typberater und Partnervermittlungen diejenigen informieren, die mit ihrem alten Partner nicht mehr zurechtkommen oder nicht mehr zurechtkommen wollen.
Dass ewig bereits der nächste Bund fürs Leben lockt, beweist der Umstand, dass ausgediente Hochzeitskleider oder der Ehering auf der Scheidungsmesse verkauft werden können. Auch für die nächste Trennung lässt sich vorsorgen: Bei einer Verlosung winkt als Hauptpreis die Übernahme der Scheidungskosten in Höhe von 2500 Euro. |
SONNTAGSBLATT-TV

|
Sonntagsblatt-TV: Lob des Sonntags. Zeitforscher Karlheinz Geißler und andere über das Besondere des Sonntags. » Video starten
|
| |
 |